Leander Sukov

Schreiben.

Kein Exit vom Brexit?

Posted on | Juni 9, 2017 | No Comments

Nach den Wahlen im Vereinigten Königreich ist der Brexit leider weiterhin auf der Tagesordnung. Dem muss man in der EU Rechnung tragen. Peter Frey, der Chefredakteur des ZDF hat heute in HEUTE dazu aufgerufen, die Tür für das Vereinigte Königreich offenzuhalten. Aber so einfach wird das nicht sein.
Denn auch den Schotten wird man die Tür öffnen müssen. Und es ist klar, dass sich die nicht von der Abstimmung zur Abtrennung des Landes vom UK nehmen lassen werden. Wer sollte es auch verhindern? Die schwache Premierministerin? Sicher nicht.
Aber auch die Signalwirkung darf nicht unterschätzt werden. Und auf das Signal kommt es nun an. Wer aus der EU geht kann doch nicht damit belohnt werden, dass die als Gegenleistung die Ampel zum Gemeinsamen Markt auf Grün stellt. Es muss klar gemacht werden: Wer die EU verlässt ist draußen und er ist dann ein Importland, wie jedes andere auch, das keine besonderen Verträge hat. Wer geht, kann doch nicht ernsthaft verlangen, dass die Abkommen, die in Jahrzehnten mit Norwegen zum Beispiel, gewachsen sind.
Natürlich braucht man ein Wiedereintrittsszenario, vielleicht eines, mit dann sofort verfügbaren Hilfsleistungen, z.B. Transferleistungen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Denn wenn man aus dem UK ein Land wie irgendeines macht, wird das zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen führen. Die britischen Export sind zu einem nicht unerheblichen Teil Automobile und Autoteile. Die Eigentümer viele Werke dort sind Unternehmen vom Festland, aus Japan oder internationale Investmentgruppen. Sie alle haben darauf gesetzt, dass hier ein innereuropäischer Handel stattfindet. Der wäre dann vorbei. Ganz ähnlich wird sich die Situation im Bereich der Finanzdienstleistungen, die dann eben nicht mehr in der EU stattfinden würden.

Der Außenhandelsüberschuß Deutschlands gegenüber Großbritannien beträgt fünfzig Milliarden Euro. Damit ist das UK zwar der drittgrößte Exportpartner, im Gesamtkonzert der Exporte ist ein Einbruch, käme er denn, aber jederzeit verkraftbar. Keine zehn Prozent an den Gesamtexporten macht der Export auf die Insel aus. Außerdem ist natürlich mit einem völligen Einbruch nicht zu rechnen. Vielmehr ist ein leichter Rückgang denkbar.
Viel mehr als den deutschen Export würde ein realer Brexit die britische Wirtschaft treffen, die seit Thatcher systematisch von den Torries und dann von Blair zerschlagen worden ist. Die britische Wirtschaft ist in großen Teilen eine Zulieferwirtschaft und ein Wirtschaftsraum, der Dienstleistungen anbietet.
Der „echte Brexit“ aber braucht, wie ich bereits schrieb, Reparaturwerkzeuge um die nach einer Umkehr die britische Wirtschaft wieder aufzubauen. Das, und nicht die Öffnung des gemeinsamen Marktes, sollte Teil des Trennungsvertrages sein. Es sollte der britischen Öffentlichkeit immer klar gemacht werden, dass die Rückkehr in die EU auch sofortige Leistungen zum Aufbau der Wirtschaft bedeutet. Und Niederlassungsfreiheit. Denn natürlich kann die Reglementierung des Zuzugs von EU-Bürgern nach Großbritannien nicht ohne Antwort durch die EU bleiben. Wer Visa fordert, muss umgekehrt auch Visa bei sich tragen.

Mein Großvater, meine Mutter und ich

Posted on | Mai 31, 2017 | 3 Comments

Nein, das wird nichts aus der Familie. Keine Angst. Es geht um etwas gänzlich Anderes. Mein Großvaters liebte Richard Tauber und konnte dutzendweis‘ Volkslieder auswendig, aber auch die Lieder der Arbeiterbewegung, wie er sie als junger Matrose gesungen hatte. Meine Mutter hatte schöne Schallplatten von Richard Germer und vom Hafenkonzert, eine Sprechplatte von Will Quadflieg und einige passable Stücke aus den Fünfzigern und Sechzigern. Beiden waren die Rolling Stones fern, die Beatles weit, beiden waren Tina Turner oder Wilson Pickett vollkommen unbekannt.
Ihr kulturelles Reich war reduziert. Das war natürlich nicht ihre Schuld. Es lag an den Umständen, an dem riesigen kulturellen Bruch, von dem mein Großvater manchmal erzählte. Er, Ende des vorvorigen Jahrhunderts geboren, erinnerte sich an die Bubikopfmädchen, die es in den neunzehnhundertzwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch in Königs- und Braunsberg gegeben hatte. Er innerte sich an die Artikel über Berliner Boheme und das Gefühl des Aufbruchs und der Freiheit, dieses kurzlebigen Gefühls, das Dreiunddreißig dann totgeschlagen wurde. Das hatte nicht gereicht. Der Bruch, den der Nationalsozialismus darstellte, diese, auch kulturelle, Barbarei hatte ihn festgenagelt in einer Kulturwelt, die nicht expandieren konnte und sich nicht entwickeln. Und so wie es ihm ging, zu seinem Bedauern, wie ich glauben will, ging es auch jenen, die für die überwiegende Kultur der jungen Bundesrepublik verantwortlich waren. Diese schrecklichen Heile-Welt-Filme, diese schreckliche, weitgespülte Musik, die Triumphe, welche Kabarett ohne Schmerz feierte und bei denen man trotzdem noch „Oha!“ und „was die sich trauen“ murmelte. Eine Rückerinnerung an die Jahre vollkommener politischer Stummheit. Nun galt schon die säuselnde Kritik des Fernsehkabaretts, in Schwarz-Weiß, als rebellische Tat.
Meine Mutter wurde 1922 in die Welt geworfen. Ihre Jugend verbrachte sie im Bund deutscher Mädchen. Ihre Pubertät wurde vom Stahl des Krieges getötet, ihre Tage vom Trott einer nationalsozialistischen Erziehung. Sie hat sich bemüht, das zu überwinden, bis ins hohe Alter hinein. In der Literatur hat sie es geschafft. In der Musik nicht. Aber auch die Literatur, war halt, was halt war. Erst in den Siebzigern, schafft sie es, dann auch neue Literatur zu lesen und sich von Heine zu lösen. Aber musikalisch? Die verlorenen Welten waren nicht erreichbar, sie waren in der Vergangenheit untergegangen.
Jene Generation, die nach 1945 geboren worden ist, vielleicht nicht in den ersten Jahren danach, vielleicht ab Mitte der Fünfziger, diese Generation zwischen Trümmelfeld und Hochhaus, sie ist die erste bruchlose Generation. Das ist viel.

In vielen Plattenschränken, CD-Regalen, in MP3- und FLAC-Ordnern finden sich alter Rock-and-Roll, früher RAP und Peter Fox, Irie Revoltes und Woody Guthrie, Ton Steine Scherben und Dieter-Thomas Kuhn. Bruchlos.

Das müssen wir bewahren. Richtig empfunden habe ich diese deutsche Situation, als ich Anfang der Siebziger nach Irland fuhr. Dort gab es in den Kneipen und Konzerthallen keine Altersgruppierungen. Da sah ich in einem Bed-and-Breakfast im Regal neben alten Opernplatten, die Wolfetones, die Beatles und Marvin Gaye. Das Besitzer-Ehepaar war um die Siebzig. Und auf meine Frage, wie die Mischung zusammen käme wusste sie, sichtlich ratlos, keine Antwort.

Unser Kampf gegen Nationalismus und Faschismus ist auch ein Kampf gegen die Verengung von Kunst und Kultur auf das Skelett einer Totengestalt.

Wie kein Vogel

Posted on | Mai 23, 2017 | No Comments

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Für RW

Posted on | April 26, 2017 | No Comments

Dieses Lied ist ja nicht für Bojangles oder über ihn. Es ist ein Lied über einen weißen Alkoholiker, ein guter Tänzer wohl, den Jerry Jeff Walker in einem Kleinstadtgefängnis traf. Jedenfalls in der Welt dieses Liedes.
Und wenn es schon hier nicht über Bojangles ist ist, dann kann dieses Lied vielleicht ein wenig, nicht Wort für Wort, nein, nur ein wenig, windhauchig, so nahe wie der Tau dem Regen ist, über meinen ganz vergangenen Freund Rainer W. sein. Der hat mich geliebt, wie kein anderer Mann mich je geliebt hat und ich hoffe, er ist nicht vergangen an dieser Liebe. Ich habe viel von ihm gelernt, als er noch in sich war, bei sich, als er nur selten in jene zynische, verzweifelte Schweigsamkeit verfiel, die ganz seines wurde später. Da hatten seine Haare ihre blonde Farbe ganz verloren und waren grau, wie die Worte, die der so wortreiche W. gebrauchte wie Chirurgen ihre Skalpelle. Er ertrank sich und im Versinken hoffte er aufzusteigen über die Wasseroberflache des Lebensmeeres, schwere See. Die Tanten, bei denen er, der homosexuelle, der nicht deshalb, sondern aus allen denkbaren Gründen verletzliche und ohne jeden Grund immer wieder verletzte W., aufwuchs. Die politische Arbeit in der Studentenbewegung der siebziger Jahre, die Vorurteile seiner Genossen gegen ihn, den Schwulen, diese Flucht in die Notwendigkeiten des Kampfes um eine bessere Welt. Er ist an allem vergangen, an sich, an uns, an mir.
Als ich vor Jahren im Taxi durch Hamburg fuhr, da sah ich ihn. Wie er, in jeder Hand eine Topfpflanze, an der Alster entlang nach St. Georg ging. Da wohnte er, glaube ich. Ich lies den Fahrer nicht anhalten, weil ich mich vor dem Schmerz fürchtete, den eine erneute Begegnung mit mir ihm geben könnte. Ich konnte ihn lange sehen. Auf dem Ballindamm herrschte dichter Verkehr, wir standen im Stau. W. setzte sich auf eine Bank uns sah den Schiffen auf der Alster zu.
Später, vor ein paar Jahren, fand ich eine Traueranzeige auf einem virtuellen Friedhof im Netz, einem dieser Erinnungsorte. Ich habe W. geliebt, seine Art der Liebe konnte ich nicht erwidern. Er hatte Hunger, ich hatte kein Mahl für ihn.

… lesen, wie krass schön du bist konkret

Posted on | März 24, 2017 | No Comments

Shakespeare Sonett 18 — ein ganzes Buch voll.
Die verdienstvolle Edition SIGNAThUR aus der Schweiz hat ein schönes und umfangreiches Buch mit Übersetzungen des Sonett 18 herausgegeben. Und, ich bin voll des Entzückens, meine Nachdichtung ist auch dabei.
Das Buch, ein gebundenes Stück, zu erwerben ist lohnenswert.
Es trägt die ISBN 978-3-906273-15-0 und kostet 18,60 €.

Das Reeperbahn-Gedicht Nr. 2

Posted on | März 22, 2017 | No Comments

Die Elbe schlägt mit Wellenfäusten
an die Pontons der Landungsbrücken.
Der Frühling lacht mit tausend Möwen
zusammen über Stadt und Hafen.
Vom Michel singt mit voller Stimme
die Glocke, die als ich Kind ich hörte
vom Hafen her ins Zimmer klingen.
Sie klingt als flöße hier die Zeit
nur träge durch die Jahre.

Die Tauben auf der Großen Freiheit,
sie gurren von den Leuchtreklamen,
die jetzt man Morgen nicht mehr leuchten.
Die schönste aller schönen Huren,
traf ich ums Eck im Café Möller,
das nun auch nur Geschichte ist.
Und fortgeweht, so wie die Frau.
Und ich vermiß‘ den Ort,
weil ich die Schöne nimmer finden werde.

Ob sich die schöne Hure noch an mich erinnert?
An übernächtigte Gespräche?
An den Disput zu Kant und Hegel?
Wir haben uns auf fremde Art geliebt,
und teilten uns die Sahnetorten.
Fast wären wir an solchem Morgen
im Lafayette-Hotel gelandet
doch wir verwarfen unsre Lust
uns so die Liebe fortzustoßen.

Und keins verriet dem anderen den Namen,
doch wenn wir müd am Morgen zueinander kamen,
und uns umarmten, küssten, Blicke schenkten,
verwehten die Erinnerungen, die uns kränkten.

Foto: dannyone / wikipedia

Frühling in Hamburg

Posted on | März 9, 2017 | 2 Comments

Die Elbe schlägt mit Wellenfäusten
an die Pontons der Landungsbrücken.
Der Frühling lacht mit tausend Möven
zusammen über Stadt und Hafen.
Vom Michel singt mit voller Stimme
die Glocke, die als ich Kind vom Hafen her
ich schlagen hörte Sonntag morgen.
Sie klingt als flöße Zeit in dieser Stadt
nur träge durch die Jahre.
 
Und auf der Reeperbahn die Tauben
picken auf die Restnacht
zwischen hingesunk’nen Trinkern.
Die schönste aller Huren, die ich kenne,
und kenne sie vom Kaffeetrinken früh
nach ihrer Schicht und auch der meinen,
längst ist sie dort nicht mehr zu finden, im Café,
wie mir die Kellnerin verrät, die schon vor fünfzehn Jahren hier
die Tortenstücke auf die Teller balancierte.
 
Ob sich die schöne Hure noch an mich erinnern wird
und an die morgentlichen Konversationen über
die Frage ob wir Sahnetorte oder Petit Four
den Vorzug für unser Abendessen geben sollten,
entscheidungslos teilten wir die süßen Stücke
und schoben sie uns gegenseitig in den Mund.
Fast wären wir an einem solchen Morgen
im Lafayett-Hotel gelandet und in weichen Betten,
doch in der Lobby scheuten wir,
uns so die Nähe, die wir hatten, wegzustoßen.
 
Und keins verriet dem anderen den Namen.
Doch unsre Morgen, zufällig und nicht planbar,
wenn wir am kleinen Tisch uns bei den Händen hielten —
die waren uns wie paralleles Leben.

Kunst und Sünde

Posted on | März 3, 2017 | 1 Comment

Als ich vor mehr als 12 Jahren nach Berlin zog, wollte ich mich mit Freundinnen und Freunden aus verschiedenen queeren Szene dort unbehelligt von den dort weitverbreiteten persönlichen Animositäten treffen. Ich wählte ein nettes und von einem homosexuellen Pärchen geleitetes französisches Restaurant in Schöneberg. Und bald kamen, des guten Essens wegen und der hervorragenden Mundpropaganda halber mehr als 100 Menschen einmal im Monat zusammen. Viele, wenn nicht die meisten, Teile des sogenannten Kunstbetriebes, Schriftstellerinnen und Schriftsteller auch, alle mit dem Hang zur fröhlichen Anrüchigkeit. Wir wollten diesen Menschen danken. Wir, das sind meine liebende Begleitung und ich. Eine Dankeschön-Party wurde von mir konzeptioniert. Und es war klar: Erlaubt sollte sein, was nicht verboten iswt. Wir dachten an die tanzende Josephine Baker und an Anita Berber, an legendäre Atelierspartys und die großen Events der Berliner Queerszene. Wir wollten das alles in einem Raum, in einer Venue, schaffen; und jeder sollte nach seiner Façon selig werden. Wir lichteten Gemälde ab, wo wir es durften, und organisierten Beamer und Leinwand, schrieben eine schöne kleine Rede für Julietta, die ja auf Bühnen zu Hause ist (auch wenn sie meistens Heinrich Heine, Rosa Luxemburg und ganz ernstgemeinte Texte aus meiner Feder liest) und starteten in ein Abenteuer. Aus unserem kleinen Segeltörn durch die Nacht wurde eine Weltumsegelung, und noch immer segeln wir. Viele Gäste sind seit zehn Jahren an Bord.
Uns, den Crews, die in der Zeit gewechselt haben und den Gästen, waren diese Fahrten durch die Nächte von Berlin und Hamburg, Nürnberg und Offenbach, immer eine Aufführung, ein Kunstevent voll mit Einhörnern und Drachen, mit Romeos und Julias, mit den lebendigen Schatten von Anita Berber und Josephine Baker.

Der Führer der Freien Welt spricht

Posted on | März 1, 2017 | No Comments

Ich habe gestern Nacht große Teile der Rede Trumps vor dem Repräsentantenhaus in Washington gesehen. Ich kann nicht verstehen, dass die Kollegen aus den Politikressorts der großen Tageszeitungen ihren Fokus nicht auf die beiden Ankerpunkte diese Rede richten. Der eine ist die ausdrückliche Erwähnung von VOICE (Victims Of Immigration Crime Engagement), einem Institut, das neu geschaffen wurde. Es soll die Opfer von solchen Verbrechen betreuen, die von Immigranten begangen wurden. Damit ist ein propagandistisches Instrument entstanden, das vollständig rassistisch und völkisch ist.
 
Zum anderen gipfelte die Rede in einem wilhelminischen „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch ‚Amerikaner'“-Pathos, der aber schon über diesen dummen Spruch des letzten deutschen Kaisers hinausging und anknüpfte an die Rede Hitlers von 1933, die sogenannte „Friedensrede“, aus der der Krieg schon aufleuchtete.
Trumps Rede war eine Führerrede, die Rede eines, der sich als Heilsbringer und nicht als Politiker sieht, eines, den die Vorsehung dem Volk geschenkt habe. Mit Donald Trump hat das undemokratische Wahlsystem der USA einen Präsidenten hervorgebracht, dem der Krieg als Möglichkeit zum Sieg näher ist, als der Frieden. Wer Trump gewählt hat, hat die Option zum Krieg gewählt. Hoffen wir, dass der Welt erspart bleibt, diese Option gewählt zu sehen.

Aus Cultureglobe: Berkel verhöhnt Börne mit Safranski

Posted on | Februar 21, 2017 | No Comments

Rüdiger Safranski hat den Ludwig-Börne-Preis erhalten, aus der Hand eines Schauspielers, über den ich nicht viel weiß und der bei der Betrachtung auch vollkommen uninteressant ist. Börne hat Safranski nicht verdient. Der reputierliche Börne hat sich zu seinen Lebtagen nichts zuschulden kommen lassen, das diese Verhöhnung seiner Person rechtfertigt. Safranski, das ist, als hätte man Menzel, nicht den unlängst verstorbenen Achim, sondern den schon lang verschiedenen Wolfgang, diesen von Börne zutiefst verachteten, späteren völkischen Nationalisten, zum Träger dieses Preises gemacht. Safranski ist die Verhöhnung des Namensstifters. Es ist eine Frechheit sondersgleichen, diesem gleichfalls zum völkischen Nationalisten verdorbenen Philosophen einen Preis zu teil werden zu lassen, der den Namen eines Mannes trägt, welcher sich in einer Zeit tiefster Feindschaft zwischen den Deutschen und den Franzosen, den Welschen, für die Freundschaft beider Völker eingesetzt hat.
Die Wahl, die der Schauspieler getroffen hat, ist ein bühnenreifes Kümmernis. Sie ist boshaft und in ihrer Zielrichtung der Bestärkung inhumaner und menschenfeindlicher Sichtweisen auf diese Welt in voller Absicht dienlich.
Und da trifft sich der Schauspieler, der sich freut, dass Safranski, dem es vor einer angeblichen Flutung Deutschlands durch Flüchtlinge graut mit Safranski und Menzel. Da trifft sich der Beförderer des Nationalisten Safranski mit dem Nationalisten Menzel.
Mit den 20.000 Euro, die der Preisträger erhält, hätte man lieber einigen notleidenden syrischen Dichtern oder maghrebinischen Bloggern über die Runden helfen können, als einen Preis an jemanden zu vergeben, dessen neueres Werk allem zuwider läuft, was man mit Börne verbinden kann.
Zu retten ist nichts mehr. Es wird halt so hingenommen. Bis in die Verästelungen hinein fehlt es an demokratischen Selbstheilungskräften, die gegen die Vereinnahmung immer größerer Teile des Staates, der Kunst und der Kultur durch revanchistisches, nationalistisches und völkisches Gedankengut erfolgreich vorgehen können.
Es ist ein Grauen und es ist Zeit kraftvoll auf den Tisch zu hauen – und vielleicht nicht nur auf den Tisch.

« go backkeep looking »

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