Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Schöne kleine Stadt

Posted on | Juli 3, 2015 | No Comments

9783943977639Dieser Tage erscheint neu die kleine Novelle “Schöne kleine Stadt”. Eine Novelle über Ochsenfurt, das in der Tat und man braucht keine Fünfe grade sein zu lassen, nichts unter den Teppich zu kehren und kein Auge zuzudrücken eine schöne kleine Stadt ist. Eine alte noch dazu. Und in ihr leben viele gute Menschen. Und das “gute” meint gut in allerlei Hinsicht. Nehmen S’ es im üblichen Sprachgebraucht, als religiöse Wendung oder philosophische Aussage. Das gut bleibt gut. Nehmen S’ also auf jeden Fall wörtlich.

Der Verlag schreibt auf seiner Website dazu das Nachfolgende. Vorher aber möchte ich Sie alle recht herzlich zur Buchvorstellung in der KEMENATE, dem Literaturhaus in Ochsenfurt, einladen. Sie findet am 9. Juli 2015 ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, man steht aber nicht an, Sie um Spenden anzugehen. Seien Sie gewappnet.

Eine kurze Zeitreise durch eine schöne kleine Stadt. Durch alte Gassen und entlang historischer Stätten.
Eine Reise gemeinsam mit den Gespenstern der europäischen Geschichte, ihren Heldinnen und Helden.
Eine Novelle, die die Verbundenheit des Schrift stellers Leander Sukov zu seiner Wahlheimat zeigt.
Ich geh die Gasse zum Spital. Ein schöner Hof, rot-weiß die Blumen am Balkon. Die alte schöne schlichte Kirche. Hier hat man sich um die gekümmert, die Hilfe brauchten. Die Reisenden, die Kranken dann, die Armen und die Alten, hier fanden sie Barmherzigkeit. Und vorher schon die Faselnden, die aus der Wirklichkeit verrückten; Volksküche war das Haus und Frauengefängnis, Kinderbewahranstalt und Schule. Die armen Schulschwestern halfen hier den Menschen einhundertdreißig Jahre lang.
Da kommen sie aus Goßmannsdorf und aus den andren Dörfern, um sich mir zu zeigen. Die Toten und die Geißler, die Ärzte mit den Aderlass-Bestecken, mit Vogelmasken, und alle beten. Doch keiner liest, was anderswo doch schon bekannt und auch schon in Latein zu wissen wäre: dass nicht die schlecht Luft die Krankheit bringt, denn es ist die Konstellation von Mars, Jupiter und Saturn, die Schuld trägt an der Seuche. Das hat die medizinische Fakultät der Universität zu Paris herausgefunden. Gelehrte Männer allesamt, die dort geforscht haben im Auftrag Philipp des VI. Miasmen, faulig riechende Winde, aus dem Inneren der Erde, glauben die da in den Vogelmasken, bringen die schwarzen Geschwüre, den schwarzen Tod, und dabei sind’s die Sterne.
Englische Broschur, 10 x 16 cm — 128 Seiten

Wirtschaftsflüchtlinge

Posted on | Juni 20, 2015 | No Comments

Zwanzig Menschen in einem Container.
Es stinkt, das Wasser ist knapp,
Es ist dunkel, die Hitze kaum zu ertragen.
Jemand öffnet die Tür.
Sie hören das Durchladen der Waffen.
Dann Schüsse. Wortlos.
Die meisten sind tot.

Er lebt in einem Zweibettzimmer.
Man gibt ihm Essensgeld und Kleidung.
Kein Achtzehn ist er.
Er hat sich hinter den Leichen versteckt
bis zur Nacht.
Er hat in fremdem Blut gelegen stundenlang.
Danach fragt hier keiner.
Das ist nicht von Belang.
Sein Albtraum ist sein Albtraum.
Teilen kann er ihn nicht.
Psychologische Betreuung — Fehlanzeige.

Wenn er achtzehn ist, in ein paar Wochen
wird man ihn und seinen Albtraum
einen Ort weiter schicken.
In ein Vierbettzimmer. Zu den anderen Albträumen.
Die auch keinen interessieren.
Zu denen, die man wochenlang zusammenschlug.
Zu denen, die sahen, wie man ihre kleinen Schwestern vergewaltigte.
Zu denen, deren Mütter erschossen wurden
und deren Väter man auf dem Dorfplatz aufhängte.
Zu denen, mit der verbrannten Haut,
zu denen, mit den verlorenen Träumen.
Zu den anderen Wirtschaftsflüchtlingen,
also zu denen, die vor dem Ergebnis unseres Wirtschaftens flüchten.
Zu uns.

Kleine Boote

Posted on | Juni 20, 2015 | No Comments

Timi isst Eis.
Unterm Himmel Wolken so weiß
wie die Sahne auf Timis Becher.
Das Rathaus ist alt, und alt ist die Stadt.
Kein Wind zieht über die Dächer.

Lucky trinkt Tee.
Damals über der See
Warf sich ein Sturm auf die Boote.
Die Boote so klein, der Hunger so groß.
Kein Wasser und keine Brote.

Wieviel Schritte geht einer der geht
von Abouja zu Fuß an die Küste.
Drüben Europa. Die Mutter weiß nichts.
Sie ließ‘ sie nicht gehn, wenn sies wüsste.

Über das Meer. Das Boot ist so klein.
Man sieht es nicht zwischen den Wellen.
Tief in Wellentäler taucht es hinein.
Kein Licht um die Nacht zu erhellen.

Timi isst Eis.
Lucky trinkt Tee.
Unterm Blau die Wolken so weiß,
Wie die Sahne auf Timis Becher.
Kein Hauch geht über die Dächer.

Busfahrt von Jerusalem nach Tel Aviv

Posted on | Juni 17, 2015 | No Comments

Der orthodoxe Jude, so jung wie ich, schwarz gekleidet, selbstverständlich, huttragend, bärtig, langhaarig und ich verständigten uns in Deutsch und Jiddisch. Wir hatten uns, merkwürdig das, als Fahrgäste auf dem Busbahnhof in Jerusalem angetroffen und blieben für eine Station die einzigen Reisenden. Dann füllte es sich. Wir unterhielten uns weiter. Er hatte Verwandte in Russland und den USA. Von Deutschen wusste er nichts zu berichten. Er stieg eine Station vor Tel Aviv aus. Mich lenkten meine Schritte wieder in das Hotel am Strand. Dort entbreitete sich der Tag in Jerusalem in mir. Ich lag auf dem Bett. Die See schlug an den Strand. Menschen lachten draußen.

Bergsee

Posted on | Juni 3, 2015 | 1 Comment

Am Bergsee sitzt sie manchmal. Du kommst dazu von Zeit zu Zeit. Setzt Dich neben sie auf die Bank. Unterbrichst Deine Wanderung hinauf zum Joch. Und Sie streicht ihren Kittel glatt. Und dann sagt sie, was sie immer sagt. Und erinnert Dich mit dem Satz, "Früher, daran erinnere ich mich gern, bin ich um den See gelaufen. Oft. Nicht jeden Tag natürlich, dazu war zu viel Arbeit. Jeden Tag konnt‘ ich nicht. Aber Sonntags, nach der Kirch‘, da bin ich immer einmal um den See. Sommers, wie Winters. Waren ja auch nicht im Urlaub. Mein Mann und ich, die ersten Jahre, die erste Zeit. Das war in den Fünfzigern. Da sah es hier aus. Mein Gott! Strom hatten wir keinen und kein fließend Wasser. Die unten im Dorf schon. Da hingen die Leitungen für den Strom über die Straßen. Von Haus zu Haus. Wie Spinnenwegen hat mein Mann immer gesagt. Aber hier oben, auf halben Weg zum Einstieg, wir net. Wir haben bei Petroleumlicht gesessen auf Nacht. Und hatten eine Pumpe in der Küche. Richtig an der Wand eine Pumpe. Auto hatten wir keines damals. Hatten wir erst so um dreiundsechzig, vierundsechzig. Einen Puch. So einen kleinen. Einen 700. Sind wir bis nach Bozen mit gefahren. Über die Alpen. Hat der alles mitgemacht. Und Anfang der Siebziger, oder wars doch schon neunundsechzig, da haben wir Strom bekommen und ein paar Jahre später hat mein Mann ein kleines Pumpwerk neben dem Haus errichtet fürs Wasser. Da war der Hof noch halb so groß. Personal hatten wir eine Magd und einen Knecht. Nicht wie heut‘. Einen Traktor hatten wir. Gebraucht gekauft. Musste alle naselang repariert werden. Und dann der Preisverfall und die Subventionen weniger auch. Wollten wir schon aufgeben. War ja nur ein kleiner Hof. Aber mein Mann und ich haben uns dann doch nicht durchringen können. Die Rente ist zu niedrig um aufzuhören und verkaufen — keiner will’s. Zu beschwerlich hier oben. Und zu klein für Touristen das Haus, aber unter Denkmalsschutz. Da muss man immer weiter machen.", daran, dass Du Dir einen See suchen solltest in den nächsten paar Jahren, einen an dem Du sitzen kannst und erzählen, wie es war in den Achtzigern und Neunzigern. Später, wenn die Stunde auf der Bank ist, wie die Pause in einem Theaterstück, in dem Du alle Rollen spielst unter einem schlechten Regisseur.

Sonett an des Rambuzier

Posted on | Juni 2, 2015 | No Comments

Oh, Rambuzier, Du teures Fleutchen,
wie schön, ists ja im Juni nun,
zu ramseln wo die bleuen Zeuchtchen
des nachts bei Tag laut raffelnd ruhn.

Oh, Rambuzier, Du bist so solttig,
mit Deinem grahlen Prutz,
Das Aug es glänzt so sternig-roltig,
auf Deiner harten, jeelen Mutz.

Ach, Rambuzier, komm lass uns planken.
Der alte Jäger bläst zur Knacht.
Du bist der edelste der Wanken.
In deiner barzilen’schen Pracht.

So treff ich, Rambuzier, einmal im Jahre,
Dich an der schlumpschen Rumbalahre.

Aber die Soldaten

Posted on | Mai 11, 2015 | 1 Comment

Und Tausendschön schnitt Rapunzel das Haar.
Und Rosenrot malte Schneeweißchen Pockennarben auf die Haut.
Und Gänseliesel verhüllte Sterntaler in einem alten Mantel.
Und Schneewitchen verbarg das Rotkäppchen in einem Sarg.
Aber die Soldaten …
Fern aller Märchen.
Schwer die Leiber.
Hart die Schläge.
Da hast Du, sagen die Soldaten.
Und Dörnröschen schläft ewig.
Und Rosenrot läuft das Blut die Schenkel hinab.
Und Rotkäppchen spricht nicht mehr.
Und Sterntaler schlägt den Kopf an die Wand.
Und Gänseliesels Beine brechen unter den Soldaten.
Und Tausendschön schneiden sie die Lippen ab.

Seid romantisch

Posted on | Mai 11, 2015 | No Comments

Seid romantisch wie noch nie, Kollegen.
Schreibt über Vöglein, die am Morgen
vor den Clubs schon singen,
während ihr, verliebt bis unters Hemd
aus Bangladesch und vollgesogen
mit Schnaps, Bier und andren Drogen
den Club im ersten Tageslicht betretet
auf der Suche nach dem Geliebten, der Geliebten,
für ein paar Tage, Nächte,
den Trennungsschmerz, ein übles Gutes,
das Euch beflügelt beim herzblutenden Dichten,
nehmt vorweg.
Schreibt über Mütter auch. Und bildet da
semantisch, orthografisch, irre,
Kombinationen: Mutterschmerz, Mutterliebe,
Muttersprache, Mutters Asche, Mutters Kohle, Mutters Kohlrouladen.
Tut gleiches Euren Vätern an.
Nehmt das Blatt nicht vor den Mund.
Legt es in den Drucker.
Suhlt Euch in Erinnerung und Herzschmerz.
Klagt das Schicksal an und die Schicksen,
Gebt zu, in den Puff zu gehen, gebt zu, Callboys bezahlt zu haben,
leidet damit den Leser voll.
Schreibt nicht, es hätte Euch befriedigt,
Schreibt, wie sehr ihr Euch erniedrigt habt mit der Inanspruchnahme
der Dienstleistung. Lügt Euch in die Tasche.
Hauptsache aber: Leidet. Privat. Persönlich. Familiär.
Kommt einer mit einem Gedicht über Flüchtlinge,
über Bangladesch, über Prostitution aus Not,
über Mindestlohn und Clubs,
so sagt: Das schießt ja den Vogel ab,
diese Betroffenheitslyrik.

Zu den Protesten zur Preisverleihung des PEN-Preises an Charlie Hebdo

Posted on | April 30, 2015 | No Comments

jesuischarlie_weisse_schrift>>Der frühere PEN-Präsident und Bestsellerautor Salman Rushdie kritisierte die Bedenken der Schriftsteller als "entsetzlich falsch". "Wenn PEN als Organisation der Meinungsfreiheit nicht die Menschen verteidigen und feiern kann, die dafür getötet worden sind, Bilder zu zeichnen, dann ist die Organisation ihren Namen nicht wert."<< (SPON von heute)
Rushdie hat Recht. Wer an dieser Stelle eine Diskussion aufmacht, die sich fragt, ob die Karikaturen, die Charlie Hebdo veröffentlicht hat in das eigene Wertesystem gehören, von ihm getragen werden oder nicht, begeht einen Frevel an der Freiheit von Kunst und Wort. Es stellt sich nicht die Frage, ob man Kritik an den Karikaturen anzumelden hat oder nicht. Es geht um die blutige, bösartige und nicht hinzunehmende Reaktion auf die Zeitung durch die Mörder. Die Solidarität mit ihr und damit die Preisverleihung ist nicht Ausdruck von antiislamischer Schmähung, sondern Ausdruck der Abscheu vor dem Mord, der ja nichts anderes war, als die zur Tat gewordene Behauptung, jemand hätte das Recht, seine Religion durch Gewalt und Mord zu schützen. Wer jetzt nicht nach den Tätern und ihrem Angriff auf Meinungs- und Pressefreiheit fragt, sondern nach den Opfern und ihrer Art von Journalismus, macht das bleierne Gewicht der Tat leichter.
Die Behauptung, die "französische Nation" wäre kulturell arrogant und hätte, denn anderes kann das nicht bedeuten, die Morde durch diese Arroganz und die vor der Benachteilung vieler Einwanderer verschlossenen Augen selbst hervorgebracht ist in sich schon deshalb eine chauvinistische Behauptung, weil sie ein ganzes Volk als vermeintliche Einheit schmäht. Ich schäme mich für diesen Unsinn, den Peter Carey per Mail an die NYT geschrieben hat. Ich schäme mich für meinen Kollegen angesichts der toten Journalisten, angesichts ihrer Angehörigen und angesichts der Aufgaben des internationalen PEN und seiner nationalen Zentren.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/charlie-hebdo-carey-ondaatje-cole-selasi-gegen-pen-award-a-1031045.html

Der Führer schwebt nicht über der Tankstelle

Posted on | April 30, 2015 | No Comments

Mussolini_e_Petacci_a_Piazzale_Loreto,_1945

Kopf über, Mussolini.
Welch ein schöner Tag.
In der Mauer bei der Promenade noch
die Narben der Freiheit.
Der Leichnam des Duce
schwebend überm Volk.

Die Pistole gute Arbeit.
Kein Aussetzer, als es darauf ankam.
Das Gift mit Liebe zum Führer
hergestellt. Die Ampulle formschön.
Welch eine Schande.
Der Mörder legt Hand an sich.
Keine Promenade in Berlin.
Kein Schweben.
Wie schön wäre es gewesen,
man hätte ihn gehenkt in einem
Hinterhof eines xbeliebigen Knastes
in der Provinz.
Die vollgeschissenen Hosen,
das geliebte Braun
auf Kodak-Color gebannt.

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