Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Vorgeschlagen für den Horst-Bingel-Preis

Posted on | Oktober 22, 2014 | No Comments

horst_bingelDie Jury des Horst-Bingel-Preises hat mich nominiert. Mit mir sind Andreas Altmann, Daniela Danz und Martina Weber als Kandidaten vorgesehen. Wer auch immer letztlich die Preisträgerin oder der Preisträger wird – entscheidend ist, dass durch den Preis zum einen das Werk Horst Bingels befördert wird und zum anderen eine Dichtung, die gesellschaftlich wirken will.

Dieser Gedanke findet sich auch in der Presseerklärung des Kulturmaschinen Verlages und seiner verdienstvollen Verlegerin Simone Barrientos wieder, in der es heißt: “Der Preis ist ein Versuch, politische Dichtung in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. In einer Zeit, in der Krieg und Armut, Schädigung der Umwelt und massive Vertreibungen die Schlagzeilen bestimmen, in einer Zeit, in der ganz fassbar Angst und Furcht, Schrecken und Horror das Leben vieler Menschen konkret bestimmt. In der es aber auch in vielen Ländern zu einer Not aus Einsamkeit und Vereinzelung kommt, wird solche Lyrik wieder vermehrt gehört, die es versteht, diesen Schrecken darzustellen. Leander Sukov gehört mit seinen Gedichten über Krieg und Opfer, über Vereinzelung und Vereinsamung gewiss zu denen, die in der Lage sind mit großer lyrischer Kraft eine dialektische Darstellung zu liefern.”

Informationen über Horst Bingel findet man auf der Seite der Stiftung und bei Wikipedia.

Foto: Horst Bingel

Auch hier im Norden, wo ich ja gerade stipendiere, hat die Pressemitteilung ein Echo gefunden. Die Eckernförder Zeitung weißt auf meine Nominierung hin.

bingelpreiseckernfoerderzeitung

Jehnse doch wech

Posted on | Oktober 21, 2014 | 1 Comment

Bundesarchiv_Bild_183-1984-0601-008,_Berlin,_MarzahnAch, jehnse doch wech. Nee, ick will keene Hilfe. Ick komm klar. Ja, nu lassen se ma. Hat sich bis jetze niemand nüscht um mir jekümmert. Un nu will ick nich mehr. Nee, haunse ab. Is zu spät nu.

Ja, ja, Dreck. Allet voller Dreck. Gloobense ick bring den Müll noch zue Tonnen? Det könnse knicken junger Mann. Det is nich. Nee. Det is nich mehr. Der Fahrstuhl. Daunernd im Arsch dett Ding. Wie soll ick mit den Rollator denn die Treppen runterkomm? Wie soll det jehn? Und wat is, wenn ick mit den Fahrstuhl runter komm, aber nich wieder ruff. Soll ick denn in Hausflur kampieren. Hier is allet fürn Arsch. Sehnse sich doch um. Dett is also die Zukumft von Berlin, dett is de Zukumft. Nix is mit Zukumft, det lassense sich ma jesargt sein. Nix. Rinn jarnüscht. Ick sitz hier rum und lass mir den Einkauf vonne Nachbarn bringen. Und stell den gröbsten Dreck vore Wohnungstüre. Nimmt denn schon wer mit. Aber mehr is nich. Nee, mehr is nich. Ick bin hier injesperrt. Det is wie Bau. Kannst mir glooben. Wie Bau is det. Zehnter Stock Plattenbau und denn ohne Fahrstuhl, aber mit Rollator. Da tanzt Bolle aufm Flur. Nee, lassense ma. Hat bisher keen interessiert. Nu muss dat keen mehr interessieren. Is mir wurscht, is mir dette. Ick will mir abwracken. Denn bin ick meener Stadt ebenbürtig. In Einklang bin ick denn mit mein Berlin. Haunse ab. Suchen se sich wen zun Bemuttern. Haunse ab. Haunse ab. Ick jeb hier schön langsam den Löffel ab. Kommse wieder, wennt mir hinjerafft hat. Denn könnse aufräum, denn räumse ma schön meine sterblichen Überreste wech. Aber jetzte sehnse zu, det se Land jewinnen.

(Berliner werden den Text noch berlinerisieren)

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0601-008 / Zimmermann / CC-BY-SA | Quelle: Wiki

Ohne Titel

Posted on | Oktober 19, 2014 | 1 Comment

Der Regen hat die Stadt gewaschen.
Der Hafen menschenleer.

Ostsee am Abend

Posted on | Oktober 19, 2014 | No Comments

2014-10-19 21.27.26

Das Meer in der Dämmerung,
grau ins Schwarz das Wasser schon,
der Wind atmet durch
und bläst Wellen an den Strand.
Die Segelschiffe hafenwärts,
gekrängt unter dem Druck des Windes.
Die Möwen steigen auf zum Abendflug,
gelb das Licht in den Fenstern
entfernter Häuser.
Gleißend weiß das Licht
des Marinehafens.
Grau die Fregatten.
Kein Mond.

Einsamkeiten

Posted on | Oktober 16, 2014 | No Comments

Asylbewerber03a

In praktischen Wohnungen
blicken Menschen auf Monitore
und sprechen mit sich selbst.
Nachts an Tresen wird über Einsamkeit
eine Wortbrücke gelegt. Niemand
überquert sie.
Das Meer ist schön,
sagt der Mann am Strand
zu sich.
Eine Frau hält einen Kerzenständer
in einem Geschäft für Kinkerlitzchen
und spricht mit ihm.
Fernsehhelden sind die einzigen Besucher.
Buchstabe an Buchstabe über Datenleitungen.
Wort an Wort. Liebe, Hass. Irgendwie leben.
In Clubs die Bässe. Die Höhen. Kein Hochgefühl.
In Bordellen Feuchtgebiete. Abschiede.
Alle Straßen regennaß.
Alle Städte schwarz-weiß.
In praktischen Wohnungen
blicken Menschen aus dem Fenster.
Parkplatz. Rasenfläche. Baum. Kinder. Niemand.

Foto: Andreas Bohnenstengel, CCL 3.0

Herbstlaub

Posted on | Oktober 14, 2014 | No Comments

Laub_im_Stadtpark

Wie schön der Herbst ist …
All die Bäume ..
so blutigrot und leichengelb.
Und über sanften Hügeln
tief die Sonne.
Und still die Welt.
Und ruhig die Welt.

In diesem Herbst,
da fallen viele Träume,
wie blutigrote Blätter,
wie leichengelbes Laub,
auf feuchtes Gras, auf nasse Wiesen.
Es fällt der Traum vom Frieden auch.

Seit Mai die Wölfe allenthalben,
in allen Wäldern, auf Alleen,
in Parks und Gärten,
in Gassen und auf den Chausseen.

Es nützt nicht, ihnen zu bedeuten,
man würd‘ ihr Handeln ungern sehn.
Sie werden drum nicht davon lassen.
Im Herbst nicht, nicht zur Maienzeit.

Wie schön der Herbst ist.
So blutigrot, so leichengelb.

Foto: Darkone, Wiki, CCL 2.0

Dein Schild

Posted on | Oktober 13, 2014 | No Comments

Dein Schild
maskulin
Waffe
gegen die Solidarität. Dein Schild
Neutrum
Ein Gedicht. Sterbt sagt es
für die Reinheit
unserer Friedensliebe.
Sterbt sagt es
für die Schönheit
unserer Beschlüsse. Und abends vielleicht
ein Bier in der Hand
singen die alten Lieder. Die schönen alten Lieder. Halt stand stolzes …
Die alten Lieder. Die schönen alten Lieder.
Das Pappschild
Solidarität mit dem
Widerstand in Kobane
Das US-Bombardement stoppen
steht auf ihm.
Zusammen gesungen die alten Lieder. Die schönen alten Lieder.
Der Schild
Das Schild
Ein Lippenbekenntnis
Der Schild
Das Schild
Solidarität stoppen
sagt das Schild. Nichts als das. Nichts anderes.

Man wird sich entscheiden müssen

Posted on | Oktober 8, 2014 | No Comments

Man wird sich entscheiden müssen. Wenn es so ist, dass ohne Waffenhilfe der IS nicht zu stoppen ist, wenn also die Lieferung von schwerem Gerät an die Kurden, und zwar an alle drei Organisationen, die Peschmerga, die YPG/YPI und die HPG, notwendig ist: Wie will man dagegen sein und im kommenden Frühjahr, wie es manchmal noch geschieht, in gemütlicher Runde zusammensitzen und das Lied von der Jaramafront singen?
Man wird sich entscheiden müssen, ob man wirklich glaubt, die Mörderbanden des IS, der ja keinen Islamischen Staat will, sondern einen faschistischen, und der FS heißen sollte, können in westlichen Großstädten durch Demonstrationen und Lichterketten besiegt werden.
Man wird sich entscheiden müssen, ob es reicht, zu sagen: Das ist das Ergebnis der Politik von USA, EU und Nato. Ja, das ist das Ergebnis. Aber reicht es, die Wahrheit zu benennen?
Man wird sich entscheiden müssen.
Man muss nicht dafür sein, dass deutsche Soldaten in Syrien oder im Irak kämpfen. Nein, dafür muss man nicht sein.
Aber man wird sich entscheiden müssen, dafür zu sein, Peschmerga, YPI und HPG die Waffen zu liefern, die den vieltausendfachen Mord verhindern könnten. Oder nicht.
Denn liefert man keine Waffen, so wird man sich darauf verlassen müssen, dass die NATO eingreift. Nicht nur mit Bomben. Und es wird die Türkei sein, die dann eingreift, wenn der Faschistische Staat die Kurden ermordet hat. Sie werden ihre Truppen in ein Gebiet schicken, aus denen die Kurden vertrieben und in dem sie ermordet worden sind. In ein kurdenfreies Gebiet. Wenn man das will, jetzt und auch in Zukunft, denn es wird Schule machen, dann muss man dagegen sein den Kurden Waffen zu liefern.

Simone Barrientos liest das Gedicht vom grossen Versagen

Posted on | Oktober 8, 2014 | No Comments

 

Die Türkei hat in Kobane versagt.
Die Nato hat in Kobane versagt.
Die arabischen Staaten haben in Kobane versagt.
Sie haben den Kurden die Hilfe versagt.
Sie haben nicht in ihrer Sache versagt.
Denn ihre Sache war das Versagen.
Und sie haben versagt.
Den Kurden die Hilfe.
Wenn man also sagt:
Die Türkei hat versagt.
Die Nato hat versagt.
Die arabischen Staaten haben versagt.
Dann muss man meinen:
Die haben den Kurden die Hilfe versagt.
Aber in ihrer Sache haben sie nicht versagt.
Und ihre Sache war: Denen da
die Zukunft zu versagen.

Das Gedicht vom grossen Versagen

Posted on | Oktober 7, 2014 | 1 Comment

UNOfficeofHumanitarianCoordinator-Baghdad_(UN_DF-SD-04-02188)

Die Türkei hat in Kobane versagt.
Die Nato hat in Kobane versagt.
Die arabischen Staaten haben in Kobane versagt.
Sie haben den Kurden die Hilfe versagt.
Sie haben nicht in ihrer Sache versagt.
Denn ihre Sache war das Versagen.
Und sie haben versagt.
Den Kurden die Hilfe.
Wenn man also sagt:
Die Türkei hat versagt.
Die Nato hat versagt.
Die arabischen Staaten haben versagt.
Dann muss man meinen:
Die haben den Kurden die Hilfe versagt.
Aber in ihrer Sache haben sie nicht versagt.
Und ihre Sache war: Denen da
die Zukunft zu versagen.

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