Die Zeiten

Mir geht es nicht anders, als es mir immer schon ging. Ja, natürlich. Die Verschleißerscheinungen des Körpers sind nicht zu leugnen. Ich bin kein niedlicher Junge von dreizehn, sechzehn, achtzehn, zwanzig mehr. Ich habe einen Bauch bekommen und das Haar verloren. Der Bechterew hat mich ein wenig steif im Kreuz gemacht und gebogen. Aber er ist auch der Einzige, der mich je gebogen hat, ohne dass ich gebogen werden wollte, der mich gegen meinen Willen gebeugt hat. Das also konzediert, bin ich der, der ich mit dreizehn, sechzehn, achtzehn, zwanzig war.

Ein mangelndes Begreifen des zeitlichen Abstandes, ein nur intellektuelles Begreifen dieses Abstandes gebe ich gern zu. Natürlich weiß ich, dass die Wagnisse, die ich, gerade dazu in den Stand gesetzt bei manchen, erlebt habe, nun schon fast fünfzig Jahre zurückliegen mögen. War die große Demo in Brokdorf nicht doch letzte Woche. Als ich im Käfer von Uwe mitfuhr. Kalt war es. Geregnet hat es. Die Polizei hat mich verdros

Die Nationalstaaten gefährden die Zukunft

Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, ob es gelingt, die Klimakatastrophe und die aus ihr ersprießenden Probleme zu lösen. Und die Lösung kann nicht über Vereinbarungen der 206 Staaten, Territorien und Sondergebiete erreicht werden, die zur Zeit in der UNO (196) versammelt sind oder sich als Staat begreifen. Zu vielfältig sind nicht nur die Interessenlagen, zu vielfältig sind auch die bestehenden innen- und außenpolitischen Verflechtungen, Probleme, Vorbehalte usw. Die Nöte der Menschen in afrikanischen Ländern entspringen auch, meistens vornehmlich, aus den Profitinteressen europäischer, asiatischer oder us-amerikanischer Konzerne, aus den Notwendigkeiten der inneren Versorgungsversprechen der Industrienationen, aus dem berechtigten Interessen der dort lebenden Menschen. Wie soll, beschränkt auf die Entscheidungen der Industriestaaten, die ja jeder für sich selbst entscheidet, wie er dann im Konzert der Gemeinschaft dieser Staaten mitspielt, eine Lösung gefunden

Geld in die Flammen werfen

Wer schon einmal durch Randgebiete von Paris, Marseille oder anderen französischen Großstädten gefahren ist, weiß, wo dringend die Milliarde investiert werden müsste, die nun, mirnichtsdirnichts und hastdunichtgesehen, wie im Märchen, zur Verfügung steht, um die Notre Dame zu rekonstruieren.

Die Mittelverschwendung aus dem Gesamtvermögen des französischen Staatsvolks ist völlig falsch. So geht es nicht. Ich bin, das dürfte bekannt sein, der Meinung, dass der Brand, auch wegen der Strukturbeschädigungen, eine Katastrophe von globaler Wirkmächtigkeit ist. Ich bin aber keinesfalls der Meinung, dass man in einem Staat, an dessen Spitze eine neoliberale Regierung steht, der es nicht gelingen kann, die Armut zu beseitigen, oder wenigstens weniger schlimm zu machen, denn diese Regierung will das genau nicht, … dass also in einem solchen Staat Milliarden in die Rekonstruktion eines Bauwerkes fließen, das in den Besitzstand der römisch-katholischen Kirche gehört

Der VS fordert die Bildung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses

Die Freiheit verteidigen

Der Vorstand des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller begrüßt die Erfüllung seiner Forderung vom 5. April 2019, das Ermittlungsverfahren gegen das »Zentrum für politische Schönheit« wegen »Gründung einer kriminellen Vereinigung« einzustellen.

»Die Anwendung des Paragraphen 129 auf eine Künstlergruppe ist unerhört«, so die Vorsitzende des VS, Lena Falkenhagen. Ausschließlich politische Gründe könnten erklären, wie es zu dieser Ermittlung kommen konnte. Die Berichte in der Presse (u.a. DIE ZEIT) der letzten Tage zeichnen ein Bild stiller Duldung des Rechtsrucks in Ermittlungsbehörden und Justiz. Anders ist nicht zu erklären, wie

Christoph Hein wird 75

Der Pfarrerssohn Christoph Hein wurde am 8. April 1944 im schlesischen Jasienica (Heinzendorf) geboren und wuchs nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im sächsischen Bad Düben bei Leipzig auf. Da seine bürgerliche Herkunft eine akademische Ausbildung in der DDR zunächst verhinderte, ging er in den 1960er-Jahren zahlreichen wechselnden Tätigkeiten nach und arbeitete u.a. als Montagearbeiter, Kellner, Buchhändler, Journalist, Schauspieler und Regieassistent.
1964 legte er sein Abitur an der Abendschule ab. Er studierte zwischen 1967 und 1971 Philosophie und Logik an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Leipzig. Danach wurde er Dramaturg und Autor an der Volksbühne Berlin, seit 1979 arbeitet er als freier Schriftsteller.
Bekannt geworden ist Christoph Hein durch seine Novelle »Der fremde Freund«, die 1982 in der DDR veröffentlicht wurde und in Westdeutschland 1983 aufgrund des Titelschutzes als »Drachenblut« erschien. Das Thema des Sich-zu

Offener Brief des PEN an den bayrischen Innenminister

Dokumentiert

Offener Brief an Bayerischen Innenminister Herrmann und Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Sommer

Sehr geehrter Innenminister Herrmann,
sehr geehrter Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Sommer,

als Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN-Zentrums bin ich entsetzt über die Abschiebung des vietnamesischen Schriftstellers und Menschenrechtsaktivisten Nguyen Quang Hong Nhan und seiner Frau aus Nürnberg.

Obwohl Nguyen Quang Hong Nhan 1979 wegen „

Kunstaktion und Bandenbildung

Die Antwort auf eine Anfrage der DIE LINKE Thüringen zeigt, dass die Thüringer Staats-anwaltschaft seit
1 1/2 Jahren mit dem Verdacht auf »Bildung einer kriminellen Vereinigung« nach §129 Strafgesetzbuch gegen die Künstler des Zentrums für politische Schönheit ermittelt.

Die Ermittlungen können schwerwiegende Folgen für sie haben, zum Beispiel durch die Streichung öffentlicher Mittel (unabhängig davon, ob sie verurteilt werden oder nicht).

Laut netzpolitik.org sind keine anderen Fälle bekannt, in denen der Staat in den letzten Jahren gegen Künstlerinnen oder Künstler mit dem § 129 vorgegangen ist.

Aufgenommen wurden die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft in Thüringen – nach vorliegenden Meldungen – wenige Tage nach Beginn der Kunstaktion in unmittelbarer Nähe zum Haus von Björn Höcke. Der rbb schreibt dazu in einer Meldung: »Das Verfahren wurde demnach am 29. November 2017 eingeleitet. Wenige Tage vorher hatte das Kollektiv

Nguyen Quang Hong Nhan muss wieder zurück nach Deutschland

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat entschieden, dass der regimekritische Autor Nguyen Quang Hong Nhan und seine Frau nach Vietnam abgeschoben werden. Nguyen Quang Hong Nhan hat bereits jahrelang in vietnamesischer Haft gesessen. Die Ausweisung ist eine Ausweisung in Verfolgung und Bedrohung. Bereits nach der Landung in Vietnam wurde der Autor über Stunden verhört und nur vorläufig auf freien Fuß gesetzt.

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller fordert das Bundesinnenministerium auf, alles dafür zu tun, dass Nguyen Quang Hong Nhan sofort nach Deutschland zurückgeholt wird.

Der VS unterstützt dabei ausdrücklich die schon laufenden Bemühungen des Deutschen PEN-Zentrums zugunsten des vietnamesischen Schriftstellers und seiner Frau.

Leander Sukov

Writers for Future

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) ruft zu Solidarität mit den weltweit streikenden und demonstrierenden Schülerinnen und Schüler für eine lebenswerte Zukunft auf.

»Wir bitten Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, wir bitten alle Menschen: Unterstützen Sie den Protest der Schülerinnen und Schüler, die in mehr als 110 Ländern mit ihren Mitteln für unser aller Zukunft demonstrieren!«, so Lena Falkenhagen, die Vorsitzende des VS.

Die Schülerinnen und Schüler fordern, dass die Menschheit endlich radikal gegen den selbst verursachten Klimawandel vorgeht, denn die Erderwärmung, die Verseuchung von Flüssen und Meeren, die Überschwemmung der Ozeane mit Plastikteilen, die Vernichtung von Insekten, die Zerstörung der Regenwälder bedroht nicht nur das Leben der Menschen, sondern die Gesamtheit von Flora und Fauna des Planeten.

»Es liegt in der Verantwortung aller Menschen, di

Den Weg wechseln oder untergehen

Der Kampf gegen die Klimakastrophe ist ein Kampf, wie es ihn noch niemals in der Menschheitsgeschichte gegeben hat. Er ist ein Kampf in Panik. In jener Panik, die Greta Thunberg sie will: Nicht die unüberlegte Panik, sondern die, die einen nach vorne treibt und alles andere als untergeordnet, nachrangig erkennt.

Der Kampf gegen die Klimakastrophe ist ein andere Kampf, als der gegen eine Diktatur, für eine andere Gesellschaftsordnung, gegen einen Aggressor, gegen Rassismus oder Faschismus. Es ist DER KAMPF. Der Kampf um alles. Es ist, Alles in allem, Armageddon. Es ist der Kampf um das Überleben der menschlichen Spezies. Und die Menschen, jedes für sich, sind zugleich Opfer und Täter. Man kann aus der Täterschaft nicht gültig austreten. Zusehr ist die Lebensführung, egal ob in Berlin oder Accra, egal ob in einem Dorf in Asien oder einem Village in Irland, mit der Erzeugung der Katastrophe verbunden. Enden können den Untergang nur alle Menschen, als menschliches, globa

Impressionen von der Leipziger Buchmesse

Bücher sind mehr als Handelsware, sie tragen die Gedanken, die Diskussionen, die Weltsichten und die Phantasie von Autorinnen und Autoren, von Gruppen, ja, der Bewohner eines Kulturgebietes. Sie zeigen das Morphen der Gesellschaft, sie zeigen den Hass und die Liebe, die Ressentiments und die Solidarität. Sie sind ein dauerhaftes Verzeichnis von Befindlichkeiten und Tendenzen. Sie sind wichtig. Es ist die Aufgabe des Staates sie zu befördern, zu bewahren, sie in Bibliotheken zu bewahren und zugleich zugänglich zu machen.

Zugleich aber sind sie natürlich auch Handelsware. Ihr Weg an die Leserschaft verläuft aus dem Rechner der Autorin oder des Autors über den Verlag und seine Auslieferung und die wichtigen Großhändler in den Buchhandel. Und dieser Weg ist durch die Insolvenz von KNV, einem der drei marktführenden Grossisten gefährdet. Aber Verlage, Auslieferungen, ja selbst die Konkurrenten wissen: Ohne Solidarität geht es nicht in der Kultur, der Kunst, der Literat