Die Katastrophe: Der Klimawandel. Die Folgen: Beherrschen.

Wir müssen mehr tun, als gegen den Klimawandel zu kämpfen. Wir müssen schon jetzt Vorsorge dafür treffen, soviele Menschen wie möglich zu schützen und zu retten, wenn der Worst-Case eintritt. Es gilt Gramsci: Optimismus der Tat und Pessimismus des Gedankens. Tun wir was wir können, um den Klimawandel zu beherrschen, und denken wir daran, nicht zu vernachlässigen, was nötig wird, wenn wir ihn nicht beherrschen können.

Leander Sukov

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Wir wünschen einen guten Rutsch

Gute Wünsche sind außerordentlich angebracht. Das nun verendende Jahr war ein schwieriges Jahr für die ganze Menschheit. Hoffen wir, dass das kommende besser wird und danken wir dem bald vergangenen dafür, dass es uns gezeigt hat, was kommen mag. Wir alle, Feuerland bis zur Behringsee, sollten als Aufforderung verstehen, was uns nun fast vorübergegangene Jahr gebracht hat, als Aufforderung, stets Wahrschau zu halten und Obacht zu geben, diesen Planeten zu schützen und die Rechte auf Leben, Gesundheit, saubere Umwelt und Freiheit stets hochzuhalten.

 

Leander Sukov

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Abseits der sozialistischen Errungenschaften

Sinti in der DDR

im mitteldeutschen verlag ist ein wunderbares Buch erschienen, eines von der Art, die ganz unerwartet sind, und deren Entdeckung einen voll Vorfreude auf das Eintreffen des Rezensionsexemplares warten lässt. Simone Trieder, die Mitglied des deutschen PEN-Zentrums ist und seinem Präsidium angehört, hat zusammen mit dem Fotografen Markus Hawlik-Abramowitz ein Buch über Sinti in der DDR herausgeben. Welch eine große, historische, literarische und bildnerische Leistung!

Da ist zunächst die grandiose Fotografie Hawlik-Abramowitz‘. Diese grauen, manchmal körnigen, manchmal fast nebligen Bilder, die dabei doch in einer, den Betrachter treffenden Klarheit, den Ausschnitte aus dem Alltag der Sinti wiedergeben. Das Glück in der scheinbaren Ausweglosigkeit der Vorurteile, die auch in der DDR eine zusätzliche Mauer schufen. Die Menschen, die sich präsentieren manchmal, so schön sie können, um sich herauszuschneiden aus ihrem Sein, das auch

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Schaut auf

Geh durch die Stadt.
Blick zu den Fenstern
der leeren Hotels.
Blick zu den Fenstern
der leerstehenden Bürohäuser.
Siehst Du die
Kinder, Frauen und Männer
aus Moria.
Sie blicken auf dich
aus den Fenstern
der leeren Gebäude.
Sie blicken auf dich
aus den leeren Gebäuden
ihrer abgedunkelten Zukunft
im überfüllten schlammigen Lager
die rattengebi
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Jana aus Kassel

Es war richtig, deutlich zu sagen, dass der Redebeitrag auf der Demonstration falsch war, anmaßend, relativierend.
Aber es ist NICHT RICHTIG nun diese Frau durch das Netz zu jagen, sie in jeder Gruppe mit immer neuen Sarkasmen zu veralbern, beleidigen, herunter zu machen. Und gänzlich falsch sind nun die Beiträge, die sich darauf beziehen, dass sie eine Frau ist und darauf Häme und Boshaftigkeit aufbauen.
Wer gegen „Rechts“ ist, und damit ist ja immer auch die Relativierung der Nazi-Verbrechen, die falsche Aneignung von Verfolgungsvergleichen, Rassismus, Antisemitismus usw. gemeint, wer also gegen „Rechts“ ist, darf sich aber auch nicht der Mittel bedienen, derer sich die Rechten bedienen. Das geht nicht, es macht unglaubwürdig und schadet dem Antifaschismus
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Die Objektivität liegt in der Klarheit

Einen Teil der auswuchernden Proteste gegen Demokratie und Vernunft haben Medien und wir, die Intellektuellen, selbst zu gelassen. Indem vermeintlich neutrale Wörter benutzt werden, die aber gar nicht neutral sind, sondern objektiv nichtbenennen:
  • Coronaskeptiker
  • Maßnahmenkritiker
  • Rechtspopulisten
sind drei Wörter von vielen, die eben nicht neutral beschreiben, sondern schönreden.
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Sansibar. Ein Gedicht.

Reimer Boy Eilers, der aus Helgoland stammende Schriftsteller, hat mit „Die Schiffbrüchigen von Tumbatu“ den Versuch gewagt, mit einem Langgedicht sich der Tragödie der Sklaverei zu näheren. Der Versuch ist gelungen.

Die Form ist fast ganz ins Vergessen geraten. Zwar hält sich Howl noch, das lange Gedicht von Allen Ginsberg über „seine“ Generation im Bewusstsein, auch lebt in der Gothicszene noch das Gedicht „Lost Paradise“ von John Milton, mehr aber gibt es nicht im allgemeinen literarischen Wissen. Das mag sich nun ändern. Vielleicht auch, weil die Zeit bereit ist, zu alten Formen zurückzukehren und also das Sprichwort vom alten Wein in neuen Schläuchen umzukehren. Möglicherweise, weil auch die große Menge des leidvoll Erzählnotwendigen mehr als die Formen Novelle und Roman braucht. Anne Weber hat mit „Annette, ein Heldinnenepos“ den deutschen Buchpreis gewonnen. Eine hohe Auszeichnung für eine fast noch solitäre Formgebung. Fast noch,

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Die Mühlen der Mörder mahlen wieder Knochen

Nizza, Wien, Kabul. Die faschistischen Mörder des Daesh lösen die Bremsen von ihren Mühlen.
Auf ihre Mühlenräder hat der Wankelmut der westlichen Demokratien ebenso Wasser geleitet, wie der türkische Alleinherrscher Erdogan.
In Syrien, in blutigen, notwendigen, und in der Tat heldenhaften, Kämpfen haben kurdischen Selbstverteidigungsgruppen die verbrecherische Soldateska des Daesh besiegt. Frauenbataillone standen dabei in vorderster Reihe. Zugleich hat der Nato-Partner Türkei immer wieder Waffen an die islamistischen Milizen geliefert, auch an den IS.
Die Toten von Nizza, Wien und Kabul hat auch d
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Isoldes Liebhaber. Wenn die Literatur großartig wird.

Im August ist im Kulturmaschinen Verlag, ein Verlag, der seinen Autor:innen vollständig gehört und mit großem Sachverstand durch den gewählten Verlagsleiter Sven J. Olsson geführt wird, ein Band mit Erzählungen von Peter H. Gogolin erschienen.

Gogolin gehört, das darf nicht verschwiegen werden, zu den Gründern des Autor:innen-Verlages Kulturmaschinen. Sein literarischer Sachverstand, das unbestechliche Festhalten an hoher literarischer Qualität bei Neuaufnahmen in den Kreis der Kulturmaschinist:innen tragen sicherlich zu dem sich abzeichnenden Weg der Kulturmaschinen bei.

Peter H. Gogolin hat bereits in den Achtziger Jahren beträchtliche Erfolge mit seinen Büchern erzielen können. Er war damals ein literarisches Schwergewicht. Er ist es heute. Seine, inzwischen im Kulturmaschinen-Verlag wiederaufgelegten Romane Seelenlähmung und Kinder der Bosheit erschienen 1981 und 1986 bei Kiepenheuer und Witsch. Er war 1989 Stipendiat der Villa Massimo in Rom.

D

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Eine kurze Rede über die Situation der EU

Diese kurze Rede ist ersten inhaltlich völlig richtig. Wenn das Kosovo anerkannt ist, gibt es keinen vernünftigen Grund Berg-Karabach nicht anzuerkennen.
Ja, ja, ich weiß: Staaten haben keine Ethik sondern Interessen. Aber Staaten bestehen aus Menschen. Und die sollten eine Ethik haben.
Zurecht fordert die EU Demokratie in Weißrussland und Russland ein. Zu Unrecht tut sie es nicht in der Türkei. Dort ermordet ein Autokrat in
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Die Literatur müssen wir uns weiß vorstellen

Was lehrt die Vergabepraxis des Literaturnobelpreises:
Nur wenige Frauen schreiben. Sie sind alle weiß.
Hauptsächlich schreiben Männer. Sie sind fast alle weiß.
Es gibt keine schreibenden Afrikanerinnen, Asiatinnen, Südamerikanerinnen.
Manche männliche Asiaten, Afrikaner und Südamerikaner können schreiben. Falls sie männlich sind.
Anzahl insgesamt: 116, Frauen 13, POC-Frauen: Null
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Sonett vom Handeln

Und wenn ich schweige, stimm ich zu.
Und tu ich nichts, so handel ich.
Wenn ich nicht störe Eure Ruh
fällt Eure Tat am End auf mich.

Da ich nicht schuldig werden will,
an Eurem Handeln, Eurem Tun,
so darf ich länger nicht mehr still
und müde, träge, lustlos ruhn.

Denn sag ich nichts, kann niemand hören
dass ich verabscheu, was Ihr sagt.
Und tu ich nichts, kann ich nicht stören,
die Tat, die stumm ich nur beklag.

Denn Euer Unrecht tatenlos zu dulden,
heißt Krieg und Not mitzuverschulden.

Leander Sukov

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Mörder und Mimosen

aus allen nähten platzen die arsenale

langlebige amphibien schminken sich

für das treffen an der staatsgrenze

bis die erde verstummt

unbändige farne versperren die fluchtwege

am himmel toben

mücken mit obszönen graffitis

mörder und mimosen

verfassen friedensappelle

billigparasiten

mit viel bewußtsein ohne gebärde

warten auf ihre stunde

SAID

 

Foto: Kritzolina / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Leander Sukov

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Neuer Realismus. Die Gedichte Bernhard Büschers

Im kleinen, aber durchaus feinen, Ventura Verlag ist dieser Tage das zweite Buch mit Geschichten von Bernhard Büscher erschienen.
Büscher, der bis zu seiner Pensionierung Polizist in Kamen war, hat eine späte, bemerkenswerte Kariere als Dichter begonnen. Eine, nicht nur, regionale Wahrnehmung im öffentlich-rechtlichen Radio und den durchaus gewichtigen Blättern des Ruhrgebiets haben ihn einem recht großen Publikum bekannt gemacht.
Und das zur Recht. Denn Bernhard Büscher hat es vermieden in den Chor der dichtenden Ichse einzusteigen und das Lied des selbstbezogenen Leidens zu singen.

Ich bin, ich gebe es zu, voreingenommen, nicht weil ich Bernhard Büscher kenne (ich kenne ja auch viele andere Dichter und Dichterinnen), sondern weil es mir seit etlicher Zeit sauer aufstößt, wie sehr sich Lyrik immer wieder um den oder die Lyriker:in dreht und um sonst nichts. Schatten allenthalben, geworfen von des Wirrnissen der Kindheit auf die Blätter, die dann nicht

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Nazis, Hippies und der ganze Rest

Was mich bei der Berichterstattung wundert, ist, dass Hippies und Nazis jetzt immer als Gegensatz genannt werden, der zur Überraschung von Journalisten zusammen auf den Berliner Demos des Wochenendes zu sehen war.
Erinnert sich niemand an Charles Manson und seine Killerbande? Es gibt faschistische Strömungen in allen Subkulturen: Nazipunks und totalitäre Sekten, Dreadlock-Träger, die sich damit weniger an jamaikanischen Gepflogenheiten orientieren, als eher an Behauptungen über germanische und keltische Haartrachten von Heilern und Druiden.

Und diese Mischung findet sich unter den Demonstranten, auch am 29. August 2020 in Berlin.

Das Problem derer, die mit selbstverständlich zu tolerierenden Anliegen auf die Demonstrationen gehen, ist die Nichtabgrenzbarkeit. Sie wissen, dass sich diese brauen Vögel untermischen werden, um die Veranstaltu

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Die üblichen Verdächtigen …

Die üblichen Verdächtigen fordern im Falle von Belarus „das Selbstbestimmungsrecht der Völker“, also die Nichteinmischung. In Diktaturen bestimmt das Staatsvolk reinweg nichts. Es kann deshalb auch nicht selbstbestimmen, bestimmen wie der Staat handelt.
De facto fordern man die Unantastbarkeit der Diktatur. Das fordern diese Leute immer dann, wenn sie vermeinen, die Dikatur fördere irgendwie den antiimperlialistischen Kampf. Im Reflex gegen USA, EU und NATO ist quasi jedes Regime recht. Auch das von Lukaschenko.

Harbour Front

Der Spiegel berichtet heute, dass die österreichische Schauspielerin und Kabarettistin Lisa Eckhart nicht beim Harbour Front Literaturfestival in Hamburg auftreten könne, man hätte sie ausgeladen. Vorangegangen seien Drohungen, den Auftritt zu sprengen. Man unterstellt Lisa Eckhart Antisemitismus.

Ich mag Lisa Eckhart nicht. Aber sie muss auftreten können.
Es kann nicht sein, es dazu kommen zu lassen, dass Künstler nicht auftreten können, weil die Interpretationsweite ihre Darbietungen, Veröffentlichungen oder Aussagen die Erfassungsmöglichkeiten ihrer Kritiker übertreffen. Es gibt, außer auf der Ebene der Zuschreibungen, keine aus den Texten sicher ablesbaren antisemitischen Stellen. Die Figur, die eine Bühnendarstellungen auf einer Bühne «gibt», ist nicht zwingend die Schauspielerin selbst.
Ich habe Probleme damit, was Lisa Eckhart macht. Nicht nur wegen der Inhalte an sich (das ist meine individuelle Sache und gehört in den Bereich der T

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Die rechte Szene rüstet auf – Konsequenzen für die Kultur

Von Prof. Dr. Lutz Götze

Der Verfassungsschutzbericht, den Innenminister Seehofer vor wenigen Tagen vorgelegt hat, beweist es überdeutlich: Die Zahl der Gewalttaten, die dem rechten Spektrum zuzuschreiben sind, ist in der jüngsten Vergangenheit dramatisch angestiegen. Dazu gehören die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, die Morde von Hanau und das Attentat in Halle. Umfang und Qualität der Verbrechen haben freilich noch andere Dimensionen: Über Polizeicomputer in Hessen wurden persönliche Daten prominenter Frauen- Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, die Linken-Politikerinnen Janine Wissler, Anne Helm und Martina Renner sowie die Kabarettistin Idil Baydar- abgefragt und Hassbotschaften, unterzeichnet mit NSU 2.0, versandt. Inzwischen haben weitere Frauen, die im öffentlichen Leben stehen, Morddrohungen erhalten, darunter die Moderatorin Maybrit Illner.
Passend dazu wurde bekannt, das

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Nebel im Bazar

Vor einigen Tagen haben eine Reihe us-amerikanischer Schriftsteller:innen und Wissenschaftler:innen in HARPER’S einen offenen Brief veröffentlicht, dessen Ziel es offenbar ist, etwas zu bekämpfen, was der dort apostrophierten «free debate» entgegenläuft: Die Forderung nach beruflichen Konsequenzen. Konkrete Beispiele werden nicht genannt. Man kann im Subtext, also zwischen den Zeilen, jedoch Fälle imaginieren, die gemeint sein mögen.

Insgesamt gesehen, ist dieser offene Brief Phrase und in seiner Vagheit für jedwede Beipflichtung offen. Diesen Sendbrief kann der Grand Wizard des Ku-Klux-Klan ebenso unterzeichnen wie das schwarze Opfer von Polizeigewalt. Denn der Brief hat keine Linien, er ist nicht beschränkt in seiner Offenheit und seine Fürsprache unbeschnitten, er ist Oberfläche, und nur das. Das ist einem Diskurs über die Grenzen der Toleranz und Akzeptanz abträglich.

Wenn auch zurecht gefordert wird, dass nicht jeder inhaltliche Fehltritt skandalisi

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Gewogen: Schmerzen

und diese menschen
die machen sich auf die reise
mit dir die wasserfälle
hinab zu sehen
ob die abgründe zu
überleben sind fall für
fall nicht hinab zu stürzen
kommt dir kommt ihnen
nicht in den sinn
nehmen sie dein fleisch
und wiegen deine schmerzen
und die wiegst ihre
und alles ist aufregend
und schmeckt nach abenteuer
und sünde und vergehen und
auferstehen und grab und beet
und rosen und hundeblume
und dann sterben sie deiner liebe weg
und dann stirbst du ihrer liebe weg
wie ein herzpatient auf dem optisch
und sie sezieren dich noch einmal
und du schwebst als geist über euch
und ihnen geht es genauso
wenn du sie aufbrichst noch ein letztes mal
und dann verschwinden sie
werden durchsichtig und du auch
und ihr werdet unsichtbar für einander
außer in der erinnerung
und das schmeckt alles wieder nach abenteuer<

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In Vorbereitung

Zum Ende 2022

Die Liebe ist ein reißendes Tier

Liebe und Verlorenheit

“Warten auf Ahab” und seine Fortsetzung. Vollständig überarbeitet. Ein Roman voll Liebe und Liebesleid, Kampf und Hoffnung.