Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Der Krieg lauert in der nahen Hecke.

Posted on | März 24, 2015 | 1 Comment

477px-Castle_Romeo

Seit der sogenannten Cubakrise war die Gefahr eines großen Krieges nicht mehr so nah wie heute. Ein Krieg aber muss, unter allen Umständen, verhindert werden. Es kommt darauf an, deutlich zu zeigen, dass Kriegsteilnahme oder seine Unterstützung für die Staaten Europas innenpolitische Instabilität und massenweise Ungehorsam bedeuten wird. Es kommt also darauf an, die Bürgerrechte zu verteidigen, die bei einem Krieg erlöschen werden, wie sie in der Ukraine und Russland, in unterschiedlichem Maße bereits erloschen sind. Dort, wo der Konflikt sich massiert, wo er heiß geworden ist, sind sie freilich fast gänzlich perdu. Die Toten der vergangenen Kriege warnen uns. Was kommen kann – es mag schrecklicher und schlimmer werden als das, was wir im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert und im beginnenden einundzwanzigsten im Europa, im Mittleren und Nahen Osten, in Afrika auch, erlebten.
Es ist deshalb ganz ohne Frage richtig, für den Frieden auf die Straße zu gehen. Es ist dabei unerheblich, wer ihn fordert. Nicht unerheblich ist, wer für ihn öffentlich dann spricht, nicht unerheblich sind die Spruchbänder und die Slogans auf den Pappschildern, nicht unerheblich sind die Fahnen. Mit Widerwillen muss für die einen die palästinensische Fahne hinzunehmen sein, für den anderen die israelische, Widerwillen mag es geben gegen die Fahne Russlands oder der USA. Inakzeptabel aber sind die Reichskriegsflagge, die Fahne Preußens oder auf dem Kopf stehende Bundesflagge. Nicht zu dulden  sind auch Plakate mit eindeutig rechten oder rechtsradikalen Slogans. Wer mit Parolen wie „Demokratie ist Volkstod“ daher kommt, darf nicht willkommen sein. Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg. Mit Nationalismus, Revanchismus, Chauvinismus und den Attitüden von abendländischer, gar christlicher Überlegenheit ist kein Frieden zu machen.
Für den Frieden zu sein, bedeutet, meiner Meinung nach, auch, sich nicht einer der Konfliktparteien zuzuordnen. Der Konflikt, der sich in der Ukraine kulminiert, der aber kein ukrainischer Konflikt ist, sondern einer von imperialen Zentren, erfordert Neutralität.
Die NATO auf der einen Seite, Russland, das seine Bedeutung und seinen Platz für die und in der Welt neu definieren will, auf der anderen Seite, fordern Solidarität ein, die ihnen nicht zukommt. Europa, d.h. die Europäische Union, hat sich dabei darauf festgelegt, der NATO, in erster Linie also den USA zu folgen. Das ist, meine ich, ein schwerer Fehler. Europa bedarf einer europäischen Außenpolitik. Diese muss nicht völkerrechtswidrige Akte dulden, aber realistisch erkennen, dass die russischen Aktionen in der Ukraine weder ein ukrainisches Problem sind, noch ohne Traditionslinien verlaufen. Die völkerrechtswidrigen Kriege gegen Afghanistan, insbesondere aber den Irak und Jugoslawien haben das Völkerrecht schwer beschädigt. Es kommt darauf an, zu heilen. Und so muss eine europäische Außenpolitik beim Status quo ansetzen. Die – auch erzwungenen – Grenzziehungen, die Lage, wie sie ist, muss eingefroren werden. Für die Ukraine bedeutet das, einen Cordon Sanitaire zu schaffen, der von gemischten und durchmischten europäischen Truppen bewacht wird, die ein robustes Mandat haben. Man wird dann zu neuen, ordentlichen Abstimmungen im Gebiet des sog. Neurussland kommen müssen, und das Ergebnis muss verbindlich sein. Zugleich wird man Russland Zugeständnisse beim sogenannten Raketenschild machen und die NATO-Osterweiterung einfrieren müssen. Die Krim ist verloren.
Einher gehen muss das mit einer stärkeren Ächtung rechtsradialer Parteien in Europa. Und einer strikten Beobachtung russischer Aktivitäten hinsichtlich der Unterstützung solcher Parteien. Auch muss Europa die russische Innenpolitik, die sich gegen die Freiheitsrechte richtet, ächten. Handelsrestriktionen helfen dabei allerdings nicht. Die russische Opposition wird nicht befördert, in dem man Einfuhr- und Ausfuhrbeschränkungen schafft, vielmehr stärkt man dadurch die nationalistischen Kräfte.
Die russische Regierung hat gezeigt, dass sie ihre Innenpolitik, insbesondere die Wende bei den Freiheitsrechten hin zu einem reaktionären Bündnis von orthodoxer Kirche und Saat dazu nutzen will, auch außenpolitisch zu wirken. Jene Kräfte, die den intellektuellen Überbau liefern, Dugin z.B., sind jene Kräfte, die für die Stärkung rechtsradikalen und ultra-nationaler Parteien in Europa plädieren. Ihnen muss man entgegentreten. Einreiseverbote wären ein Mittel dazu.
Allerdings muss man sehen, dass die russische Politik tut, was die Politik von EU-Mitgliedsstaaten und der USA auch tun: Sie versucht den Gegner zu zersetzen, in dem sie die Opposition stärkt. Putin setzt dabei auf antieuropäische Parteien von rechts. Das liegt vorrangig – aber nicht nur – an deren Stärke. Die USA und die involvierten EU-Staaten setzen auf Stiftungen und die Finanzierung auch zweifelhafter Gruppen. Die Konzepte gleichen sich. Auch das ist ein Grund für die strikte Neutralität.
Wer mit Russland sympathisiert, weil er dem Irrglauben anhängt, der Feind seines Feindes sei der seine oder der allgemeinen Phrasendrescherei glaubt, tut nichts anderes, als der, der auf die NATO, die gegenwärtige EU oder die USA setzt. Der Konflikt geht nicht um die Ukraine, nicht um das Völkerrecht und nicht um demokratische Rechte. Sowohl die Ukraine, wie auch das Recht werden verlieren, wenn es nicht gelingt, die Situation zu befrieden. Denn der Konflikt ist ein Konflikt um Ressourcen und Machtausdehnung. Das gilt für Russland, wie es für die USA gilt. Und dem ist dauerhaft nur beizukommen, wenn es einen weiteren eigenständigen, auf die eigenen Interessen ausgerichteten Akteur gibt: Europa.

Für David Oistrach

Posted on | März 20, 2015 | No Comments

Komm wieder und spiel
die Töne so zart
filigrane Wirbel in der Luft
das Präludium so leis
es legt sich auf die Haut
wie der leise Atem deiner Liebe
in der Nacht.
Komm wieder und spiel
die Töne so kühl wie Eis
kalter Sturm über verschneiten Feldern
das Allegro kraftvoll tiergleich
die Töne wie der Atem von Pferden
in schnellem Galopp.
Komm, David, zurück
und spiel spiel.

Das Tischtuch zerschneiden

Posted on | März 18, 2015 | 1 Comment

480px-Friedenstaube_weiss_blau_kreis.svgRainer Braun (Kooperation für den Frieden) hat heute der junge Welt​ ein Interview von ausgesuchter Laxheit gegeben.
Auf die Frage, ob „Redner wie Jebsen geeignet (sind), der in seiner Israelkritik ‚Parallelen zum Hitlerstaat und zum ‚Islamischen Staat‘ zieht und in seinem Blog von den ‚Irren mit dem Davidstern‘ schreibt“ (gemeint sind Veranstaltungen der Friedensbewegung), antwortet Braun unter anderen, man solle Jebsen so wenig verdammen, wie Monty Schädel​. Er, Braun, plädiere dafür „dass die Herren“ mal miteinander reden sollten. Zuvor hatte Jebsen die linke Presse, unter anderem die TAZ, Jutta Ditfurth und Monty Schädel* als Feinde der „Friedensbewegung“ ausgemacht, gemeint waren die Montagsdemos. Sein Auftritt auf der Jubiläumsveranstaltung der Berliner Mahnwachen ist dokumentiert. Die jW hat dankenswerter Weise heute ebenfalls die wesentlichen Passagen abgedruckt.

Darauf angesprochen antwortet Braun lapidar „Das Wort ‚Feind der Friedensbewegung‘ würde ich nicht benutzen“, als wäre der Angriff Jebsens eine Bagatelle, die man mit einer hübscheren Wortwahl ausbügeln könnte.
Braun gehört zu jenen, die trotz aller Warnungen den Schulterschluss der Mahnwachen mit der traditionellen Friedensbewegung betreiben. Er erhofft sich eine Verstärkung im Kampf um den Friedenshalt. Und natürlich ist der Kampf gegen die Krieg von hohen Nöten. Es besteht reale Kriegsgefahr.

Kräfte, die zum Teil durch den russischen Nationalisten Dugin, der die Errichtung eines russischen Großreiches unter Einbeziehung Österreichs, der baltischen Staaten und Polens propagiert, beeinflusst werden, sind jedoch mit Sicherheit nicht die richtigen Potenziale, um eine Bewegung gegen diese Bedrohung aufzubauen.
Nein, jene Kräfte, die sich einseitig auf die russische Seite stellen sind nicht probate Bündnispartner. Auch darf man nicht vergessen, das über Dugin in ganz offener Weise Verbindungen zu europäischen Rechtsradikalen hergestellt werden. Diese, auf ganz unterschiedliche Art stattfindenden Verbandelungen, sind sowohl bei „Endgame“ (Engagierte Demonkraten gegen die Amerikanisierung Europas), einer rechten Volksauflaufsorganisation zu spüren, wie auch bei Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands) (dito) und anderen. Diese völkischen Marschierer finden sich zum Teil dann auch in den Mahnwachen wieder, respektive waren vorher schon dort und sind jetzt auch bei Endgame oder Pegida.
Was augenblicklicher Stand bei den Mahnwachen also ist, steht auf den Fundamenten der Querfront aus dem vergangenen Jahr. Nichts hat sich gemindert, verstärkt wurde jedoch was da war.
Der Friedenswinter, der zum Friedenssommer werden soll, greift einerseits auf diese Kräfte zurück und rekrutiert sich andererseits aus der traditionellen Friedensbewegung. Damit aber wird eine positiv auf einen der derzeitigen Aggressoren, auf Russland nämlich, fixierte und in ihrem Aktionsmittelpunkt völkische Bewegung geschaffen. Es wird reflexhaft gehandelt, überlegungslos und nicht in die Zukunft gerichtet. Die von großen Teilen beschworene Aufhebung von Rechts und Links ist, bei Lichte besehen, die Aufhebung von Links ebenso, wie die Aufhebung der demokratischen Mitte.
Dem muss man aus der Linken, wie aus den Reihen der demokratischen Mitte entgegentreten, die Angelegenheit darf nicht befördert werden. Die Abgrenzung nach rechts, die auch eine Abgrenzung von Dugin sein muss, aber scheint nicht erwünscht zu sein in den Reihen derer, die den Friedenssommer planen. Anders ist nicht zu verstehen, das Braun auf die Einlassung der jW Monty Schädel würde erwarten, dass man sich nun entschiede, erwidert: „Ken Jebsen hat sich etwas demagogisch über Monty Schädel geäußert.“ Und relativiert in der Folge den klaren Angriff Jebsens gegen den politischen Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner.
Damit ist klar: Die Mahnwachenbewegung, zumindest aber ihre bekannteste Stimme darf Ditfurth, Schädel und die linke Presse (zu der selbstverständlich nicht nur die TAZ, sondern auch die jW, das ND, im Randbereich die SZ und andere gehören) zu Friedensfeinden erklären, ohne dass gewichtige Teile der traditionellen Friedensbewegung aufbegehren. Man nimmt hin, man wiegelt ab, man findet es bedauerlich, man sagt: Na ja.
Der notwendige Schnitt durch das Tischtuch muss deshalb nicht nur dort erfolgen, wo sich die Mahnwachen befinden, er muss auch dort geführt werden, wo die sitzen, welche trotz allem die gemeinsame Front mit jenen wollen, die sich von „links“ schon lange abgewandt haben.

*Monty Schädel ist Politischer Geschäftsführer der DFG-VK. http://www.dfg-vk.de/willkommen/

Tanze

Posted on | März 18, 2015 | No Comments

Tanze.
Die unsichtbare Grenze
entlang deines Herzens.
Tanze.
Die grauen Erinnerungen
Stein auf Stein.
Tanze.
Tanze.
Wie im Traum.
Wie als Kind.
Weißt du noch
der Staub in den Sonnenstrahlen.
Tanze.
Tanze.
Siehst du wie die Grenze weicht?
Hörst Du die Mauer fallen?
Tanze.
Tanze.
Morgen wieder Grenze, Mauer.
Heute Rausch.

Schöner Wald. Blick auf Rehe

Posted on | März 11, 2015 | No Comments

Kopf_eines_Rehs_(Capreolus_capreolus)

Es ist nicht schwer von der Schönheit der Wälder zu schreiben
wenn auch die Tinte sauer ist vom fauligen Geruch der Leichen
und es ist nicht schwer über die Menschen zu schreiben deren Körper
verwesend in den Städten liegen im Dombasz und in Syriens im Irak und
in den urwaldumstandenen Städten Nigerias.
Wenn man im Wald die Rehe sieht und seinen Blick nicht wenden kann
von der Anmut der Tiere ist es nicht schwer über das Wild zu schreiben
gebrochen lidschlaglos starrend entfernt zweifelnd ängstlich in alle Ewigkeit
sind die Augen der Rehe in der Strecke.

Geruch nach Erde

Posted on | März 3, 2015 | 1 Comment

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Sie roch nach Erde, nach Kräutern, nach Regen.
Ihre Augen so wütend, so traurig, so froh.
Wir haben oft beieinandergelegen;
und waren wir zärtlich, dann waren wir roh.

Wir haben Transparente geschrieben,
im Büro vom Jugendverband,
und sind über Nacht dort geblieben,
bis uns am Morgen der Hausmeister fand.

Wir rauchten Joints und tranken Retsina,
wir kochten uns Reis mit Joghurt und Lamm.
Und sprachen über Chile und Palästina
und lasen Neruda und Heinrich Mann.

In der Zeitung seh ich manchmal ihr Bild.
Die Augen so träg‘ nun, so matt und so mild

Liebes Gedicht

Posted on | Februar 27, 2015 | No Comments

Liebes Gedicht

Ringelstern, oh Ringelstern
ach im sanften Morgennatz
wie leuchtet uns dein Licht von fern.
Ringelmorgen dunkel noch,
Natzstern dort am Himmelhoch.
Ringel Schöne Du am Morgen
natzig Dich in meinen Arm
sternig warm und fern der Sorgen.

Vergessliches Land

Posted on | Februar 26, 2015 | No Comments

320px-Parthenon_AthenDass ein Land, dem nach all den Zerstörungen und Morden, nach Angriffskrieg und Völkermord, nach all den Scheußlichkeiten, die es begangen hat, und dem die monetären Schulden, in einer Konferenz in London erlassen worden sind, sich gegen den Schuldenerlass zugunsten eines jener Länder sträubt, die es auf grausame Weise besetzt und die es in räuberischer Art und Weise ausgeplündert und beraubt hat, wehrt, ist ein moralisches Verbrechen, ein ethisches Gräuel und eine außenpolitische Tat, die dem störrischen Land schwer auf die Füße fallen kann.
Der ignoranten Nation, der man 1953 die Schulden aus der Zeit seit 1933 gegen eine Zahlung von 13 Milliarden erließ, waren 1931 bereits die Schulden aus dem ersten Weltkrieg in Höhe von 110 Milliarden Dollar erlassen worden. Die Restschulden wurden durch den Zwei-Plus-Vier-Vertrag von 1990 hinfällig.
Dieses Land hatte Griechenland 1943 eine Zwangsanleihe von 476 Millionen Reichsmark abgepresst. Nach heutigen Werten ergibt sich daraus eine Schuld von — je nach Bewertungsart — bis zu 40 Milliarden Euro. Zurückgezahlt wurde die abgenötigte Staatsanleihe nie.
Das Land mit dem schlechten Gedächtnis heißt Deutschland.

Die Brückenbauer

Posted on | Februar 24, 2015 | No Comments

In den vergangenen zwei Tagen hat es, nicht nur im virtuellen Raum, erhebliche Diskussionen um die Gruppe „Bandbreite“ und ihren Rapper „Wojna“ gegeben. Ich habe dazu beigetragen.
Worum geht es mir dabei? Nicht darum, Auftritte zu verhindern. Ich bin im Grundsatz dagegen, dass Künstlern Auftritte verleidet werden. Im Grundsatz bedeutet aber eben nicht, dass es keine Ausnahmen, keine Regeln gar, gibt.
Denn ich bin dagegen, dass homophobe Reggae-Musiker, besonders solche, die in Jamaica zum Mord an Homosexuellen aufrufen, auftreten können, hier, in Deutschland. Ich bin dabei, wenn man das auch in Österreich, Polen oder Italien verhindern will. Denn es muss Grenzen geben. Das wäre eine. Die anderen betreffen Fascho-Rock, nationalsozialistische Liedermacher, Rassisten und so weiter. Aber die Bandbreite … ? Gehört die in diesen Apothekerschrank mit den vielen, notwendigen Schubladen?
Nein. Aber vielleicht schon ins Schränkchen daneben, in dem die wohnen, bei denen ich überhaupt nichts dagegen habe, dass sie eine Öffentlichkeit bekommen. Ich würde Wojnas Recht auf Rap ebenso verteidigen, wie das Recht Dieter Nuhrs eine absonderliche Art von Satire zu betreiben. Gleichwohl darf ich dagegen sein, gegen die Funktionen, gegen die Texte, gegen die Zielgruppe, gegen das Aufstoßen von Türen.
Nein, ich habe nichts dagegen, dass die BANDBREITE auf der Sonderveranstaltung „G7 mach Frieden“ in Lübeck spielen wird. Mich stört, dass man sie nicht allein lässt. Mich stört nicht die Gruppe, sondern dass da welche mit ihr auftreten, die eben gar nichts inhaltlich mit ihr zu tun haben. Mich kommt das an, als würden die Ärzte ein Konzert mit den Böhsen Onkelz geben oder Billy Bragg mit Ted Nugent.
Natürlich ist die BANDBREITE keine originär rechtsradikale Band. Sie ist aber eine Gruppe, die jene Brückenschläge nach rechts möglich macht, welche zu wünschen ein gefährlicher Wunsch ist. Wenn Wojna gleich nach einem Redner spricht, der auf der Endgame-Veranstaltung in Halle mehrfach das Bestehen von Rassen bei Menschen propagiert, wenn dann einer nach Wojna spricht, der Horst Mahler für einen politischen Gefangenen hält, und der den bekennenden Antisemiten mit chinesischen Dissidenten gleichsetzt, wenn die rechtsradikale Herkunft vieler Ordner klar zu erkennen ist, dann wird die Funktion der BANDBREITE völlig klar. Und die Funktion ist, Unterschiede zu verwischen, Rassisten hoffähig zu machen und die neuen Nazis aus ihrer gesellschaftlichen Isolation zu befreien. Das Thema, der Frieden, dient nur als Vehikel dafür, dieses Ziel zu erreichen.
Wer sich also in Lübeck und anderswo mit der BANDBREITE auf die Bühne stellt, kann tun was er will, solange er dort nicht das Tischtuch zerschneidet und damit vielleicht – zu wünschen wäre es – das Publikum spaltet, er unterstützt die Öffnung nach Rechtsaußen. Das kann niemand wollen.
Und nachdem das Video- und Bildmaterial aus Halle nun zugänglich ist, kann auch niemand mehr eine gewisse Naivität Wojnas als Entschuldigung für die immer, immer wieder fortgesetzten Auftritte bei rechten Veranstaltungen anführen.
Auftreten können sie wo sie wollen. Aber wer sie auftreten lässt, wer mit ihnen auftritt, der steht in Gefahr zu befördern, was er – möglicherweise – nicht befördern will: Den völkischen, den rechten Schulterschluss.

 Youtube Video Endgame Halle Teil 1

Youtube Video Endgame Halle Teil 2

Abendspaziergang in Leipzig

Posted on | Februar 24, 2015 | No Comments

Wenn er neben den anderen
durch Leipzig geht
dann trägt er im Geiste
eine weiße Uniform
und schlägt die Welschen.
Er sieht sich als polnischen Reiter
mir weißen Flügeln
und alle Türken fliehen.
Zu Haus die Drucke.
Caspar David Friedrich.
Andreas Hofer in Öl.
Hat er sich mitgebracht aus Tirol.
Seinen Goethe kennt er.
Seinen Arndt auch.
Eisen muss wieder wachsen.
Zurück zum alten Fritz,
zu Bismarck. Wie es wohl war.
Auf den Düppelnern Schanzen?
Vor Stalingrad.
Natürlich war der Krieg falsch.
Das muss man sagen.
Agnes Miegel hat Oma ihm vorgelesen.
Dass er sich jetzt daran erinnert.
Lügenpresse, Lügenpresse ruft es.
Und er fällt ein. Brüllt mit.
Der Gott, der Eisen wachsen ließ …
Historisch ist das hier.
Man muss aufpassen, ob Schüler unter den
Gegendemonstranten sind.
Er will keine Diskussionen in der Schule.
Hier auf seiner Seite hätte er sie gern.
Die Schüler.
Da könnte er sich fühlen wie sich
Turnvater Jahn gefühlt haben mag.
Auch wenn er Deutsch und Sozialkunde
unterrichtet.
Das Abendland. Die Türken vor Wien.
Die Welschen geschlagen vor Leipzig.
Sein Deutschland.
Die Wälder, das Mittelgebirge.
Schweinshaxe, Leipziger Flecken,
die vielen Brotsorten.
Da ist er stolz auf sein Land.
Und beinahe ruft es aus ihm
DAS DEUTSCHE REICH ES LEBE HOCH
Aber er mäßigt sich.
Noch ist es nicht so weit.
In Gedanken singt er einen Marsch.
Es zittern die morschen …

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