Offener Brief an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

der Badischen Zeitung von heute entnehme ich, dass Sie umfangreiche Gesetzesvorhaben und Erlasse planen, die als Reaktion auf die Gruppenvergewaltigung vor einer Freiburger Diskothek gelten sollen. Die Badische Zeitung schreibt dazu: „Die [Vorhaben] haben es durchaus in sich, wie der Entwurf von Ende 2018 zeigt, der der Badischen Zeitung vorliegt. So will die Regierung prüfen, ob sie eine gesetzliche Grundlage für die Einführung nächtlicher Ausgangssperren in Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen kann.“

Ich will nicht abseits stehen, wenn Sie sich abmühen, für gerechte und notwendige präventive Kasernierung möglicherweise zukünftig auffällig werdender Bevölkerungsteile zu sorgen. Deshalb schlage ich Ihnen vor, weiße Männer, vorzugsweise über dreißig Jahre, mit einer nächtlichen Ausgangssperre zu belegen. Ich wohne zwar in Bayern, bin aber bereit, insofern Sie nach Einbruch der Dunkelheit im Hause blieben,

Wie die Nacht dem Sonnentag

Alma Deutscher hat gesagt, sie wolle „schöne Musik machen“. Das bezog sich natürlich nur auf den Klang, nicht auf den Inhalt, nicht auf die zu transportierende Nachricht. Ich will mir das zu Herzen nehmen. Dieser Tage erscheint nun endlich das Langgedicht Obszön. Das ist noch in der mir in den letzten zehn, fünfzehn Jahren passendsten Weise
geschrieben. Ungereimt, frei, kaum rhythmisch. Aber vielleicht sollte ich diesem Gedicht, mit dem ich zufrieden bin, ein weiteres, gereimtes Langgedicht folgen lassen.
Hier also ein Gedicht von der Art, die ich zuvor geschrieben habe. Ganz frisch und im ICE nach Hamburg entstanden. Der Versuch, eine Adressatin oder einen Adressaten zu finden wird übrigens scheitern. Es gibt keine Adressperson. Es sollte zuerst ein Gedicht über die Unmöglichkeit werden, die sanften Hügel Frankens vollständig in Worte zu fassen — hat dann aber ganz ohne mein Zutun gemorpht.

Assange darf nicht ausgeliefert werden

Das deutsche PEN-Zentrum fordert die britische Regierung auf, die Auslieferung von Julian Assange in die USA zu verhindern. Zugleich bittet der deutsche PEN die europäischen Institutionen, das Ihre zu tun, um eine Auslieferung Assanges in die USA wirksam zu unterbinden.

„Die Freiheit des Wortes, die Pressefreiheit und die Freiheit der Person müssen in der EU garantiert sein. Sonst verrät die EU ihre Grundlagen in zerstörerischer Weise“, so der Vizepräsident und Writers-in-Exile-Beauftragte des deutschen PEN, Leander Sukov. „Die EU muss handeln und Großbritannien muss sich als Staat mit europäischen Werten beweisen.“

Nach den heute vorliegenden Informationen haben die US-amerikanischen Justizbehörden die Anklage gegen Julian Assange nochmals verschärft und um 17 Punkte erweitert. Ihm drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft. Dabei behandeln die USA den Whistleblower nicht mehr als Jo

Writers for Future

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) ruft zu Solidarität mit den weltweit streikenden und demonstrierenden Schülerinnen und Schüler für eine lebenswerte Zukunft auf.

»Wir bitten Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, wir bitten alle Menschen: Unterstützen Sie den Protest der Schülerinnen und Schüler, die in mehr als 110 Ländern mit ihren Mitteln für unser aller Zukunft demonstrieren!«, so Lena Falkenhagen, die Vorsitzende des VS.

Die Schülerinnen und Schüler fordern, dass die Menschheit endlich radikal gegen den selbst verursachten Klimawandel vorgeht, denn die Erderwärmung, die Verseuchung von Flüssen und Meeren, die Überschwemmung der Ozeane mit Plastikteilen, die Vernichtung von Insekten, die Zerstörung der Regenwälder bedroht nicht nur das Leben der Menschen, sondern die Gesamtheit von Flora und Fauna des Planeten.

»Es liegt in der Verantwortung aller Menschen, di

Das tätowierte Gedicht

Mein erster langfristiger Erfolg als Dichter war ein Gedicht über die Zwiebel. Die Zwiebel war meine Stammkneipe in Hamburg. Und ich glaube, kaum ein Gedicht hat einem Dichter in den Siebzigern oder Achtzigern hierzulande so lange Geld eingebracht, wie das. Ich habe keine Ahnung, wie es überhaupt dazu kam.

Jedenfalls: Ich war so um die Zwanzig und wir hingen mit ein paar Genossinnen und Genossen gerne in der Zwiebel ab. Ich latschte meist von Zuhause hin. Vom Sandweg über den Platz ohne Namen, heute heißt er Glücksburger Platz, durch die Eimsbüttler Straße und die Langenfelder rauf, wo meine Großeltern gewohnt haben, die Alsenstraße entlang und unter den Gleisen durch, über die Allee und beim Altonaer Rathaus vorbei und dann runter Richtung Neumühlen. Auch im Winter. Ich wusste, wann ich losgehen musste, um pünktlich um Acht vor der Tür der Kneipe zu stehen und dann, wenn ich Glück hatte, als der erste Gast in den Laden gelassen z

HANK WAR LANGE NICHT MEHR HIER

das letzte was ich hörte war
dass es ihm gut geht
somewhere
früher kam er manchmal vorbei
erzählte von seiner jugend
brachte linda mit
berichtete von seiner beerdigung
die ist ein viertel jahrhundert her
hat sich gut gehalten
der verstorbene
sieht nicht tot aus
hat viel zu tun
immer neue bücher
jedenfalls war er schon
eine ganze zeit lang nicht hier
schreibt aber
ich mache mir notizen
für später

Bild: Wikipedia, Commonurbock23 [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)]

Leander Sukov

Simone Barrientos am Tag des Auschwitz-Gedenkens (Rede)

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Nach der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz soll Simone Barrientos (DIE LINKE), kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, zur Kultur im ländlichen Raum sprechen. Und sie spricht dazu. Auf ihre, ganz einzigartige Weise, und schlägt den Bogen zu Auschwitz und dem Faschismus. Auch mit der Rezitation eines Gedichtes von mir.

Leander Sukov

Schöne kleine Stadt

Dieser Tage erscheint neu die kleine Novelle “Schöne kleine Stadt”. Eine Novelle über Ochsenfurt, das in der Tat und man braucht keine Fünfe grade sein…