Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Überall ist Irgendwo

Posted on | August 24, 2014 | No Comments

320px-Kabul_during_civial_war_of_fundamentalists_1993-2

Die Clubs verstecken den Krieg
unter Decken aus Klang.
Bloody Mary wird jetzt viel getrunken.
In Höfen suchen Paare schnelle Nähe,
entfernt sich einer, ist’s ins Ewige.
Automatische Waffen wärmen nicht.
Hubschrauber schlugen die grazilen Schwalben.
Die Nacht erhellt vom brennenden Bus.
Häuser knien auf Leichen.
Tote Bajazzos, gefärbt vom Betonstaub.
Im Radio noch das Beste
aus drei Jahrzehnten,
die Kinder lernen Gleichungen.
Keine geht auf.

(Foto: RAWA)

Und immer ein Hauch von Hugenberg …

Posted on | August 22, 2014 | No Comments

Stamp_of_Ukraine_Stepan_Bandera_100_yearsDie Öffentlich-Rechtlichen Sender, allen voran HEUTE, weniger die TAGESSCHAU, haben willentlich und wissentlich, in politischer Absicht, in ihrer Berichterstattung aus der Ukraine die Faschisten ignoriert. Bei den Berichten über die Demonstrationen auf dem Maidan, in Berichten über die Parlamentssitzungen, bei denen kommunistische Abgeordnete und die Parlamentsmitglieder der Janukowitschpartei körperlich bedroht worden sind oder nicht in das Parlament gelassen wurden, hat man verschwiegen, welche Kräfte dafür die Verantwortung getragen haben. Was für ZDF und ARD gilt, gilt auch für viele Zeitungen. Nicht nur der RECHTE SEKTOR, sondern auch Swoboda sind faschistische Organisationen, die den Umsturz von Anfang an mitgetragen haben. Sie sind zahlenmäßig offenbar genug, um Kampfeinheiten zu stellen, sie sind bewaffnet und sie werden nach ihrer Rückkehr kriegserfahren sein.
Ich halte es durchaus für möglich, dass es dann in der Westukraine einen Kampf um die Macht geben wird. Insbesondere deshalb, weil die Ukrainische Regierung damit begonnen hat, Mitglieder der faschistischen Organisationen in den Staatsapparat zu integrieren. Die Redaktionen der Nachrichtensendungen von ZDF und ARD werden sich fragen lassen müssen, was sie geritten hat propagandistisch Kräfte durch absichtliches Verschweigen zu unterstützen, die jeglicher Demokratie negativ und ablehnend gegenüber stehen, rassistisch und antisemitisch sind. Und die Programmbeiräte und Aufsichtsgremien sollten fragen, ob mit solchen Redaktionen der Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender zu erfüllen ist und dafür sorgen, dass sich die Situation ändert. Auch personell. Denn natürlich hat man gewusst, was läuft. Alexander Rahr, Leiter des „Berthold Beitz-Zentrums – Kompetenzzentrum für Russland, Ukraine, Belarus und Zentralasien“ bei der Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik sagte im März in ‘Panorama’: „Der rechte Sektor war aus meiner Sicht entscheidend für den Umsturz, weil er eine Organisation ist, die auch bereit war, in Kampfhandlungen mit den Polizisten, mit den Sicherheitskräften einzutreten. Sie waren gut organisiert, sie hatten auch immer wieder einen Plan, wie sie angriffen, wie sie sich verteidigten, so dass sie einen großen Anteil am Erfolg des Maidans gehabt haben”. Das hat man auch vorher schon gewusst. So sind die Todesschüsse noch immer nicht geklärt. Und ich sage voraus, es wird auch so bleiben. Nicht wenig spricht dafür, dass ein Teil der Schüsse auf Demonstranten von faschistischen Heckenschützen abgegeben wurden, um die Situation anzuheizen. Es ist ihnen gelungen.

Bild: Tradition schon unter Juschtschenko: Ehre Deinen nationalen Faschisten. Briefmarke von 2009 zum 100sten Geburtstag Banderas. Juschtschenko ernannte den Faschistenführer nachträglich 2010 zum Helden der Ukraine. Janukowitsch setzte den Ukas wieder außer Kraft. Das machte ihn in den nationalistischen Kreisen nicht beliebter.

Tausend Sternschnuppen

Posted on | August 20, 2014 | No Comments

105px-Hieronymus_Bosch_013Dein Blick in eine unbekannte Ferne.
Stoßweis Dein Atem.
Du als dein Planet.
Ich: Mond.
Die Flut mein Werk.
Die Deiche werden brechen.
Sturm auf allen Kontinenten. .
Tausend Sternschnuppen
lösen sich aus dem Schweif
eines Kometen.

Kalt, Fies und eine gute Sache

Posted on | August 20, 2014 | No Comments

Der Kopf

Posted on | August 16, 2014 | 1 Comment

320px-18xx_Richtblock_und_Richtbeil_anagoriaDas Ende der Welt.
Im tanzenden Staub.
Im Dunkel der Zimmerecken.
Im Geäst der Bäume.
In den Wolken.
Es reist im großen Wagen.
Es steht im Bild des Wassermanns.
Im Sonnenaufgang.
Im Licht der untergehenden Sonne.
Im harten Licht der Glühbirne.
Im Sand. In den Büschen.
In allem. Oh, in allem.
Wenn sie die Augen schließt.
Trostvoller Schrecken.
Der Kopf. Verdrehte Augen.
Das Kind ersetzt den Leib.
Hält ihr vors Gesicht den Kopf.
Dessen Lippen farblos.
Starr die Augen. Blicklos.
Ein schmaler Schal aus Blut.
Der Arm des Kinds erhoben.
Sein Haupt unter dem leiblosen.
Die Lippen des Kindes rot.
Die Augen des Kindes leuchtend.
Das Bild bleibt ihr.
Der stinkende Leib
der sich auf sie legt
ohne Gewicht.
Die Hände auf ihrer Haut fern.
Der Kopf hat jede Nacht
gelegen neben ihr.
Ein warmer Leib trug ihn.
Der Kopf träumte.
Der Kopf sprach zu ihr.
Der Kopf er beugte sich
über ihre Schulter.
Der Kopf sagte Ich liebe Dich.
Der Kopf sang.
Der Kopf lachte.
Er spitzte die Lippen.
Er rief die Namen der Kinder.
Das Kind hält den Kopf über sich.
Das Kind lacht.
Es lacht mit den Männern.
Hoch erhoben den Kopf.
Zitternd der Arm vom Gewicht
der Liebesschwüre
der Lieder.
Da schwing der Kopf
wie die Gipfel der Bäume.
Der Mann auf ihr stöhnt rhythmisch.
Er weiß nicht das der Kopf
ihm zuschaut.
Er weiß nicht dass sie fern ist.
Er weiß nicht dass sie beim Kopf ist.
Bei den bleichen Lippen
bei den gebrochenen Augen.
Und sagt zum Kopf Ich liebe Dich.
Und singt dem Kopf ein Lied.

(Dieses Gedicht widme ich dem Kind, dem die Männer den Kopf gaben, dass es ihn in die Kamera halte. Ich sah das Bild. Und ich widme es den entführten und vergewaltigten Frauen und Mädchen. Denen die, die abgeschlagenen Köpfe der Geliebten, der Väter und Männer für immer in sie gebrannt, zwangsverheiratet werden, die man zur Prostitution zwingt, die man steinigt. Ich widme es den Kindern der Jesiden, deren Köpfe man gegen Hauswände schlägt.)

Der IPPNW und der IS

Posted on | August 15, 2014 | No Comments

320px-18xx_Richtblock_und_Richtbeil_anagoriaAus einer Presseerklärung des IPPNW:
“Im Irak sollte durch eine Einbindung politischer und religiöser RepräsentantInnen auch der IS-Strömung in Verhandlungen über die politische Zukunft des Irak versucht werden, das Ziel einer gleichberechtigten Repräsentanz der politischen Strömungen, Volksgruppen und Religionen zu erreichen.”

Lieber IPPNW, liebe Frau Grabenhorst,

Sie sind mir ja welche! Immer zu einem Späsken aufgelegt. Meine liebe Scholline, da haben Sie aber einen echten Schenkelklopfer hingelegt. Und so süffisant, das hätte ich gar nicht erwartet! Dolles Ding, kolossale Chose. Wie kommen Sie nur immer auf diese lustigen Einfälle.
Sie schreiben: " Im Irak sollte durch eine Einbindung politischer und religiöser RepräsentantInnen auch der IS-Strömung in Verhandlungen über die politische Zukunft des Irak versucht werden, das Ziel einer gleichberechtigten Repräsentanz der politischen Strömungen, Volksgruppen und Religionen zu erreichen."
Nur der Gourmet wird das "Innen" bei den Repräsentanten gleich bemerken und in einen schmackhaften Zusammenhang mit dem ISLAMISCHEN STAAT stellen können. Herrlich! Beziehungsweise: Dämlich! RepräsentatInnen der Gruppe Islamischer Staat: Auf den Einfall muss man erst mal kommen!
Dürfen die ISlerInnen zu solchen Verhandlungen eigentlich abgeschlagene Köpfe mitbringen? Dürfen sie die Hauswände des Versammlungsgebäudes zum Aufhängen von jesidischen Kindern benutzen? Denn viel kommt ja auch darauf an, dass sich alle wohlfühlen. Und da muss man die religiösen Eigenheiten schon auch pflegen dürfen, nicht wahr. Um einen zügigen Verlauf der gleichberechtigten Verhandlungen zu ermöglichen, sollte man auf die IS-RepräsentantInnen aber vielleicht insofern einwirken, als dass Vergewaltigungen und Steinigungen nur in den Sitzungspausen vorgenommen werden. Es hält sonst immer so auf.

Herzliche Grüße
Ihr Leander Sukov

Das Glaubwürdigkeitsproblem

Posted on | August 12, 2014 | No Comments

Nikolai_Bukharin_1929Es gibt ein Glaubwürdigkeitsproblem innerhalb der gesamten Linken, wenn gleichzeitig die Kritik an der russischen Innenpolitik verhalten ist, die an China gar nicht existent und immer, immer wieder von einzelnen Gruppen und Personen Diktatoren zu Helden oder zumindest zu nützlichen Idioten umlackiert werden, die man verteidigen müsse, weil sie gegen NATO und USA stünden. Wie soll denn geglaubt werden, dass die, die schweigend oder gar unterstützend Pressezensur, Inhaftierung von Gegnern, überhöhte Strafen hinnehmen und relativieren, die Demokratie ernsthaft schützen wollen?
Zur Zeit des noch bestehenden Warschauer Paktes hielt man es dort für nötig tief ins Klo zu greifen und Diktatoren an sich zu binden, die in Afrika z.B. oder in Ostasien ihre Bevölkerung drangsalierten. Das war die Blocklogik: Unser Arschloch oder deren Arschloch. Verheerend wurde die Chose erst, als man sie ideologisch ummantelte. Die Arschlöcher befanden sich plötzlich im antiimperialistischen Kampf, ihre Taten wurden kleingeredet, versachzwangt oder schlichtweg geleugnet. Und Arschlöcher in den originär eigenen Reihen hatte man ja auch noch: Ceaușescu zum Beispiel, den großen Führer, die Leuchte der Menschheit, den irdische Gott, den Auserwählten, das Genie der Karparten. Den Mörder. Er genoss allerdings auch, das will ich nicht unter den Teppich kehren, im Westen einige Reputation, weil er gelegentlich dem Kreml widersprach und auch nicht mit marschierte, als der sogenannte Prager Frühling zerschlagen wurde. Die Bundesrepublik Deutschland zeichnete ihn mit der Sonderstufe des Großkreuzes aus. Eine seltene Ehre für ausgewählte ausländische Staatsoberhäupter.
Auch Maos China hatte seine Arschlöcher. Nicht nur Mao selbst, sondern z.B. Enver Hoxha, den Anzugsfetischist. Nicht schlecht gelitten war in Peking auch der Schlächter von Kambodscha, Pol Pot – gegen dessen Beseitigung durch Aufständische und die Armee Vietnams protestierte man in Peking heftig.
Die Vermutung das sei im Orkus der Geschichte verschwunden, also dem kollektiven Gedächtnis entfallen ist falsch. Auch die Wahlergebnisse z.B. in den DDR sind in guter Erinnerung. Hier einige Prozentzahlen über die amtlich bekannt gegebenen Wahlergebnisse: 1950 lag demnach die Wahlbeteiligung bei 98,53 %, knapp hundert Prozent (99,72) hätten für die Einheitsliste gestimmt. 1986 sollen es dann sogar 99,94 Prozent gewesen sein. Wer um Marx und Engels Willen soll das glauben? Eine Wahlpflicht gab es in der DDR offiziell übrigens nicht. Die Wahlfälschungen sind inzwischen unzweifelhaft festgestellt worden.
Nicht im Orkus der Geschichte verschwunden sind auch die Terrorjahre unter Stalin. Zwischen 1936 und 1938 wurden eineinhalb Millionen Menschen ermordet, darunter tausende Kommunisten. De facto wurde die KPdSU von jenen gesäubert,die die Oktoberrevolution auf Leitungsebenen mitgemacht haben, die Partei wurde entbolschiwikisiert.
Völlig unabhängig davon, wie der Prager Frühling 1968 einzuschätzen ist oder die vorhergegangenen Veränderungen in Ungarn 1956, die zweifelhafte völkerrechtliche Konstruktion, die einen Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes (CSSR 1968) oder der Sowjetunion (Ungarn 1956) legitimieren sollte, trägt nicht.
Das historische Gedächtnis weiter Teile der Bevölkerung ist selbstverständlich mit dem Wissen ausgestattet, das die bürgerliche Geschichtswissenschaft und die bürgerliche Politik hervorgebracht hat, mit jenem, das durch die Medienberichterstattung zugänglich war oder als Saga kolportiert wurde. Dem ist aber nichts entgegensetzbar, weil sich die Geschichtsforschung der sozialistischen Staaten erheblich desavouiert hatte. So wurde bis 1990 aufrechterhalten, dass das Massaker von Katyn durch Truppen der faschistischen deutschen Wehrmacht verübt wurde. Es war allerdings eine Einheit des NKWD, des sowjetischen Geheimdienstes, die auf Anordnung des Zentralkomitees der kommunistischen Partei 4400 Polen ermorden lies. Zu dem wurde selbst in so unverdächtigen Bereichen wie der Forschung über Früh- und Vorgeschichte ein Geheimhaltungskult betrieben, der die Forschungsarbeit erheblich hemmte. Bekannt sind die Verfälschungen von Fotografien, bei denen unliebsame Personen per Retusche aus dem Bild entfernt wurden.
Es hilft auch nicht, auf die guten Absichten, den weltgeschichtlichen Auftrag oder die internationale Lage, die Lage des Klassenkampfes, den Kampf um Fortschritt zu verweisen. Terror bleibt Terror, Unfreiheit bleibt Unfreiheit und Lüge bleibt Lüge.
Der Bruch muss geleistet werden. Nicht der Bruch mit den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, von einer ausbeutungsarmen Gesellschaft oder der Assoziation freier Produzenten. Nein, der Bruch mit den Fehlern der Vergangenheit. Verzichtet werden muss darauf, diese Muster der Vergangenheit auf die Gegenwart anzuwenden. Gegen die Interventionspolitik der USA in Syrien zu sein, heißt weder aus dem dortigen Diktator noch aus seinen Günstlingen gute Leute zu machen, um ein aktuelles Beispiel zu nehmen. Die Heroisierung von Diktatoren, die Entschuldigung der Einschränkung von Freiheitsrechten muss aufhören. Die Bürgerlichen Freiheiten sind eine große Errungenschaft in der Entwicklung der Menschheit. Dass der Oktoberrevolution nicht gelungen ist, dass die Chinesische Revolution nicht einmal versucht hat, diese Rechte dauerhaft zu installieren, ist ein Versäumnis, zu dem die stehen müssen, die eine bessere Welt wollen. Man muss aufhören sich dieses Versäumnis und die daraus resultierenden Verbrechen schön zu reden, sie zu relativieren oder unter anderen Verbrechen verstecken zu wollen.

Foto: Nikolai Bukharin 1929, ermordet 1938

Little Czar

Posted on | August 11, 2014 | No Comments

267617Lenin, ein Verräter, die Bolschewiki vaterlandslose Gesellen. Der Erste Weltkrieg durch innere Feinde verloren. Und der nächste kratzt schon an der Tür. Er ist bizarr, der kleine Zar …
Putin schmiedet sich eine Dolchstoßlegende.

Die bizarre Rede des russischen Präsidenten, lesen Sie hier:
Redglobe: Russische Dolchstoßlegende

Foto:www.kremlin.ru

Deutsche Intellektuelle

Posted on | August 4, 2014 | No Comments

leanderweissEs scheint mir deutsches Problem zu sein; allein ich mag mich darin irren. Vielleicht gibt es Vergleichbares auch anderenorts. Ein Deutscher Intellektueller, wo bei ich “Deutscher” hier als Herkunfts- und Wesensbezeichnung verstanden haben möchte, ließ mich wissen, ich sei nicht ernsthaft genug. Zu lustig also. Ich würde zu viel Unsinn treiben auf meiner Facebookseite, womit er mein Profil dort meinte, bei Twitter und auch sonstwo. Ja, ich weiß. Ich neige zum Blödeln. Ich bin das Gegenteil eines Clowns. Jedenfalls wenn man die kolportierten Vorurteilen nimmt: Ich bin grundalbern und nur im Werk selbst von erheblicher Depression.

Aber bitte, ich kann nicht anders. Die ganze Welt ist angefüllt mit lustigen Merkwürdigkeiten. Vor Friseurgeschäften stehen Schilder, auf denen der Slogan “Lass Dein Haar leben” zu lesen steht; an der Autobahn von Hamburg nach Berlin wird ohne weiteren Hinweis auf großen Tafeln “Rettet den Wald” in die Welt gerufen. Menschen beziehen die Rückspiegel ihrer Autos mit Stoffpräservativen in Nationalfarben. Nachts laufen Werbesendungen für die Amigos. Und der selige Dr. Axel Stoll, promovierter Naturwissenschaftler, teilt mit, die Russen hätten Panzer die 300 Kilometer in der Stunde fahren könnten. Er nennt auch den Typ: der stammt aus einem Computerspiel.

Natürlich kann ich nicht nur lustig sein. Dazu ist die Lage zu ernst. Europa schrammt am Krieg vorbei, im Nahen Osten ist Krieg schon seit Jahrzehnten, in Afrika ermorden faschistoide Religionskrieger Jungen und nehmen Mädchen als Geiseln, die Polkappen schmelzen, die demokratischen Rechte sind gefährdet. Die Bildung nimmt ab. Sonst vernünftige Menschen laufen Putin hinterher, weil der als Antipode Obamas gilt. Menschen entschuldigen den Ruf “Hamas, Hamas, die Juden ins Gas” mit dem Angriff der israelischen Armee auf Gaza und fragen sich, weshalb der Jude nicht aus den Pogromen gegen ihn gelernt hat. Menschen, sagen mir, sie wollten eine bessere Welt, und züchten zugleich Zweifel in mir daran, ob besser nicht eigentlich schlechter wäre, denn — wie man weiß — gut gewollt, ist nicht gut gemacht. In den USA, in China, dem Iran und anderswo werden Todesurteile gefällt, die soziale Lage vieler Menschen ist so schlecht, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der EU liegen die jährlichen Einkommensunterschiede über einhunderttausend Euro (Bulgarien und Luxemburg).

So sind die Zeiten. Man muss sie ändern. Da gehe völlig d’accord. Aber ohne Humor, Albernheit und den Willen Nonsens zu treiben, furztrocken also, wird das nichts werden.

Die Sache mit Siegfried — wie es wirklich war

Posted on | August 4, 2014 | No Comments

Aldrov_tatzelwurm

„Siggi ist tot!“
„Was?“
„Siggi ist tot!“
„Das hab ich verstanden“
„Weshalb fragst Du dann?“
„Weil ich es nicht verstehe.“
„Ich denke Du hast es verstanden“
„Ich habe verstanden, dass er tot ist, aber nicht warum und wieso“
„Ahh! So.“ (Pause)
„Vielleicht wäre der Herr so freundlich mich aufzuklären …“
„Ich habe ihn abgestochen.“
„Du?“
„Ich!“
„Du?“
„Ich!“
„Du?“
„Ja, zum Teufel, ich“
„Wie, ich mein er war …“
„Ein Kriegsheld?“
„Ein großer Kämpfer“
„Ha, ha, ha … erlaube, dass ich herzlich lache“
„Aber jeder sagt, er war ein großer Kämpfer, ein Krieger, wie kein zweiter, unbesiegbar.“
„Aha“
„Was aha … jeder sagt das“
„Er ist tot. Der Held. Ich habe ihn abgestochen.“
„Das geht doch nicht“
„Es ist, wie es ist. Der große Krieger ist hinüber. Ging ruckzuck“
„Er hat sich nicht gewehrt?“
„Doch, so gut er konnte …“
„Aber Du bist nun nicht gerade als stolzer Recke bekannt“
„Ich mache nicht so ein Bohei um die Sache“
„Er war ein Held, verstehst Du, ein Held. Das Volk hat ihn geliebt.“
„Ja, ja … es hielt ihn für unverwundbar, für den Liebling der Götter, für … für …“
„… unbesiegbar …“
„Das Volk ist ziemlich doof.“
„Aber es hat sich beschützt gefühlt von ihm.“
„Da liegt der Hase im Pfeffer.“
„Wir können nicht einfach sagen: Siggi ist tot."
„Er IST aber tot. Mausetot. Erlederitzt. Hinüber.“
„Er hat den Drachen getötet“
„Er hat einen Feuersalamander mit seinem Stiefel erschlagen“
„Aber die Leute glauben, er hätte einen Drachen getötet“
„Die Leute …“
„Ja, die Leute. Wir müssen Rücksicht auf die Leute nehmen.“
„Warum?“
„Sie sind viele, wir sind wenige. Sie fürchten sich vor Dämonen, Drachen, Ausländern, Juden, Hexen. Sie brauchen Siggis“
„Und nun? Er ist ja nun mal tot. Tut mir leid. Aber er war ein nerviger Angeber. Er hat mich zur Weißglut gebracht. Ich hab gesagt: Na, dann zeig mal was Du kannst. Und das hat er dann. Jetzt ist er tot.“
„Wir müssen sagen: Er wurde hinterhältig ermordet.“
„Warum?“
„Damit das Volk nicht aufhört an Helden zu glauben.“
„Du meinst, wir müssen seine PR-Scheiße weitermachen, obwohl er tot ist?“
„Wir sagen: Er war eigentlich unverwundbar. Weil er in Drachenblut gebadet hat.“
„Drachenblut …“
„Ja, Drachenblut.“
„Es war ein Salamander. Nicht mal für einen Zwerg hätte das Blut gereicht.“
„Er hat aber gesagt, es wäre ein Drache gewesen.“
„Ja, gesagt. Er hat überhaupt viel gesagt. Zu viel. Sonst wäre er ja jetzt nicht tot“
„Die Menschen hier glauben aber, dass es stimmt“
„Also Drache … und dann … wenn er doch unverwundbar war?“
„Ein Blatt ist auf seinen Rücken gefallen. Und da war er dann doch verwundbar.“
„Das ist die letzte Räuberpistole“
„Die Leute werden es glauben“
„Und wer hat ihn dann umgebracht? Von hinten? Ich?“
„Hagen!“
„Hagen? Hagen kann nicht mal eine Fliege töten ohne zu kotzen“
„Eben.“
„Eben?“
„Man kann ihn zu nichts gebrauchen, die Memme“
„Du kennst keine Skrupel, oder?“
„Ich muss einen Staat leiten“
„Einen sehr kleinen Staat“
„Staat ist Staat. Volk ist Volk und Held bleibt Held“

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