Das Mädchen mit den goldenen Haaren
Posted on | Mai 22, 2013 | No Comments
Den Plot muss ich revidieren. Das geht so nicht. Was so nicht geht, wird aber nicht verraten. Jedenfalls wäre der Handlungsablauf nicht im Heute verankert, ließe ich ihn, wie er jetzt ist. Ich bin aber nunmehr nicht länger meiner Meinung vom Juni des vorigen Jahres – seit dem ich nichts mehr für das Buch und an ihm getan habe.
Für die Änderungen an des Dramas zweitem Teil gebe ich mir Zeit bis Freitag. Ab Mittwoch der kommenden Woche wird dann geschrieben. Und zwar strukturiert: Mittwochs und Donnerstags, meistens auch Freitags. Wenn ich fertig bin im Dezember oder Januar, bin ich gut in der Zeit. Dann kommt ja noch die große Versuchslesung, das kleine und große Lektorat und das Korrektorat. Vor Mai 2014 wird es also vermutlich nichts werden, mit dem Erscheinen.
An der Seitenzahl wird sich kaum etwas ändern. Ich vermute im Satz werden 280 bis 320 Seiten herauskommen. Aber es liegt in der Natur von Schreibprozessen, solche Vorgaben über den Haufen zu werfen.
Wieder wird es so sein, dass ich mir eine Riege von jungen Menschen, vornehmlich Frauen, suchen werde, die mich kritisch während des Schreibens begleiten werden. Das hat sich schon bei “Warten auf Ahab” bewährt.
Tags: Ahab > Marie > Roman > Schreiben
Homo Clausus–Novelle eines Niederganges
Posted on | Mai 21, 2013 | No Comments
Erschienen im Kulturmaschinen Verlag
Tags: Einsamkeit > Hamburg > Homo Clausus > Leander Sukov > Lust
bitte unterstützen Sie meine Eitelkeit. Danke!
Posted on | Mai 17, 2013 | No Comments
Autoren schaffen sich Alter Egos und ich war zunächst skeptisch, ob es gut gehen würde, dass ein Autor von Mitte Fünfzig sich ausgerechnet eine etwa halb so alte, junge Frau und Studentin Marie als Protagonistin aussucht. Nach der Lektüre aber bin ich schwer beeindruckt, wie gut und vor allem wie abgrundtief ehrlich dies Leander Sukov gelungen ist. Sein Großstadtroman ist gleichzeitig auch ein absoluter Gegenwartsroman geworden. Er saugt die heutige Atmosphäre Berlins geradezu in sich auf.
Ab und zu, als Hamburger sollte ich sagen: Ab und an, bricht die Eitelkeit bei mir durch die potemkinsche Uneitelkeit. Und weil ich mich schon seinerzeit so sehr über die Besprechnung beim Bücherblogger gefreut habe – auch weil ich ja wusste, dass er skeptisch war, ob es mir gelingen könne, den Monolog einer 25-jährigen Frau zu schreiben –, verlinke ich ihn überaus eitel hier nochmals.
Der Dorfpolizist
Posted on | Mai 16, 2013 | No Comments
In einer warmen mondlosen Nacht – bleierne Müdigkeit lag auf ihm – bog Alfredo Farriar mit seinem Dreißigtonner in den kleinen Weg ein, der von der Hauptstraße aus, vorbei an Rosis Bar – einer von der Besitzerin mit Herzenskälte und Blick auf die Umsätze geführten Kaschemme – zu seiner Hütte führt, in der er mit seinem Sohn und den Erinnerungen an seine früh verstorbene Frau lebt.
Auf dem Platz vor Rosis Bar tanzten ausgelassen fünf Männer. Der billige Brandy und das schale Bier, dem sie über den Abend herzlich zugesprochen hatten, schwappten ihnen in Hirn und Magen. Sie hielten sich an den Schultern und sprangen im Kreis umher, während sie die alten Lieder sangen, die hier jeder kennt, und welche noch heute, vor allen anderen, auf den Volksfesten gesungen werden.
Alfredo Farriar konnte nicht mehr bremsen. Die fünf Männer waren auf der Stelle tot. Alfredo wurde mit einem Nervenzusammenbruch in das Provinzkrankenhaus eingeliefert, erholte sich schnell, was auch der intensiven und persönlichen Zuwendung einer älteren, aber nicht unattraktiven Krankenschwester zu verdanken war und kehrte schon nach zehn Tagen in sein Dorf zurück.
Indes: Die Lage war hoffnungslos. Jene fünf betrunkenen Männer, die er – wie er vor seiner Hütte im Schatten des Lasters sitzend nachrechnete, war das keine zwei Wochen her – überfahren hatte, waren die Polizisten des Distrikts gewesen. Alfredo hatte ohne große Überlegung gleich nach seiner Rückkehr beim Distriktgouverneur angerufen, war, als er ihn telefonisch nicht erreichen konnte, in langsamer und ängstlicher Fahrt – die Sache saß ihm tief in den Knochen – in die Distrikthauptstadt gefahren und hatte dort, den Hut zwischen seinen Händen drehend, vorgesprochen. Man hatte ihn abschlägig beschieden. Seit Jahren war es, bis auf einige abhandengekommene Hühner, von denen man nicht recht wusste, ob sie einem Diebstahl zum Opfer gefallen waren, zu keinen Straftaten mehr gekommen. Wozu also, fragte der Gouverneur, bräuchte man Polizisten? Die Sache sei traurig für die Familien, gewiss, aber sie würde den Distrikt entlasten, wenn das ein Trost wäre. Es war keiner.
Alfredo Farriar beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er besorgte sich eine gebrauchte Uniform und begann in seiner freien Zeit auf den Straßen seines Dorfes – an schönen Tagen, wenn der Wind warm und angenehm über die Felder strich, auch durch diese – zu patrouillieren. Bald aber wurde ihm die Sache langweilig. Und eines schönen Tages, die Sonne stand hoch am Himmel, keine Wolke trübte das gleißende Licht, entschied er sich, seine Seele zu verdoppeln. Seit diesem Tag nun, ob Ihr es glaubt oder nicht, stiehlt Alfedo Farriar des Nachts Hühner und manchmal auch eines der kleinen schwarzen Schweine, die allenthalben herumlaufen, und bemüht sich im vollen Ernst seiner Bürde, die Taten des Tags aufzuklären. Er hat Falten bekommen und seine Augenringe geben bered Auskunft von der großen Müdigkeit, die auf ihm liegt. Denn wer erfolgreich stehlen will, der braucht die tiefe Nacht. Wer aber die Diebstähle aufzuklären trachtet, muss früh aus dem Bett springen – solange die Spur noch frisch ist.
Die Freiheit des Wortes
Posted on | Mai 11, 2013 | No Comments
Es ist auf legalem Wege hierorts – und vermutlich auch in keinem anderen bürgerlichen Staat – unmöglich einen totalitären Adelsstaat zu errichten. Keine absolute Monarchie, kein Gottesgnadentum, nichts. Der bürgerliche Macht hat verfassungsrechtliche Vorschriften erlassen, die es verhindern sie und ihre Regularien dafür zu nutzen in die Zeit zurück zu fallen, die vor den bürgerlichen Revolutionen liegt. Das ist die Diktatur der bürgerlichen Herrschaft. Sie richtet sich in einem bürgerlich-demokratischen Rechtsstaat nicht gegen die Wahrnehmung staatsbürgerlicher Rechte, sondern blockiert die Wiederkehr einer überwundenen Gesellschaftsordnung.
So muss auch die Diktatur des Proletariats verstanden werden.
In einem bürgerlichen Rechtsstaat kann man das Wort für die Wiedereinführung der absoluten Monarchie führen. Sie erneut zu errichten ist verboten, nicht sie herbei zu wünschen. Man kann sich einsetzen für klerikale Herrschaftsformen, man darf auf den Staat schimpfen, sich ereifern, all das ist erlaubt. Man darf die Abschaffung des Kapitalismus fordern, also der Triebfeder des bürgerlichen Staats und damit das Ende des Staates selbst.
Die Freiheit des Wortes allerdings, ist eine Errungenschaft, die nicht an diese Gesellschaftsformation gebunden ist. Sie ist ein Grundrecht, welches grundsätzlich gilt. Sie hat auch Gültigkeit zu behalten, wenn der bürgerliche Staat überwunden worden sein wird. Der Wettstreit von Ideen, der Kampf um die Köpfe, sind notwendige evolutionäre Entwicklungsmechanismen einer freien Gesellschaft – und Sozialismus kann nur dann Bestand haben, falls er eine freie Gesellschaft ist. Eine allerdings, die sich Regeln schaffen muss, welche ausschließen, dass auf legalem Wege die überwundene Klasse und ihre Produktionsweise die Herrschaft wieder übernehmen kann. Es ist auszuhalten, wenn Menschen sich dafür einsetzen. Es ist ihr Recht darüber offen zu reden. Es wird nicht ihr Recht sein, es auch zu tun. So wie es das Recht von Monarchisten ist, vom Kaisertum zu sprechen und seine Wiedereinführung zu fordern.
Die Freiheit des Wortes allerdings hat Grenzen. Man hat jenen, die Rassismus, Völkerhass und Mord predigen das Wort abzuschneiden. Man darf sich gegen Lügen und falsche Behauptungen wehren und Widerruf fordern. Beides allerdings hat fallbezogen und öffentlich zu erfolgen. Die straf- und zivilrechtliche Verfolgung muss durchschaubar sein und vor allem revidierbar.
Die Freiheit des Wortes hat also einen dauerhaften ethischen Wert. Er ist ein Teil der Wertedialektik. Die Freiheit des Wortes hat aber auch einen strategischen Wert. Gesellschaften, die die individuellen Freiheiten unterdrücken scheitern. Sie zerstören die sie tragenden Kollektive, weil ihre Staatsethik mangelhaft ist. Wer spricht, wo er nicht sprechen darf, wird lauter gehört als der, der spricht, wo alle sprechen.
Dank an eine Versammlung
Posted on | Mai 10, 2013 | No Comments
Soeben habe ich die Charta des PEN International unterschrieben, nachdem mich die Jahresversammlung des deutschen PEN-Zentrums auf ihrer letzten Tagung hinzugewählt hat.
Es schien mir zum guten Ton zu gehören, die Zuwahl nicht zu erwähnen, bevor nicht der Brief bei mir eingegangen war, der sie bestätigte; jetzt also glaube ich, darf ich die Sache öffentlich machen. Ich empfinde die Mitgliedschaft im PEN als Ehre und bedanke mich, nicht unfrei von Stolz und ein wenig Eitelkeit, für die Zuwahl.
Mädchen in Umarmung
Posted on | April 29, 2013 | No Comments
das mädchen vor mir auf dem trottoir
der friedrichsstraße tanzt mit jedem schritt
wie hingehaucht ganz selbstvergessen einen salsa.
sie trägt doc martens und einen schottenrock.
schwer über ihren schultern liegt eine lederjacke voll mit stickern.
das mädchen biegt nach rechts ab,
wo man den rudi dutschke tot erinnert.
sie tanzt ganz leicht durch den touristenstrom,
beschleunigt ihren schritt, ja läuft nun
und tanzt dabei noch immer salsa
und winkt, hüpft auf und ab vor freude,
fällt einer um hals vorm taz café,
wie man geliebten an die Gurgel geht.
die andere, sie trägt ein Pluderhosenoverall,
ein kopftuch auch, das eng sich legt um stirn und haar.
die beiden küssen sich, und die, die salsa tanzte
beugt ganz zurück die andere,
wie um zu herrschen kurze zeit auf leichte art
und für die kurze zeit, so scheint mir,
wird ihr kuss zum kusse einer wölfin.
als ich vorüber bin bemerke ich,
dass mich ein Gramm des glücks der beiden
unheimlich angesprungen hat.
Jedesmal
Posted on | April 24, 2013 | No Comments
Und jedes Mal ist mir die unbekannte Haut
so fremd, wie eine Stadt, die ich
das erste Mal erkunde.
Gerüche trägt die Haut, die ich
noch nie gerochen. Und
die sie trägt, küsst mich mit
fremder Zunge, schmeckt mir auch fremd.
Und fremd sind die Bewegungen des fremden Menschen,
sind mir die Wörter, ihr Gebrauch,
auswärtig noch das Innere.
Ortsfremd bin ich in dieser fremden Seele,
ich suche jede Tür zu öffnen dann,
verführe mich, in jedes Haus zu schauen,
in jedem Keller suche ich nach Leichen,
in jedem Park nach schwarzen Blumen,
nach blutigrotem Gras, auf das
ich mich dann lege und in den unvertrauten Himmel
schau ich endlich.
Und aus den aufgesperrten Türen
treten Mörderinnen, Huren, Engel
und kommen in den Park
um dort mit mir zu spielen,
wie mit einem Ball.
Und jedes Mal ist mir die unbekannte Haut,
so fremd, wie eine Stadt, die ich
das erste Mal erkunde.
Und die sie trägt, trägt sich mit ihr
zu Markte.
Sonett 66–William Shakespeare
Posted on | April 23, 2013 | No Comments
Zum Todestag des großen Dramatikers – sein Sonett 66
Fertig von all dem, schrei ich nach Ruh im Tod,
ich seh ja den Verdienst zum Bettler schon gebor’n
Und leeres Nichts treibt’s ausgelassen trotz der Not
Und gegen Treue, wird Meineid nur geschworn
Und alle Ehre stellt man an falschen Ort,
Und Unberührtheit wird zur Dirne hier gemacht,
Und Perfektion besudelt von Idiotenwort,
Und Stärke weicht der kranken Macht.
Und Kunst wird stumm gemacht vom Staat
Und Narren kontrolliern das Wissen,
Und Wahrheit nennen sie der Einfalt Saat.
Und Gutes soll gefangen Bösem dienen müssen –
Und fertig von all dem, mein Lieb, möcht ich entfliehn der Pein.
Doch wär ich tot, so ließ ich Dich allein.
Linie 1
Posted on | April 14, 2013 | No Comments
Linie 1
fünf uhr. die sonne steigt
berlin aufs dach
ein astra noch auf tommy
auf silvio einen wodka
ach, gib mir noch ein bier
auf all die andren
dreh runter die musik
und gib dem der da einsam
sitzt wie ich am tresen auch
ne flasche
wir hören bisschen punk noch
und hören ihn ganz leise
die todessymphonie für
all die opfer
und du tanzt leicht
dazu beim gläserspülen.
dann auf der straße
die kühle luft des morgens
hellgrau mein schatten auf asphalt
zweihundert meter bis zum bett
vierhundert bis zum braunen terror.
ich leg mich zwischen sie und uns
und träume schwer.





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