Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Die Fischer am Kai

Posted on | Oktober 30, 2014 | No Comments

dorsch

Ich habe dann doch nicht gefragt.
Die Fischer am Kai.
Alle um die Fünfzig.
Oder älter.
Keiner jung.
Ich saß im Spätherbstsonnenschein.
Kaffee. Ein Brötchen.
Mein Frühstück teilte ich mit einer jungen Möwe.
Die Fischer am Kai alle um die Fünfzig.
Oder älter.
Geh zu ihnen, dachte ich.
Geh nachher mal rüber und frag was mit den jungen ist.
Ich habe dann doch nicht gefragt.

LEIDEN & SCHMERZ IN DER POPMUSIK

Posted on | Oktober 29, 2014 | No Comments

Kauft Euch die neue Melodie und Rhythmus. Thema: Leiden und Schmerz in der Pop-Musik. U.a. mit einem Interview mit Ann Clark und einem Artikel von mir.
http://www.melodieundrhythmus.com/mr-6-2014-durchblaettern/

Abend

Posted on | Oktober 29, 2014 | No Comments

Caspar_David_Friedrich_-_Schiffe_im_Hafen_am_Abend

Die Dunkelheit kriecht in das Licht, am Zaun die Buche
verwirkt sich schwarz im Abendhimmel und
die Backsteinmauer wird entrötet, entgrünt der Rasen,
die Dinge vor dem Fenster vergeben sich ins schwarze Nichts.

Und mit dem Schwarz, das wie ein Schweigen ist der Farben,
mit diesem Schwarz der Nacht schwebt Stille sacht heran,
verebben die weittragenden Geräusche des Tages langsam, deckt
Schwärze ihre Flügel über die Töne und mindert sie.

Altmann und die körperliche Reaktion

Posted on | Oktober 29, 2014 | No Comments

Gray1154Altmann erwartete eine körperliche Reaktion. Aber die kam nicht. Eine Tatsache, die ihn überraschte, verwunderte, ja, sogar, in allerdings gelindem Maße, für einen Moment verwirrte, so dass er die vorbeieilende Kellnerin nicht rief, kein ‚Kann ich bitte zahlen?‘ erschallen ließ, sondern losgelöst von der Umgebung und doch in ihr verharrend, sich ganz darauf fokussierte die ausbleibende Reaktion zu bedauern, das nicht erfolgte Anschwellen schmerzlich zu vermissen und dieses Gefühl zu verstärken, um sich, für einige Sekunden allerdings lediglich, in Selbstmitleid sowohl, wie auch in der wohligen Gewissheit zu suhlen, jetzt zu den Männern zu gehören, die fortgeschrittenen Alters meistens, mehr brauchten als Bild und Vorstellung, die auch Mechanik bedurften, des Griffes in die Hosentasche und ihrer Finger also, um die Reaktion hervorzurufen, die nun ausgeblieben war.

Die Frau, ein Mädchen fast noch, derentwegen er die Reaktion erwartet hatte, eigentlich des volllippigen Mundes halber, der blonden Haare wegen und der kontrastierenden Augenbrauen, saß einige Tische entfernt auf der anderen Seite des Ganges, der den Raum in eine, den Fenstern nahe Seite, wo Altmann Platz genommen hatte, und eine zum Tresen und zur Backstube hin gelegene teilte. Altmann hatte sich schon immer zu Attributen dieser Art hingezogen gefühlt. Zu Lippen, die voll waren, aber nicht zu sehr, nicht in einer Weise, die sie schlauchig wirkten ließ, nein, zu energischen Lippen mit einem Hang ins Weichliche, zu blonden Haaren und dunklen Brauen, zu dunklen Haaren und hellen Brauen auch, zum Kontrast also, zum unterlaufenen Gleichklang der Behaarung, zu einem Körper, der noch schlank genannt werden konnte, zu drallen Oberschenkeln, denen man ihre Kraft ansah und Augen, die voll Spott blicken konnten. Und immer hatte der Anblick von Frauen, die diese Eigenschaften zeitigten oder denen er sie leicht zuschreiben konnte, zu einer körperlichen Reaktion geführt. Sein Glied hatte sich versteift dann, und der Versteifung folgte, in die aufsteigende Geilheit hinein, sein Schöpfungsakt, folgten Geschichten und Imaginationen. Jetzt aber blieb all das aus. Altmann bedauerte sich auf das Bedauern, welches er auch für sich spürbar willentlich ausübte, oben drauf, so wie man das Spiegelei aufs Hacksteak legt. Als Dreingabe und weil es gut schmeckte.
„Kann ich bitte zahlen“, rief er nun der Kellnerin zu und die eilte herbei, brachte die Rechnung, fragte, ob es geschmeckt hätte und Altmann antwortet beiläufig, aber wahrheitsgemäß: Ganz ausgezeichnet. Dann zahlte er und ging zurück in das Hotel am Hafen. Stand am Fenster, blickte auf die Spaziergänge, suchte nach Frauen, die in jenes Schema passten, welches die Schwellkörper schwellen lassen konnte, fand keine, legte sich aufs Bett, knöpfte die Hose auf und onanierte.

Oschi

Posted on | Oktober 29, 2014 | No Comments

20140119_195858

Runter zum Hafen fuhr er manchmal.
Ein Bier an den Landungsbrücken, Korn dazu.
Und die Mütze schräg auf dem Kopf.
Im Großmarkt hat er gearbeitet, bevor er in Rente ging.
Die Hallen sind jetzt voll mit Kunst und Krempel.
Wenn Du nachmittags ins Parteibüro kamst,
dann war er da. Den Kaffee hatte er fertig.
Und auf dem großen Tisch lagen die Zeitungen des Tages.
Lies mal, wenn Du willst, sagte er.
Und abends war er auch noch da. Sass auf den Veranstaltungen.
Viel geredet hat er nie. Das war nicht seine Sache.
Aber dafür gesorgt, dass alles rundläuft,
dass es funktioniert – das hat er.
Nachts hat er an der kleinen Druckmaschine gestanden.
Und morgens um fünf waren die Flugblätter fertig zum Verteilen.
Irgendwann ist er weggegangen.
Wollte in die Sonne. Die Knochen, das Rheuma.
Aber das hat nicht geklappt. Wegen der fremden Sprache und der Einsamkeit.
Kam dann wieder zurück.
Natürlich arbeitete jetzt jemand anderes im Parteibüro.
Da hat er sich eine andere Arbeit gesucht. Arbeit gibt es ja genug.
In der Thälmann-Gedenkstätte. War immer da.
Brauchte er, musste was zu tun haben.
Wir sind immer gemeinsam essen gegangen, wenn ich in Hamburg war.
Mit Simone und Peggy und Per und Oschi hatte immer seine Freundin dabei.
Geredet hat er nicht viel.
Manchmal denk ich: Jetzt müsste er da sitzen. Und man kann zu ihm reden.
Und er hört zu. Viel sagen würde er nicht.
Aber was er sagt, das hätte Hand und Fuß.
Aber er sitzt nicht mehr da.

Der Tänzer

Posted on | Oktober 28, 2014 | No Comments

Bayadere_-Solor_-Pavel_Gerdt_-1900„Siehst Du ihn tanzen? Dort. Er tanzt durch Dich? Er tanzt durch Dich hindurch.“
„Niemand tanzt“
„Da sieh doch, leicht wie eine Feder. Wie konzentriert der Blick ist. Die Drehungen, wie leicht. Siehst Du es nicht?“
„Niemand tanzt. Nicht mehr. Der tanzte hat sich von der Welt getanzt. Fouetté en tournant, Fouetté en tournant in die stille, musiklose Leere, ins Nichts. Erinnerst Du Dich? Wie er sich auflöste in der Drehung noch?“
„Und tanzt doch. Sieh nur. Tanzt doch. Und die Musik. Von fern, getragen von der Windstille. Zusammengehalten von den Wolken. Und unter den Wolken … siehst Du die Wolken?“
„Es gibt keine Wolken mehr. Erinnerst Du Dich nicht, wir hoben sie fort. Schoben sie übern Rand. Übern Rand. Die Wolken sind gefallen. Es geht ein Wind nun immer. Knapp Sturm schon, dieser Wind. Fühlst Du ihn. Und niemand tanzt zu keiner Musik“
„Die Wolken stehen still unter einem blauen Himmel. Und einer tanzt und tanzt durch Dich. Dazu Musik von Ferne. Dass Du nicht hörst, nicht siehst, was ich ja hör und sehe …“
„Weil es nicht da ist. Es gibt nur uns. Und keinen Tänzer, auch Musik nicht. Der Himmel grau, ganz ohne Wolken. Nur Du. Nur ich. Und nichts.“
„Und doch gibt es den Tänzer dort und auch die Wolken. Ich seh sie doch.“
„Ich seh sie nicht. Ich sehe grau nur. Alles grau in grau. Die Welt und ihre beiden einzigen Bewohner. Dich und mich. Graue Gestalten in einem grauen runden Nichts. Und niemand mit uns, den wir nun fragen könnten: Ist dieses Grau um mich? So sähe ich wahr. Doch wär es nur in mir, so sähe ich die Wirklichkeit.“
„Der Tänzer, er tanzt durch Dich. So bunt die Welt.“

Foto: English Wikipedia Benutzer Mrlopez2681

An der See

Posted on | Oktober 28, 2014 | No Comments

320px-Easterly_swell,_Lyttelton_Harbour,_29_July_2008

Geh bedächtig.
Jetzt steh. Dreh dich.
Zur See hin. Die Wellen, schwarz fast,
leichte Dünung, sanft leckt die See den Strand.

Sieh fest.
Aufs Wasser. Kein Lidschlag.
Steigt jetzt das Meer in dir
wie Flut steigt am Morgen am Abend?

Bleib so.
Welle. Blick. Raumsprung.
Siehst du versinken
Schiff um Schiff?

Siehst du den Feuerschein?
Die Masten brennen, Segelfetzen
wie Kometen vorm Erdenuntergang?
Hörst du das Gurgeln, letztes Atem.

Wie schön das Meer ist hier.
Hab fest im Blick die Wellen.
Schwarz das Wasser fast am frühen Abend.
Sanft leckt die See den Strand.

 

Foto: Phillip Capper, Lizenz:  CCL 2.0 generisch

Vorgeschlagen für den Horst-Bingel-Preis

Posted on | Oktober 22, 2014 | No Comments

horst_bingelDie Jury des Horst-Bingel-Preises hat mich nominiert. Mit mir sind Andreas Altmann, Daniela Danz und Martina Weber als Kandidaten vorgesehen. Wer auch immer letztlich die Preisträgerin oder der Preisträger wird – entscheidend ist, dass durch den Preis zum einen das Werk Horst Bingels befördert wird und zum anderen eine Dichtung, die gesellschaftlich wirken will.

Dieser Gedanke findet sich auch in der Presseerklärung des Kulturmaschinen Verlages und seiner verdienstvollen Verlegerin Simone Barrientos wieder, in der es heißt: “Der Preis ist ein Versuch, politische Dichtung in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. In einer Zeit, in der Krieg und Armut, Schädigung der Umwelt und massive Vertreibungen die Schlagzeilen bestimmen, in einer Zeit, in der ganz fassbar Angst und Furcht, Schrecken und Horror das Leben vieler Menschen konkret bestimmt. In der es aber auch in vielen Ländern zu einer Not aus Einsamkeit und Vereinzelung kommt, wird solche Lyrik wieder vermehrt gehört, die es versteht, diesen Schrecken darzustellen. Leander Sukov gehört mit seinen Gedichten über Krieg und Opfer, über Vereinzelung und Vereinsamung gewiss zu denen, die in der Lage sind mit großer lyrischer Kraft eine dialektische Darstellung zu liefern.”

Informationen über Horst Bingel findet man auf der Seite der Stiftung und bei Wikipedia.

Foto: Horst Bingel

Auch hier im Norden, wo ich ja gerade stipendiere, hat die Pressemitteilung ein Echo gefunden. Die Eckernförder Zeitung weißt auf meine Nominierung hin.

bingelpreiseckernfoerderzeitung

Jehnse doch wech

Posted on | Oktober 21, 2014 | 1 Comment

Bundesarchiv_Bild_183-1984-0601-008,_Berlin,_MarzahnAch, jehnse doch wech. Nee, ick will keene Hilfe. Ick komm klar. Ja, nu lassen se ma. Hat sich bis jetze niemand nüscht um mir jekümmert. Un nu will ick nich mehr. Nee, haunse ab. Is zu spät nu.

Ja, ja, Dreck. Allet voller Dreck. Gloobense ick bring den Müll noch zue Tonnen? Det könnse knicken junger Mann. Det is nich. Nee. Det is nich mehr. Der Fahrstuhl. Daunernd im Arsch dett Ding. Wie soll ick mit den Rollator denn die Treppen runterkomm? Wie soll det jehn? Und wat is, wenn ick mit den Fahrstuhl runter komm, aber nich wieder ruff. Soll ick denn in Hausflur kampieren. Hier is allet fürn Arsch. Sehnse sich doch um. Dett is also die Zukumft von Berlin, dett is de Zukumft. Nix is mit Zukumft, det lassense sich ma jesargt sein. Nix. Rinn jarnüscht. Ick sitz hier rum und lass mir den Einkauf vonne Nachbarn bringen. Und stell den gröbsten Dreck vore Wohnungstüre. Nimmt denn schon wer mit. Aber mehr is nich. Nee, mehr is nich. Ick bin hier injesperrt. Det is wie Bau. Kannst mir glooben. Wie Bau is det. Zehnter Stock Plattenbau und denn ohne Fahrstuhl, aber mit Rollator. Da tanzt Bolle aufm Flur. Nee, lassense ma. Hat bisher keen interessiert. Nu muss dat keen mehr interessieren. Is mir wurscht, is mir dette. Ick will mir abwracken. Denn bin ick meener Stadt ebenbürtig. In Einklang bin ick denn mit mein Berlin. Haunse ab. Suchen se sich wen zun Bemuttern. Haunse ab. Haunse ab. Ick jeb hier schön langsam den Löffel ab. Kommse wieder, wennt mir hinjerafft hat. Denn könnse aufräum, denn räumse ma schön meine sterblichen Überreste wech. Aber jetzte sehnse zu, det se Land jewinnen.

(Berliner werden den Text noch berlinerisieren)

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0601-008 / Zimmermann / CC-BY-SA | Quelle: Wiki

Ohne Titel

Posted on | Oktober 19, 2014 | 1 Comment

Der Regen hat die Stadt gewaschen.
Der Hafen menschenleer.

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