Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Aber die Soldaten

Posted on | Mai 11, 2015 | 1 Comment

Und Tausendschön schnitt Rapunzel das Haar.
Und Rosenrot malte Schneeweißchen Pockennarben auf die Haut.
Und Gänseliesel verhüllte Sterntaler in einem alten Mantel.
Und Schneewitchen verbarg das Rotkäppchen in einem Sarg.
Aber die Soldaten …
Fern aller Märchen.
Schwer die Leiber.
Hart die Schläge.
Da hast Du, sagen die Soldaten.
Und Dörnröschen schläft ewig.
Und Rosenrot läuft das Blut die Schenkel hinab.
Und Rotkäppchen spricht nicht mehr.
Und Sterntaler schlägt den Kopf an die Wand.
Und Gänseliesels Beine brechen unter den Soldaten.
Und Tausendschön schneiden sie die Lippen ab.

Seid romantisch

Posted on | Mai 11, 2015 | No Comments

Seid romantisch wie noch nie, Kollegen.
Schreibt über Vöglein, die am Morgen
vor den Clubs schon singen,
während ihr, verliebt bis unters Hemd
aus Bangladesch und vollgesogen
mit Schnaps, Bier und andren Drogen
den Club im ersten Tageslicht betretet
auf der Suche nach dem Geliebten, der Geliebten,
für ein paar Tage, Nächte,
den Trennungsschmerz, ein übles Gutes,
das Euch beflügelt beim herzblutenden Dichten,
nehmt vorweg.
Schreibt über Mütter auch. Und bildet da
semantisch, orthografisch, irre,
Kombinationen: Mutterschmerz, Mutterliebe,
Muttersprache, Mutters Asche, Mutters Kohle, Mutters Kohlrouladen.
Tut gleiches Euren Vätern an.
Nehmt das Blatt nicht vor den Mund.
Legt es in den Drucker.
Suhlt Euch in Erinnerung und Herzschmerz.
Klagt das Schicksal an und die Schicksen,
Gebt zu, in den Puff zu gehen, gebt zu, Callboys bezahlt zu haben,
leidet damit den Leser voll.
Schreibt nicht, es hätte Euch befriedigt,
Schreibt, wie sehr ihr Euch erniedrigt habt mit der Inanspruchnahme
der Dienstleistung. Lügt Euch in die Tasche.
Hauptsache aber: Leidet. Privat. Persönlich. Familiär.
Kommt einer mit einem Gedicht über Flüchtlinge,
über Bangladesch, über Prostitution aus Not,
über Mindestlohn und Clubs,
so sagt: Das schießt ja den Vogel ab,
diese Betroffenheitslyrik.

Zu den Protesten zur Preisverleihung des PEN-Preises an Charlie Hebdo

Posted on | April 30, 2015 | No Comments

jesuischarlie_weisse_schrift>>Der frühere PEN-Präsident und Bestsellerautor Salman Rushdie kritisierte die Bedenken der Schriftsteller als "entsetzlich falsch". "Wenn PEN als Organisation der Meinungsfreiheit nicht die Menschen verteidigen und feiern kann, die dafür getötet worden sind, Bilder zu zeichnen, dann ist die Organisation ihren Namen nicht wert."<< (SPON von heute)
Rushdie hat Recht. Wer an dieser Stelle eine Diskussion aufmacht, die sich fragt, ob die Karikaturen, die Charlie Hebdo veröffentlicht hat in das eigene Wertesystem gehören, von ihm getragen werden oder nicht, begeht einen Frevel an der Freiheit von Kunst und Wort. Es stellt sich nicht die Frage, ob man Kritik an den Karikaturen anzumelden hat oder nicht. Es geht um die blutige, bösartige und nicht hinzunehmende Reaktion auf die Zeitung durch die Mörder. Die Solidarität mit ihr und damit die Preisverleihung ist nicht Ausdruck von antiislamischer Schmähung, sondern Ausdruck der Abscheu vor dem Mord, der ja nichts anderes war, als die zur Tat gewordene Behauptung, jemand hätte das Recht, seine Religion durch Gewalt und Mord zu schützen. Wer jetzt nicht nach den Tätern und ihrem Angriff auf Meinungs- und Pressefreiheit fragt, sondern nach den Opfern und ihrer Art von Journalismus, macht das bleierne Gewicht der Tat leichter.
Die Behauptung, die "französische Nation" wäre kulturell arrogant und hätte, denn anderes kann das nicht bedeuten, die Morde durch diese Arroganz und die vor der Benachteilung vieler Einwanderer verschlossenen Augen selbst hervorgebracht ist in sich schon deshalb eine chauvinistische Behauptung, weil sie ein ganzes Volk als vermeintliche Einheit schmäht. Ich schäme mich für diesen Unsinn, den Peter Carey per Mail an die NYT geschrieben hat. Ich schäme mich für meinen Kollegen angesichts der toten Journalisten, angesichts ihrer Angehörigen und angesichts der Aufgaben des internationalen PEN und seiner nationalen Zentren.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/charlie-hebdo-carey-ondaatje-cole-selasi-gegen-pen-award-a-1031045.html

Der Führer schwebt nicht über der Tankstelle

Posted on | April 30, 2015 | No Comments

Mussolini_e_Petacci_a_Piazzale_Loreto,_1945

Kopf über, Mussolini.
Welch ein schöner Tag.
In der Mauer bei der Promenade noch
die Narben der Freiheit.
Der Leichnam des Duce
schwebend überm Volk.

Die Pistole gute Arbeit.
Kein Aussetzer, als es darauf ankam.
Das Gift mit Liebe zum Führer
hergestellt. Die Ampulle formschön.
Welch eine Schande.
Der Mörder legt Hand an sich.
Keine Promenade in Berlin.
Kein Schweben.
Wie schön wäre es gewesen,
man hätte ihn gehenkt in einem
Hinterhof eines xbeliebigen Knastes
in der Provinz.
Die vollgeschissenen Hosen,
das geliebte Braun
auf Kodak-Color gebannt.

Plumps

Posted on | April 23, 2015 | No Comments

Zähl! 21, 22, 23.
Sag plumps.
Trommel dir auf den Bauch.
Plumps sag. Trommel dazu.
21, 22, 23. Und Plumps.
Trommel. 21, 22, 23. Plumps.
Alle drei Sekunden.
Plumps. Fällt einer leicht
vom Leben in den Tod.
Trommel dazu.
Ein Hungertoter alle drei Sekunden.
21, 22, 23.
Trommel dir auf den Bauch.

Zum Tode von Grass und Galeano

Posted on | April 13, 2015 | No Comments

Heut sterben hundert, sterben tausend
die uns die Welt und sich beschrieben haben.
Wir kennen zwei nur, hier, mit Namen.
Galeano, Grass. Die anderen — sie
sind uns gänzlich unbekannt.
An jedem Tag, da sterben hundert,
sterben tausend, die für uns Sätze formten.
Wen wird man kennen in zwanzig oder in zweihundert Generationen?
Wer kennt noch Kotzebue? Wer kennt die Namen all
der Römer, Griechen, Perser?
Und dafür schreiben wir: Für die Erinnerung an Welten,
die wir geschaffen haben.

Die Bigotten

Posted on | April 7, 2015 | No Comments

Fernsehsender und Printmedien fragen sich nun nach Anschlägen und Brandstiftung wie rechts Deutschland sei. Fragen das nach den Gesprächen von Spitzenpolitikern unterschiedlicher Ebenen mit der Pegida, nach all den gezeigten Verständnis für Chauvinisten, Nationalisten und Fremdenfeinde. Fragen das nach den Artikeln und Kommentaren, welche die Marschierer beförderten und die Flüchtlinge abwerteten.
Welch eine Bigotterie.

Fahrt nach Lissabon

Posted on | April 5, 2015 | No Comments

Eleonores Café halbdunkel
kühl die Luft. Rauchgeschwängert.
Auf dem Trottoire drei Tische.
Avignon. Vorm Papstpalast
Akrobaten aus Tunis.
Ein Mädchen malt Friedenstauben
auf den Gehsteig.
Kein Zimmer für uns
frei der Himmel überm kleinen Park.
Der Zug nach Lissabon.
Aus den Dreißigern
der Wagon.
Plüsch.
Und die Wasserhähne aus Bronze.
An der Grenze zu Spanien
die Guardia Civil.
Die Sturmgewehre auf den Zug gerichtet.
Wir lieben uns auf rotem Stoff
im Takt der langsam rollenden Räder.
Die Soldaten hinter der
portugiesischen Grenze
haben Rosen in die Läufe
der Maschinenpistolen gesteckt.
In Lissabon die kleine Pension.
Die RAF hören wir, hätte geschossen.
Die Nacht warm vom Fado.

Alleinsein

Posted on | April 4, 2015 | No Comments

Alleinsein ist so wie ein Regen,
ich habe ausgedörrt gelegen,
unter den vielen Stimmen, jetzt zum Segen
bin ich allein mit mir.

Der Regen steigt von fernen Ozeanen,
wo sich die Wasser unterm Himmel ballen
und wird zu Wolken, die in schweren Regenfahnen
auf ausgedörrte, durst’ge Erde fallen.

Alleinsein ist so wie ein Regen
und ich erhebe mich, der ich gelegen,
so regennaß nun, und ich folg‘ den Wegen
mit schnellem Schritt zu dir.

320px-Regnbyge

 

 

 

 

 

Foto: Malene Thyssen, http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Malene

Der Krieg lauert in der nahen Hecke.

Posted on | März 24, 2015 | 1 Comment

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Seit der sogenannten Cubakrise war die Gefahr eines großen Krieges nicht mehr so nah wie heute. Ein Krieg aber muss, unter allen Umständen, verhindert werden. Es kommt darauf an, deutlich zu zeigen, dass Kriegsteilnahme oder seine Unterstützung für die Staaten Europas innenpolitische Instabilität und massenweise Ungehorsam bedeuten wird. Es kommt also darauf an, die Bürgerrechte zu verteidigen, die bei einem Krieg erlöschen werden, wie sie in der Ukraine und Russland, in unterschiedlichem Maße bereits erloschen sind. Dort, wo der Konflikt sich massiert, wo er heiß geworden ist, sind sie freilich fast gänzlich perdu. Die Toten der vergangenen Kriege warnen uns. Was kommen kann – es mag schrecklicher und schlimmer werden als das, was wir im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert und im beginnenden einundzwanzigsten im Europa, im Mittleren und Nahen Osten, in Afrika auch, erlebten.
Es ist deshalb ganz ohne Frage richtig, für den Frieden auf die Straße zu gehen. Es ist dabei unerheblich, wer ihn fordert. Nicht unerheblich ist, wer für ihn öffentlich dann spricht, nicht unerheblich sind die Spruchbänder und die Slogans auf den Pappschildern, nicht unerheblich sind die Fahnen. Mit Widerwillen muss für die einen die palästinensische Fahne hinzunehmen sein, für den anderen die israelische, Widerwillen mag es geben gegen die Fahne Russlands oder der USA. Inakzeptabel aber sind die Reichskriegsflagge, die Fahne Preußens oder auf dem Kopf stehende Bundesflagge. Nicht zu dulden  sind auch Plakate mit eindeutig rechten oder rechtsradikalen Slogans. Wer mit Parolen wie „Demokratie ist Volkstod“ daher kommt, darf nicht willkommen sein. Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg. Mit Nationalismus, Revanchismus, Chauvinismus und den Attitüden von abendländischer, gar christlicher Überlegenheit ist kein Frieden zu machen.
Für den Frieden zu sein, bedeutet, meiner Meinung nach, auch, sich nicht einer der Konfliktparteien zuzuordnen. Der Konflikt, der sich in der Ukraine kulminiert, der aber kein ukrainischer Konflikt ist, sondern einer von imperialen Zentren, erfordert Neutralität.
Die NATO auf der einen Seite, Russland, das seine Bedeutung und seinen Platz für die und in der Welt neu definieren will, auf der anderen Seite, fordern Solidarität ein, die ihnen nicht zukommt. Europa, d.h. die Europäische Union, hat sich dabei darauf festgelegt, der NATO, in erster Linie also den USA zu folgen. Das ist, meine ich, ein schwerer Fehler. Europa bedarf einer europäischen Außenpolitik. Diese muss nicht völkerrechtswidrige Akte dulden, aber realistisch erkennen, dass die russischen Aktionen in der Ukraine weder ein ukrainisches Problem sind, noch ohne Traditionslinien verlaufen. Die völkerrechtswidrigen Kriege gegen Afghanistan, insbesondere aber den Irak und Jugoslawien haben das Völkerrecht schwer beschädigt. Es kommt darauf an, zu heilen. Und so muss eine europäische Außenpolitik beim Status quo ansetzen. Die – auch erzwungenen – Grenzziehungen, die Lage, wie sie ist, muss eingefroren werden. Für die Ukraine bedeutet das, einen Cordon Sanitaire zu schaffen, der von gemischten und durchmischten europäischen Truppen bewacht wird, die ein robustes Mandat haben. Man wird dann zu neuen, ordentlichen Abstimmungen im Gebiet des sog. Neurussland kommen müssen, und das Ergebnis muss verbindlich sein. Zugleich wird man Russland Zugeständnisse beim sogenannten Raketenschild machen und die NATO-Osterweiterung einfrieren müssen. Die Krim ist verloren.
Einher gehen muss das mit einer stärkeren Ächtung rechtsradialer Parteien in Europa. Und einer strikten Beobachtung russischer Aktivitäten hinsichtlich der Unterstützung solcher Parteien. Auch muss Europa die russische Innenpolitik, die sich gegen die Freiheitsrechte richtet, ächten. Handelsrestriktionen helfen dabei allerdings nicht. Die russische Opposition wird nicht befördert, in dem man Einfuhr- und Ausfuhrbeschränkungen schafft, vielmehr stärkt man dadurch die nationalistischen Kräfte.
Die russische Regierung hat gezeigt, dass sie ihre Innenpolitik, insbesondere die Wende bei den Freiheitsrechten hin zu einem reaktionären Bündnis von orthodoxer Kirche und Saat dazu nutzen will, auch außenpolitisch zu wirken. Jene Kräfte, die den intellektuellen Überbau liefern, Dugin z.B., sind jene Kräfte, die für die Stärkung rechtsradikalen und ultra-nationaler Parteien in Europa plädieren. Ihnen muss man entgegentreten. Einreiseverbote wären ein Mittel dazu.
Allerdings muss man sehen, dass die russische Politik tut, was die Politik von EU-Mitgliedsstaaten und der USA auch tun: Sie versucht den Gegner zu zersetzen, in dem sie die Opposition stärkt. Putin setzt dabei auf antieuropäische Parteien von rechts. Das liegt vorrangig – aber nicht nur – an deren Stärke. Die USA und die involvierten EU-Staaten setzen auf Stiftungen und die Finanzierung auch zweifelhafter Gruppen. Die Konzepte gleichen sich. Auch das ist ein Grund für die strikte Neutralität.
Wer mit Russland sympathisiert, weil er dem Irrglauben anhängt, der Feind seines Feindes sei der seine oder der allgemeinen Phrasendrescherei glaubt, tut nichts anderes, als der, der auf die NATO, die gegenwärtige EU oder die USA setzt. Der Konflikt geht nicht um die Ukraine, nicht um das Völkerrecht und nicht um demokratische Rechte. Sowohl die Ukraine, wie auch das Recht werden verlieren, wenn es nicht gelingt, die Situation zu befrieden. Denn der Konflikt ist ein Konflikt um Ressourcen und Machtausdehnung. Das gilt für Russland, wie es für die USA gilt. Und dem ist dauerhaft nur beizukommen, wenn es einen weiteren eigenständigen, auf die eigenen Interessen ausgerichteten Akteur gibt: Europa.

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