Leander Sukov

Literapoltur

Ein Lehrstück über den Imperialismus

Posted on | Januar 26, 2012 | No Comments

Im Jahre 2005 erschoss ein Trupp US-amerikanischer Soldaten in Afghanistan Einwohner eines Dorfes: Kinder, Frauen, Männer, einen alten Mann im Rollstuhl. Nun erging das Urteil gegen den Truppführer: 80 Tage Haft und Degradierung – bei vollen Bezügen – zum Gefreiten.
Es ist die perfide, menschenverachtende amerikanische Aussenpolitik, die hier in ihrer ganzen Gewalttätigkeit die Akzeptanz der Gerichte findet. Das Urteil hat einen klaren Informationscharakter. Die Information ist für Syrien, den Iran und andere Staaten bestimmt, die von der Besetzung durch amerikanische Truppen bedroht sind. Die Information heißt: Wir werden töten, wir werden Terror gegen die Zivilbevölkerung anwenden und wir finden, das ist unser Recht. Da wird aus einer Mördergrube kein Herz gemacht. Imperialismus ganz unverlogen.

Zu Syrien

Posted on | Januar 5, 2012 | No Comments

syrischeflaggeDie Forderung von Teilen der syrischen Opposition, insbesondere von solchen Teilen, die sich im westlichen Ausland befinden, nach einer Intervention der NATO wird lauter. Gefordert wird das libysche Modell, also die Einrichtung einer Flugverbotszone.

Es muss die Aufgabe von China und Russland sein, zu verhindern, entsprechende Resolutionen im Sicherheitsrat der UNO zu fassen – zur Not auch mit der Drohung der militärischen Gegenintervention.

Dabei darf es nicht um die Rettung Assads gehen. Ziel muss vielmehr sein, in enger Abstimmung mit der Arabischen Liga eine nicht militärische Lösung zu finden und zugleich jeden Versuch zu konterkarieren, eine weitere us-amerikanische Enklave im Nahen Osten zu bilden.

Das Vorgehen der USA und sicherlich von Teilen der EU ist in Syrien identisch mit dem in Libyen: Man bewaffnet aggressive Teile der Opposition und setzt darauf, dass die regierende Regime Gewalt anwenden, die dann wiederum der eigenen militärischen Gewaltanwendung als Vorwand dienen. In Libyen stieß dieses Vorgehen auf eine offenbar breite Zustimmung bei jenen Stämmen, auf deren Gebieten sich die libyschen Ölvorräte nicht befanden. Es ging dort also regelkonform darum, solche Kräfte an die Macht zu bringen, die den Zugriff der multinationalen Konzerne auf das libysche Öl ermöglichen werden.

In Syrien scheint es darum zu gehen, den Iran zu isolieren und so eine Umgewichtung der gesamten Region zu erreichen.

Man kann dieser mörderischen Politik aber nicht mit einem kruden Antiimperialismus begegnen. Weder Gaddafi noch Assad waren, resp. sind Teil einer möglichen Lösung. Das Fehlen einer regierenden Volksmacht, also einer wirklichen Demokratie, ist vielmehr Teil des Problems. Nicht nur wird so ein politischer Argumentationsstrang für die monopolistischen Massenmedien im Westen geliefert; es wird auch verhindert, dass sich ein Widerstand gegen die Interventionen auf andere bewaffnete Kräfte, als die jeweiligen loyalen Armeeteile aufbauen kann: Eine Volksbewaffnung ist schlechterdings nicht möglich, weil die mit Despotien immer einhergehende Cliquenbildung es unmöglich macht, zu wissen, wenn man da eigentlich bewaffnen würde. Der Coup d’Etat lauert überall – er ist in Regime, die sich selbst legitimieren sozusagen eingebaut.

Gleichwohl: Die Kröte Assad muss im Zweifel geschluckt werden, weil jede andere Kröte giftiger wäre. Ziel einer Interventionsabwehr aber muss dann bleiben, zu einer Umstrukturierung des Staates zu kommen, die ihn weder in die Arme der westlichen Imperien treibt, noch in die Arme fanatischer Fundamentalisten.

Wenn Syrien fällt, fällt auch der Iran über kurz oder lang. Ein Punkt, an dem ein weitreichender und weitflächiger militärischer Konflikt zwischen der NATO, Russland und China wahrscheinlich wäre.

Laupmann erzählt (III)

Posted on | Januar 3, 2012 | No Comments

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"Machen wir uns nichts vor", sagte Laupmann und begann sofort damit. Er schob, der Dramatik halber, sein Tablett mit beiden Händen hin und her und hielt seinen Blick, Interesse heuchelnd, auf die Kohlroulade gesenkt, die in einer hässlichen, durchscheinend grauen Soße schwamm. Vielleicht blickte er auch auf die industriell geschälten Kartoffeln oder den Schokoladenpudding, dessen Haut pockennarbig aussah. "Spanierinnen sind schon was anderes". Ich antwortete nicht, obwohl ich wusste, dass keine Reaktion zu zeigen nichts ändern würde. Wenn Laupmann erzählte, erzählte er.
"Ich war seinerzeit", so fuhr Laupmann fort, während ich ihm Recht gab, denn ich bezweifelte, er hätte je eine Zeit gehabt, so wie ich zugleich bezweifelte, er würde je eine haben, "wie Sie vielleicht wissen in Spanien. Madrid um genau zu sein. Motorschaden. War damals noch ein junger Mann und für den Maschinenpark zuständig. Ja – da staunen Sie. Ich, der Materialverwalter. Aber seit ich es im Kreuz habe – man muss ja beweglich sein, nicht wahr. Also ich nach Madrid. Und da habe ich dann Maria getroffen."
Ich sah mich in der Kantine um. Die Schulze aus der Expedition hatte sich hübsch herausgemacht, seit der Scheidung. Sie trug ein rotes Sommerkleid. Das wäre vor Jahresfrist noch völlig unmöglich gewesen, für sie. Damals lief sie wie eine graue Maus herum. Mir gefiel sie. Allerdings war an Elfie aus Leipzig, Zonen-Elfie, wie wir sie nannten, mehr dran. Ich nahm mir fest vor, gelegentlich Blumen oder Konfekt auf ihren Schreibtisch zu platzieren. Natürlich durfte sie nicht gleich heraus bekommen, von wem die kleinen Aufmerksamkeiten stammten.
Der Gedanke an Zonen-Elfie hatte, eine glückliche Fügung, verhindert, dass ich Laupmanns Geschichte gefolgt war. "… und dann winkte sie mir noch am Flughafen hinterher, während mir die … , na Sie wissen schon, immer noch weh taten. Das war eine Nacht. Spanierinnen sind eben ganz anders, als unsere Frauen hier. Nicht so prübe und etepete."
Wir standen zusammen auf. Im dritten Stock verließ Laupmann den Fahrstuhl, nicht ohne vorher mit Akkrebie die Krawatte zurecht zu rücken. Wir tauschten die üblichen Grußformeln aus. Bei mir, im fünften, kommt man ja direkt in das Großraumbüro. Ich durchquerte es eilig und verschand gleich auf der Toilette. Tür zu – Hose auf. Wegen Zonen-Elfie.
Ich bin ein glücklicher Mensch. Man muß es sich immer wieder sagen: Ich bin ein glücklicher Mensch.

GeDicht von der Dicken Kati zum Tode von Franz Josef Degenhardt

Posted on | November 17, 2011 | No Comments

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Die dicke Kati, Punkerin von hier um’s Eck,
die heult und fragt seit Montag Nacht
Wer singt von Schnaps, vom Land, vom Dreck?
Wer singt mir Lieder, so wie er’s gemacht?
Wenn ich nicht schlafen kann vor lauter Sorgen?
Weil ich aufs Amt muss, betteln geh’n ums Geld?
Wer hilft mir dann durch solche Nächte in den Morgen?
Wer singt mir dann von einer bessren Welt?

Was er Dir gab, sag ich, und nehm sie in den Arm,
nimmt Dir Gevatter Hein doch nicht, der Sensenmann.
Dem Karratsch ist der Leib nun nicht mehr warm.
Doch kommt der Tod nicht gegen solche Worte an.
Ich geb ihr eins der beiden Biere, die ich aufgemacht.
Sie nimmt nen tiefen Schluck und dreht sich eine
und bläst den Rauch graublau ins Schwarz der Nacht.
Du meinst, sagt sie, die Lieder war’n schon immer meine?

junge welt: Überreaktionen als Demaskierung

Posted on | August 19, 2011 | No Comments

Der Dank der Jungen Welt am 13. August

jw110813Man mag als Fehler ansehen, was die Junge Welt am 13. August für eine gute Titelseite hielt. Die gezielte, und ganz eindeutig auf die völlig einseitige Geschichtsbetrachtung der sogenannten Berliner Mauer gerichtete Provokation, mag vielen sauer aufstoßen. Auch wenn sie Freunde der Jungen Welt sind.

Die Reaktionen auf diese Provokation jedoch sind derart überzogen, dass man sich fragen muss, was für Suppen da eigentlich auf dem Feuer stehen. Dass sich sozialdemokratische Kreise in der PDL ebenso, wie sogenannte Antideutsche, nicht entblöden, auf die Junge Welt einzuschlagen, war absehbar. Dazu wäre ihnen auch jeder andere Anlass recht gewesen. Wer entweder an die Fleischtöpfe der Regierungsmacht strebt, oder sich aber einer Querfrontpolitik zu Henryk M. Broder und – auch das kommt vor – Thilo Sarrazin und den ihnen zugehören Kreisen nicht enthalten mag, dem reicht auch weniger. Hauptsache die Diffamierung funktioniert.

Dass jedoch auch die in das Kanonenboot steigen, von denen man mehr Einsicht hätte erwarten können, verwundert. Was ist aus einer PDL geworden, in der soviel politische Kurzsichtigkeit herrscht.

Natürlich ist der Titel vom 13. August nicht dazu geeignet, den Kreis jener zu verbreitern, die sich für eine grundlegende demokratischen und sozialistischen Gesellschaftsveränderung einsetzen. Der Titel schreckt ab. Auch wenn die Provokation verständlich für jene ist, die sich mit dem Thema über die Anscheinenswahrheiten westdeutscher Geschichtsklitterung hinaus beschäftigt haben. Man hätte, meine ich, geschickter vorgehen können.

Aber rechtfertigt das die positive Beschäftigung mit Boykottaufrufen, die auf Rechnern geschrieben werden, welche auf auf den Namen „Knabe“ hören? Natürlich nicht. Und schon gar nicht, wenn der erste genannte Name unter dem „Offenen Brief“ Henryk M. Broder heißt. Wer ihn unterstützt, weiß, in wessen Gesellschaft er sich dort begibt.

Während also Teile, auch der PDL, Gift und Galle spucken, geht ein anderer mit der Jungen Welt verbundener Skandal ohne Konsequenz sang und klanglos unter: Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat in der WELT die Junge Welt als „Stürmer“ von links bezeichnet. In einem Artikel auf WELT-online, wird das Zitat nochmals bestätigt: „Der Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, forderte daraufhin [gemeint ist der Titel vom 13. August] ein Verbot der Leugnung der kommunistischen Verbrechen. "Die ,Junge Welt‘ ist ,Der Stürmer‘ von links, der in einer zynischen Weise die SED-Diktatur hochleben lässt“, sagte Knabe "Welt Online".“

Nun sollte man meinen, dieser doppelte Unsinn, nämlich die Verharmlosung des faschistischen und antisemitischen Hetzblattes „Stürmer“ und Verbalinjurie gegen die Junge Welt würde man jemanden, der öffentliche Ämter bekleidet nicht durchgehen lassen. Welch ein Irrtum. Während Hubertus Knabe also offenbar einen Freibrief für Beleidigungen besitzt, trifft die volle Breitseite die Junge Welt. Dort, wo der Aufschrei nötig gewesen wäre, ist er unterblieben, dort wo er lediglich Theaterdonner im Wahlkampf und die gespielte Empörung von Antikommunisten darstellt, widerhallt er im Blätterwald. Aber: War Anderes zu erwarten?

Wikiartikel zum Thema:
Hubertus Knabe
Der Stürmer

{Die Stadt} Aus der Finalen Sequenz

Posted on | Juni 28, 2011 | No Comments

300px-Bachforelle_ZeichnungUnter Bäumen küssen wir uns, halten unsere Hände ins kalte Wasser des Sees. Gehen Hand in Hand. Erzählen uns, was wir sehen und sehen immer nur fast das Gleiche, doch immer das Selbe, bewahren uns davor, so sehr schon Eins zu sein, dass wir uns ganz in uns verlieren zu früh. Wie schön dieser Tag ist. Trinken Kaffee in einem kleinen Café. Essen schwere Torte. Und spazieren weiter. Langsam, immer alles was wir sehen mit Aufmerksamkeit in uns aufnehmend. Wie schön dieser Tag ist. Fahren mit der Fähre nach Alt-Kladow. Streunen durch den Ort, können die Dorfkirche nicht besichtigen, latschen zum Kossätenhaus. Kehren wieder ein irgendwo, auf einen Kaffee. Und dann mit der Fähre zurück. Da ist es später Nachmittag schon und es sind tausende Worte gewechselt, tausende neue Informationen aufgenommen über den anderen, tausend neue Verbindungen geschaffen, Kabel gezogen. Mit jedem Wort enger, enger, enger. Mit jedem Wort mehr Liebe. Mit jedem Wort mehr Fragen. Wie schön ist dieser Tag. Wie schön ist dieser Tag. Der erste Tag, den ich mit dem, den ich liebe über ein Stück Welt gehe, über Sand und bunte Blattleichen, der erste Tag, an dem ich mit ihm übers Wasser fahre und Torte esse und Kaffee trinke im Café. Der erste Tag in meinem Leben. Der erste Tag in diesem neuen Leben.

Auf der Rückfahrt zum Fischmarkt. Der heißt nur so, der ist natürlich nicht, wie der in Hamburg, von dem mir Lutz erzählt hat. Zwei Forellen kauft Jonas. „Keinen Wal“, frage ich und lache. „Nee, nee …“ Da weiß er gar nicht mehr, dass er Ahab ist. Det muss ick ihm sarjen! Det is wichtich!. Also flüstere ich in sein Ohr: „Du bist gar nicht Jona, Du bist Ahab. Du musst die Stadt fangen, denn die Stadt ist ein weißer Wal“. „Du bist verrückt“, antwortet er. Aber ich bestehe auf meiner Meinung, ziehe eine Flunsch und stampfe mit dem Fuß auf. Wir lachen. Aber für einem Moment ist mein Lachen künstlich, für einen Moment ist da etwas in dem, was ich gesagt habe, dass ist mir fremd, das ist ganz dunkel, das wabert mir durch die Sinne, das macht mir Angst.

Im Auto habe ich die Angst schon wieder ganz vergessen, erst jetzt, wo ich das hier schreibe fällt sie mir wieder ein. Jetzt, da mir Sukov über die Schulter schaut und mir über den Rücken streicht, da weiß ich wieder um sie.

Zu Hause trage ich den Fisch in die Wohnung, während Jonas nochmal losstiefelt und Kartoffeln holt, Sahne auch und Meerrettich, Weißwein und Tabak. Während einkauft, räume ich die Küche auf, wasche ab, räume Zeug vom Tisch und krame nach einer Tischdecke. Ich weiß, ich habe eine weiße irgendwo. Aber erst ganz unten im Kleiderschrank taucht sie auf.

Jonas übergießt die Forellen mit einem Gemisch aus Weißwein (wenig nur) und Essig, von dem mehr als vom Wein, Setzt Wasser im großen Topf auf, tut Lorbeerblätter hinzu, und noch einen Schuss Essig. Setzt die Kartoffeln, die er akkribisch genau schält, auf. Wartet, bis sie fast gar sind, dreht die Flamme unter dem Sud auf, legt in simmernde Wasser die Forellen, holt sie nach wenigen Minuten wieder heraus. Ganz blau sind sie nun. „Forelle blau, die Dame“, sagt er. Er hat Sahne geschlagen und Meerrettich untergerührt. Und dann essen wir. Das schmeckt nicht wie bei meiner Großmutter. „Wo hast Du kochen gelernt?“, frage ich. „Das muss man einfach können. Gutes Essen ist wichtig. Es macht froh und glücklich.“ Und nach dem Essen, nach dem Tischabräumen und gemeinsamen Abwaschen: Ins Bett.

{Die Stadt}

Posted on | Juni 22, 2011 | No Comments

WCWProtestor_with_GasMaskJonas. Telefon. Nummer wählen. Warten. Auflegen. Jonas. Nummer wählen. Warten. Auflegen. Jonas. Nummer wählen. Warten. Nicht auflegen. Hier ist Marie sagen. Dabei fast husten. Hals trocken. Warten. „Oh“ hören. „Das ist ja schön“ hören. Die Frage hören, ob er vorbei kommen könne heute Abend. Wie spät ist es? Vier am Nachmittag schon? Oh, mein Gott, hab ich lange geschlafen. Ja sagen, na klar sagen, gerne sagen, bring Wein mit sagen. Ganz hoch im Hals schlägt Herz, ganz stark schlägt Herz. Herz das „das“ streichen. Herz als Name. Herz gehört mir nicht mehr. Herz gehört jetzt Liebestier. Herz ist gebissen worden. Herz blutet. Herz blutet. Sechs Stunden noch. Schmerztabletten nehmen. Paracetamol, doppelte Dröhnung. Nur zur Vorsicht. Polly Scattergood: Please don’t touch: Feeling strange and looking rotten.

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{Die Stadt}

Posted on | Juni 11, 2011 | No Comments

(Nach einer Demo ist Marie ins Krankenhaus gebracht worden, von Jonas, den sie noch gar nicht kennt, der sie vor dem Zugriff der Polizei gerettet, zum Saniplatz gebracht und dann in die Charité gefahren hat. Dort wartet sie auf eine Röntgenuntersuchung, sie wird im Rollstuhl herumgefahren, weil man nicht weiß, ob sie Brüche hat …)

200px-Amor_VictoriousDie Schwester schiebt mich vor einen der Tische, die in Nischen stehen, Jonas setzt sich neben mich und … hält Händchen. Ganz warm ist seine Hand. Und die Wärme geht mir durch den Körper, wie Sonnenstrahlen an heißen Sommertagen Dir durch den Körper gehen, ihn von innen wärmen → und Du hast im der Hitze der Sonne das Gefühl, Du würdest leuchten aus Dir heraus. Seine Hand → die fühle ich nicht in meiner, nein, unsere Hände sind eine Hand nun, sind siamesische Hand, haben sich vereinigt, fühlen sich an, als könnten sie nie wieder getrennt werden. Und in mir ein Gefühl, so gewaltig, so groß, so unbekannt, so niemals vorher erlebt, so einzigartig, so innig, so alles einem Brand übergebend, was in meiner Seelenmülldeponie lagert, so verzehrend all das mit heißer Flamme, dass die Sehnsucht sich wandelt, dass sie ganz die graue Farbe verliert, dass sie sich neu fokusiert, ein neues Ziel sich nimmt: Nicht mehr das unbestimmte Ziel zu lieben irgendwann, irgendwen, endlich zu lieben dann, sondern vorgibt, nun ein bestimmtes zu haben: diese Liebe. Ja, da habe ich kein anderes Wort für dieses Gefühl, gar kein anderes Wort, als LIEBE. Ich bin liebend, bin es als passive Akteurin, kann gar nicht begreifen mehr, dass ich mir LIEBEN immer als aktiven Akt vorgestellt habe, als etwas, das man tut, als etwas was getan werden muss; jetzt also die Erkenntnis: Lutz hat Recht: Liebe ist ein Lebewesen, die Liebe macht Dich liebend, so wie ein Regen Dich nass macht oder ein Virus Dich krank. Und die Erkenntnis auch: Es gibt kein Mittel dagegen, weil dieses Wesen LIEBE so groß ist, so überwältigend groß, dass man sich nicht wehren könnte, auch wenn man es wollte; dass es keinen Zweck hätte zu sagen: Ich will nicht lieben, wenn das LIEBESWESEN erst die Zähne einem ins Herz geschlagen hat. Dann liebt man. Und wenn das Wesen, das LIEBESWESEN gnädig ist, wenn es einen guten Tag hat, wenn es Dich nicht anscheißen will und nicht fertig machen, dann beißt es den, welchen zu lieben es Dich zwingt, auch, schlägt auch ihm die Zähne ins Herz und lässt ihn DICH lieben.

Ich bin nicht verliebt, ich bin darüber hinausgewachsen worden: Ich liebe. Wie ein Schlag das, ein neuerlicher, einer der noch wehtun wird – das weiß ich, das weiß ich: der einen Schmerz bereiten wird, welcher größer, irrer, tiefer ist, als alle Schmerzen, die ich bislang gespürt habe.

{Die Stadt–Schnippsel}

Posted on | Mai 18, 2011 | No Comments

450px-Amor_and_Psyche-Capitoline_Museums-3Ich nehme ihm die Tüte aus der Hand, stelle sie auf den Tisch, ziehe Kevin wieder zu mir heran, fasse unter sein T-Shirt, fühle seine warme, weiche Haut, seine Brustwarzen, klein, hart, fühle seinen Atem, der nun stoßweise geht. Das T-Shirt über den Kopf und auf den Boden. Den Gürtel auf. Die Hose. Und sehen, wie sie herabfällt, sich um die Schuhe legt. Und dann die Unterhose: schnell nach unten gerissen. Ein Stoß und Kevin liegt auf der Matratze, ein erigierter Käfer auf dem Rücken. Ich entkleide mich, während ich auf seiner Brust hocke, kämpfe mit meiner Jeans, verrenke mich, um nicht absteigen zu müssen. Und dann bin ich über ihm. Fühle seine Zunge, fühle eine böse Lust hochsteigen in mir, gegen die ich mich nicht mehr wehre. Lasse mich zur Seite fallen, als ich alle Lust herausgestöhnt habe. Dann schaue ich Kevin zu, lasse vorsichtig meine Hände auf seine Wangen patschen und dann werden aus den Patschern Schläge, auch die vorsichtig anfangs.

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Die SPD will Party machen

Posted on | Mai 17, 2011 | No Comments

150px-SPD-Cube.svgVorwärts

Der Briefkasten des Verlages klappert, ich denk’ es ist die Post. Ist aber nicht die Post – es ist, d.h. es war die SPD. Bis ich von meinem Arbeitszimmer unten bin, ist der Verteilmensch weg. Aber er hat ein Extrablatt des Vorwärts dagelassen.

Die SPD feiert. Sie hat ihr Willy-Brandt-Haus umgebaut und will am kommenden Wochenende das Ergebnis der Anwohnerschaft, der Presse und natürlich den Parteimitgliedern vorführen. Vielleicht verleitet sogar mich der Film „Almanya“ dazu, an der Chose teilzunehmen. Immerhin könnte ich nach der Filmvorführung im Innenhof des mir gänzlichen unbekannten, aber offensichtlich auch der SPD gehörende, Paul-Singer-Hauses noch ein paar Biere nehmen. Die SPD verleitet zum

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