Den Strasser machen: Meuthen und die Meute

Am Ende setzen sich die Nationalsozialisten innerhalb der Rechtsradikalen deshalb durch, weil sie noch skrupelloser, noch rassistischer, noch antisemitischer, noch brutaler sind, als der durchschnittliche deutschtümelnde Nationalist.

Und eines muss klar sein: Dass diese nunmehr fast vollends nationalsozialistische Partei soweit kommen konnte, ist auch den Fernsehtalkshows zu verdanken, die ihnen immer und immer wieder Senderaum eingeräumt haben und deren Redakteurinnen und Redakteure nicht ernsthaft geglaubt haben können, man gebiete den Rechtsradikalen damit Einhalt, dass man ihre Diskursverschiebungen sendet, ihre Grenzverschiebung über den Äther gehen lässt. Sie, diese Leute in den Redaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, haben die Brandmauern eingerissen und den Brand für ihre Quoten extra noch angefacht. Das darf man ihnen nicht vergessen.

Die Machtposition der rein rechtsradikalen, aber nicht nationalsoziali

Kulturmaschinen Verlag der Autoren

Kulturmaschinen gehen neuen Wege.

Gestern haben acht Autorinnen und Autoren in Wiesbaden den Kulturmaschinen Autorenverein gegründet, dessen Sitz Hamburg sein wird. Er wird als Gesellschafter die Verlags UG betreiben. Damit ist das Werk derer, die an der Gründung teilgenommen haben gesichert.

Die Vereinsmitglieder, späterhin vielleicht auch ein Beirat, wird nach Qualität der literarischen Arbeiten über die Aufnahme in den Verein entscheiden. Die Aufnahme wird Voraussetzung für die Veröffentlichung im Verlag Kulturmaschinen sein.

Damit ist auch die Qualität langfristig gesichert. In den nächsten Tagen und Wochen wird die dazu notwendige Infrastruktur (Website, Upload-Möglichkeiten, Flyer etc) errichtet werden.

Leander Sukov

Offener Brief an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

der Badischen Zeitung von heute entnehme ich, dass Sie umfangreiche Gesetzesvorhaben und Erlasse planen, die als Reaktion auf die Gruppenvergewaltigung vor einer Freiburger Diskothek gelten sollen. Die Badische Zeitung schreibt dazu: „Die [Vorhaben] haben es durchaus in sich, wie der Entwurf von Ende 2018 zeigt, der der Badischen Zeitung vorliegt. So will die Regierung prüfen, ob sie eine gesetzliche Grundlage für die Einführung nächtlicher Ausgangssperren in Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen kann.“

Ich will nicht abseits stehen, wenn Sie sich abmühen, für gerechte und notwendige präventive Kasernierung möglicherweise zukünftig auffällig werdender Bevölkerungsteile zu sorgen. Deshalb schlage ich Ihnen vor, weiße Männer, vorzugsweise über dreißig Jahre, mit einer nächtlichen Ausgangssperre zu belegen. Ich wohne zwar in Bayern, bin aber bereit, insofern Sie nach Einbruch der Dunkelheit im Hause blieben,

Wie die Nacht dem Sonnentag

Alma Deutscher hat gesagt, sie wolle „schöne Musik machen“. Das bezog sich natürlich nur auf den Klang, nicht auf den Inhalt, nicht auf die zu transportierende Nachricht. Ich will mir das zu Herzen nehmen. Dieser Tage erscheint nun endlich das Langgedicht Obszön. Das ist noch in der mir in den letzten zehn, fünfzehn Jahren passendsten Weise
geschrieben. Ungereimt, frei, kaum rhythmisch. Aber vielleicht sollte ich diesem Gedicht, mit dem ich zufrieden bin, ein weiteres, gereimtes Langgedicht folgen lassen.
Hier also ein Gedicht von der Art, die ich zuvor geschrieben habe. Ganz frisch und im ICE nach Hamburg entstanden. Der Versuch, eine Adressatin oder einen Adressaten zu finden wird übrigens scheitern. Es gibt keine Adressperson. Es sollte zuerst ein Gedicht über die Unmöglichkeit werden, die sanften Hügel Frankens vollständig in Worte zu fassen — hat dann aber ganz ohne mein Zutun gemorpht.

Das Kind des Rabbis auf dem Dachgarten

Zehn Meter vor mir
dort wo auf dem Dachgarten
die alte Mauer des Judenhofs
sich in den Efeu stiehlt
— ich sehs vom Bett
durch die geöffnete Tür —
brennt das Kind des Rabbis
still schreiend lautlos
vergehen Arme Rumpf und Beine
im schemenhaften Brand
den hier ein Ritter legte
ein halb‘ Jahrtausend her
ist’s immer grad
beim Glockenschlag gewesen
denn die Pogrome halten sich
durch die Zeiten an den Flammen
die

Deutschland und Europa. Die Wahl.

Die Wähler in der Bundesrepublik haben gewählt. Und auch, wenn zum Zeitpunkt, an dem ich diesen kurzen Beitrag schreibe, nur Prognosen vorliegen, ist doch absehbar, dass es die GRÜNEN sind, die in allen Altersgruppen als Sieger aus der Wahl gehen. Die CDU/CSU leidet unter ihrer Vorsitzenden, die es durch ihre latent homophoben Äußerungen und andere mehr geschafft hat, Teile des Porzellans zu zuerschlagen, welches Merkel angeschafft hat. Die SPD leidet unter allem. Kraftlosigkeit, mangelnder Sozialdemokratie, Nahles und dem dummen Zeug, das diese Partei jederzeit anzustellen bereit ist.

Schlecht auch das Ergebnis der LINKEN, die es nicht geschafft haben rechtzeitig in den Wahlkampf zu starten, ihn schwächelnd führten, ohne wirkliche konkrete Ziele. Und die noch immer unter der Auseinandersetzung mit Wagenknecht und Consorten leiden.  Das wird letztlich ebenso die GRÜNEN, wie die PARTEI gestärkt haben.

Die LINKE, die zugleich in Bremen gewonnen hat und in Baden

Assange darf nicht ausgeliefert werden

Das deutsche PEN-Zentrum fordert die britische Regierung auf, die Auslieferung von Julian Assange in die USA zu verhindern. Zugleich bittet der deutsche PEN die europäischen Institutionen, das Ihre zu tun, um eine Auslieferung Assanges in die USA wirksam zu unterbinden.

„Die Freiheit des Wortes, die Pressefreiheit und die Freiheit der Person müssen in der EU garantiert sein. Sonst verrät die EU ihre Grundlagen in zerstörerischer Weise“, so der Vizepräsident und Writers-in-Exile-Beauftragte des deutschen PEN, Leander Sukov. „Die EU muss handeln und Großbritannien muss sich als Staat mit europäischen Werten beweisen.“

Nach den heute vorliegenden Informationen haben die US-amerikanischen Justizbehörden die Anklage gegen Julian Assange nochmals verschärft und um 17 Punkte erweitert. Ihm drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft. Dabei behandeln die USA den Whistleblower nicht mehr als Jo

An Regentagen

An stillen Regentagen aber warte
ich am diamantbeweinten Fenster
dass durch die Pfützen eilig schreitend
energisch Schritt für Schritt
den Abstand hin zu mir verkürzend
ein neues mir ganz unbekanntes Werk
verborgen unterm Mantel
Mascha Kaleko zu mir eilt
ich warte so an Regentagen Fenster
auf das sogenannte Glück
doch dehnt die Zeit sich nicht zurück

Leander Sukov

Strache, oder wie in Deutschland die Pressefreiheit gefährdet wird

Mit einer gewissen Verwunderung nehme ich die Diskussionen zur Kenntnis, die in der Nachfolge des Videos mit Strache und Co. in Österreich und Deutschland geführt werden. Was ist geschehen und was muss die Öffentlichkeit nun vorrangig erfahren? Strache und Gudenus haben sich, als gewählte Repräsentanten österreichischer Staatsbürger in eindeutiger Weise dazu bekannt, mit Mitteln der Korruption u.a. die Pressefreiheit aushebeln zu wollen.
Wenn, wie es Telepolis (ein Online-Magazin des Heise-Verlages) oder der baden-württembergische Datenschützer Brink tun, nun von einzelnen Personen diskutiert wird, ob die Sache an sich erlaubt sei, ob man hätte das Video veröffentlichen dürfen oder ab man es hätte, wenn schon denn schon, früher veröffentlichen müssen, dann haben wir in Teilen der Presse und der Politik ein Problem, dass einen Kernbereich der Verfassung betrifft.
Was in Artikeln bei Telepolis (und anderen Magazinen) gefordert wird, und der Datenschützer s

Myanmar und der Irrtum

Myanmar ist ein gutes Beispiel für einen Irrtum. Den Irrtum, dass die Opposition zu einer Diktatur aus Demokraten bestehen muss, bei denen die Bezeichnung nicht nur Schimäre ist. Den Generälen, die freilich noch von großem Einfluss sind, folgten Regierungen nach, die sich auf Freiheit und Demokratie berufen haben und es noch tun. Die jetzige Regierung hat die beiden Journalisten Wa Lone und Kyaw Soe Oo zur 7 Jahren Haft verurteilt, weil sie über den Genozid an den Rohingya berichtet haben. Htin Kyaw war Präsident während der Zeit der ethnischen Säuberungen. Er ist Mitgründer der „Nationalen Liga für Demokratie“ von Aung San Suu Kyi. Die Demokratie, die der direkten Diktatur der Generäle nachfolgte ist im Wesentlichen eine Aussöhnung der Liga und ihrer Gründer mit dem Militär. Sie ist offenbar nicht eine Heilung, eine Hinwendung zu einer Demokratie, die den Namen verdient.

Die bürgerlichen Freiheiten, also jene Rechte, die sich die Citoyens erkämpft haben,

Leander Sukov: Soliadresse an FFF von W4F

Der Chefredakteur von Kultur-und-Politik.de sprach für den Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Würzburg zu den Teilnehmern der dortigen Fridays-For-Future-Demonstration. Es war ein Regentag, alle waren durchnässt; und am Ende der Demo dann leider auch die Blätter mit der Rede. Der Anfang ist darum improvisiert.

Guten Tag,
mein Name ist Leander Sukov. Ich bin Schriftsteller und der stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der Verband ist Teil der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland, wir sind die gewerkschaftliche Organisation der Schreibenden.
Und da ich auch Mitglied des deutschen PEN-Zentrums bin, darf ich Euch ganz sicher auch der Solidarität der engagierten Mitglieder des deutschen PEN versichern. Der PEN ist die renommierteste weltweite Schriftstellerorganisation, sie vertritt fast alle Länder dieser Erde, manchmal, wegen der Lage als