Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Jehnse doch wech

Posted on | Oktober 21, 2014 | 1 Comment

Bundesarchiv_Bild_183-1984-0601-008,_Berlin,_MarzahnAch, jehnse doch wech. Nee, ick will keene Hilfe. Ick komm klar. Ja, nu lassen se ma. Hat sich jetze niemand nüscht um mir jekümmert. Nu will ick nich mehr. Nee, haunse ab. Is zu spät nu. Ja, ja, Dreck. Allet voller Dreck. Gloobense ick bring den Müll noch zue Tonnen? Det könnse knicken junger Mann. Det is nich. Nee. Det is nich mehr. Der Fahrstuhl. Daunernd im Arsch dett Ding. Wie soll ick mit den Rollator denn die Treppen runterkomm? Wie soll det jehn? Und wat is, wenn ick mit den Fahrstuhl runter komm, aber nich wieder ruff. Soll ick denn in Hausflur kampieren. Hier kommt allet runner. Sehnse sich doch um. Dett is also die Zukumft von Berlin, dett is de Zukumft. Nix is mit Zukumft, det lassense sich ma jesargt sein. Nix. Rinn jarnüscht. Ick sitz hier rum und lass mir den Einkauf vonne Nachbarn bringen. Und stell den gröbsten Dreck vore Wohnungstüre. Nimmt denn schon wer mit. Aber mehr is nich. Nee, mehr is nich. Ick bin hier injesperrt. Det is wie Bau. Kannst mir glooben. Wie Bau is det. Zehnter Stock Plattenbau und denn ohne Fahrstuhl, aber mit Rollator. Da tanzt Bolle aufm Flur. Nee, lassense ma. Hat bisher keen interessiert. Nu muss dat kein mehr interessieren. Is mir wurscht, is mir dette. Ich will runterkomm. Denn bin ick meener Stadt ebenbürtig. In Einklang bin ick denn mit mein Berlin. Haunse ab. Suchen se sich wen zun Bemuttern. Haunse ab. Haunse ab. Ick sterb hier vor mich hin. Kommse wieder, wennt mir hinjerafft hat. Denn könnse aufräum. Aber nun sehnse zu, det se Land jewinnen.

(Berliner werden den Text noch berlinerisieren)

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0601-008 / Zimmermann / CC-BY-SA | Quelle: Wiki

Ohne Titel

Posted on | Oktober 19, 2014 | 1 Comment

Der Regen hat die Stadt gewaschen.
Der Hafen menschenleer.

Ostsee am Abend

Posted on | Oktober 19, 2014 | No Comments

2014-10-19 21.27.26

Das Meer in der Dämmerung,
grau ins Schwarz das Wasser schon,
der Wind atmet durch
und bläst Wellen an den Strand.
Die Segelschiffe hafenwärts,
gekrängt unter dem Druck des Windes.
Die Möwen steigen auf zum Abendflug,
gelb das Licht in den Fenstern
entfernter Häuser.
Gleißend weiß das Licht
des Marinehafens.
Grau die Fregatten.
Kein Mond.

Einsamkeiten

Posted on | Oktober 16, 2014 | No Comments

Asylbewerber03a

In praktischen Wohnungen
blicken Menschen auf Monitore
und sprechen mit sich selbst.
Nachts an Tresen wird über Einsamkeit
eine Wortbrücke gelegt. Niemand
überquert sie.
Das Meer ist schön,
sagt der Mann am Strand
zu sich.
Eine Frau hält einen Kerzenständer
in einem Geschäft für Kinkerlitzchen
und spricht mit ihm.
Fernsehhelden sind die einzigen Besucher.
Buchstabe an Buchstabe über Datenleitungen.
Wort an Wort. Liebe, Hass. Irgendwie leben.
In Clubs die Bässe. Die Höhen. Kein Hochgefühl.
In Bordellen Feuchtgebiete. Abschiede.
Alle Straßen regennaß.
Alle Städte schwarz-weiß.
In praktischen Wohnungen
blicken Menschen aus dem Fenster.
Parkplatz. Rasenfläche. Baum. Kinder. Niemand.

Foto: Andreas Bohnenstengel, CCL 3.0

Herbstlaub

Posted on | Oktober 14, 2014 | No Comments

Laub_im_Stadtpark

Wie schön der Herbst ist …
All die Bäume ..
so blutigrot und leichengelb.
Und über sanften Hügeln
tief die Sonne.
Und still die Welt.
Und ruhig die Welt.

In diesem Herbst,
da fallen viele Träume,
wie blutigrote Blätter,
wie leichengelbes Laub,
auf feuchtes Gras, auf nasse Wiesen.
Es fällt der Traum vom Frieden auch.

Seit Mai die Wölfe allenthalben,
in allen Wäldern, auf Alleen,
in Parks und Gärten,
in Gassen und auf den Chausseen.

Es nützt nicht, ihnen zu bedeuten,
man würd‘ ihr Handeln ungern sehn.
Sie werden drum nicht davon lassen.
Im Herbst nicht, nicht zur Maienzeit.

Wie schön der Herbst ist.
So blutigrot, so leichengelb.

Foto: Darkone, Wiki, CCL 2.0

Dein Schild

Posted on | Oktober 13, 2014 | No Comments

Dein Schild
maskulin
Waffe
gegen die Solidarität. Dein Schild
Neutrum
Ein Gedicht. Sterbt sagt es
für die Reinheit
unserer Friedensliebe.
Sterbt sagt es
für die Schönheit
unserer Beschlüsse. Und abends vielleicht
ein Bier in der Hand
singen die alten Lieder. Die schönen alten Lieder. Halt stand stolzes …
Die alten Lieder. Die schönen alten Lieder.
Das Pappschild
Solidarität mit dem
Widerstand in Kobane
Das US-Bombardement stoppen
steht auf ihm.
Zusammen gesungen die alten Lieder. Die schönen alten Lieder.
Der Schild
Das Schild
Ein Lippenbekenntnis
Der Schild
Das Schild
Solidarität stoppen
sagt das Schild. Nichts als das. Nichts anderes.

Man wird sich entscheiden müssen

Posted on | Oktober 8, 2014 | No Comments

Man wird sich entscheiden müssen. Wenn es so ist, dass ohne Waffenhilfe der IS nicht zu stoppen ist, wenn also die Lieferung von schwerem Gerät an die Kurden, und zwar an alle drei Organisationen, die Peschmerga, die YPG/YPI und die HPG, notwendig ist: Wie will man dagegen sein und im kommenden Frühjahr, wie es manchmal noch geschieht, in gemütlicher Runde zusammensitzen und das Lied von der Jaramafront singen?
Man wird sich entscheiden müssen, ob man wirklich glaubt, die Mörderbanden des IS, der ja keinen Islamischen Staat will, sondern einen faschistischen, und der FS heißen sollte, können in westlichen Großstädten durch Demonstrationen und Lichterketten besiegt werden.
Man wird sich entscheiden müssen, ob es reicht, zu sagen: Das ist das Ergebnis der Politik von USA, EU und Nato. Ja, das ist das Ergebnis. Aber reicht es, die Wahrheit zu benennen?
Man wird sich entscheiden müssen.
Man muss nicht dafür sein, dass deutsche Soldaten in Syrien oder im Irak kämpfen. Nein, dafür muss man nicht sein.
Aber man wird sich entscheiden müssen, dafür zu sein, Peschmerga, YPI und HPG die Waffen zu liefern, die den vieltausendfachen Mord verhindern könnten. Oder nicht.
Denn liefert man keine Waffen, so wird man sich darauf verlassen müssen, dass die NATO eingreift. Nicht nur mit Bomben. Und es wird die Türkei sein, die dann eingreift, wenn der Faschistische Staat die Kurden ermordet hat. Sie werden ihre Truppen in ein Gebiet schicken, aus denen die Kurden vertrieben und in dem sie ermordet worden sind. In ein kurdenfreies Gebiet. Wenn man das will, jetzt und auch in Zukunft, denn es wird Schule machen, dann muss man dagegen sein den Kurden Waffen zu liefern.

Simone Barrientos liest das Gedicht vom grossen Versagen

Posted on | Oktober 8, 2014 | No Comments

 

Die Türkei hat in Kobane versagt.
Die Nato hat in Kobane versagt.
Die arabischen Staaten haben in Kobane versagt.
Sie haben den Kurden die Hilfe versagt.
Sie haben nicht in ihrer Sache versagt.
Denn ihre Sache war das Versagen.
Und sie haben versagt.
Den Kurden die Hilfe.
Wenn man also sagt:
Die Türkei hat versagt.
Die Nato hat versagt.
Die arabischen Staaten haben versagt.
Dann muss man meinen:
Die haben den Kurden die Hilfe versagt.
Aber in ihrer Sache haben sie nicht versagt.
Und ihre Sache war: Denen da
die Zukunft zu versagen.

Das Gedicht vom grossen Versagen

Posted on | Oktober 7, 2014 | 1 Comment

UNOfficeofHumanitarianCoordinator-Baghdad_(UN_DF-SD-04-02188)

Die Türkei hat in Kobane versagt.
Die Nato hat in Kobane versagt.
Die arabischen Staaten haben in Kobane versagt.
Sie haben den Kurden die Hilfe versagt.
Sie haben nicht in ihrer Sache versagt.
Denn ihre Sache war das Versagen.
Und sie haben versagt.
Den Kurden die Hilfe.
Wenn man also sagt:
Die Türkei hat versagt.
Die Nato hat versagt.
Die arabischen Staaten haben versagt.
Dann muss man meinen:
Die haben den Kurden die Hilfe versagt.
Aber in ihrer Sache haben sie nicht versagt.
Und ihre Sache war: Denen da
die Zukunft zu versagen.

Altmann und der Weg

Posted on | Oktober 7, 2014 | No Comments

[Unlektoriertes, unkorrigiertes erstes Typoscript]

Altmann saß vor der Scholle. Er wischte den Speck mit der Gabel von der Haut des Hingeschiedenen neben die Kartoffeln. Einen Moment lang wähnte er, ein Fischer zu sein, ein frühzeitlicher Fänger, der mit dem Speer regungslos im Wasser steht und wartet, bis ein Fisch, groß genug muss der sein, um erfolgreich aufgespießt zu werden, in die Reichweite der Waffe gerät. Aber dieser Gedanke verflog, wie die Spatzen verfliegen, die auf dem Marktplatz nun, nach Ende des Marktes an den Resten picken, wenn Spaziergänger das Kopfsteinpflaster des Platzes überqueren. Alles Scheiße. Alles Dreck. Altmann zuckte zusammen. Da denkt es wieder in mir, dachte er. Es gibt zwei Ebenen von Gedanken, vielleicht sogar noch weitere, unergründete. Jene Gedanken, von denen er, Altmann, glaubte, sie würden mit Mut und Willen von ihm gedacht werden und jene, die plötzlich erscheinen, diese schimpfenden, zeternden Gedanken, die ihm unrecht waren, weil er es als ungerecht empfand, sie denken zu müssen. Ich bin noch nicht übern Berg, dachte er mutwillig. Ich bin noch nicht übern Berg.
Er trennte das weiße Fleisch des Fisches von der Grete, aß mit Bedacht, achtete auf Gräten, schob sich eine Kartoffel zwischen die Kiemen, trank ein Schluck Bier, aß ein Stückchen toten Fisch, aß tote Kartoffel, trank Gebrautes, erinnerte sich an den Gestank der Brauerei, die unweit der Wohnung der Großeltern in Hamburg gelegen hatte. Dachte: Hamburg. Dachte: Hamburg-Harburg. Dachte: Parkplatz, Zugfenster, Parkplatz, Autos. Dachte: Warum gibt es all die Dinge? Wer sind wir, all die Dinge zu schaffen. Aß Fisch, aß Kartoffel. Dachte: Evolution. Dachte: Man kann nichts machen. Es ist halt so. Hätte anders sein können. Mensch als Tier. Tierisch. Altmann überlegte einen Moment, ob er sich entkleiden solle. Er dachte es gewollt, als Denksport und kam zu dem Schluß, dass es eine Restriktion gegen das Entkleiden in der Öffentlichkeit gab, wenn man nicht einen Raum schuf, in dem man sich öffentlich entkleiden konnte, ohne dass diese Restriktion galt. Einen Swingerclub zum Beispiel, ein Stripteaselokal, wofür, wie er sich eingestand, nicht schön genug und schon zu alt war, oder ein Theater, wo man sich, das ging dort, auch dann entkleiden konnte, wenn man ein Greis war. Er hatte also noch Zeit.
Altmann zahlte und ging. Er überquerte den Platz, drehte eine Runde durch die Nikolaistraße, ging die Kieler Straße zurück hinauf zur Kirche. Und ging hinein. Die schwere Kühle des Innenraums griff nach ihm. Langsam strich er durch das Kirchenschiff, sah den Altar, den, wie er einem schon ander Tür mitgenommenen Prospekt entnahm, ein Mitglied der ortsansässigen Holzbildhauerfamilie Gudewerdt geschaffen hatte. Ein schöner Altar. Und Altmann vermisste die Frage, die sich vor ein paar Wochen noch zwingend ergeben hätte: Weshalb? Nein, er fragte nicht nach dem Grund von Kunst. Die fehlende Frage war wie ein Loch, war Altmann wie ein Verlust, etwas Fehlendes. Der Graf von Saint Germain soll hier begraben worden sein, las Altmann, ein Achimist, aber kein absichtlicher Betrüger, wie es Cagliostro gewesen war, der sich als Schüler des Grafen ausgegeben haben soll. Ein Wässerchen gegen das Altern hat der Graf in Paris verkauft und Edelsteine für den König von Frankreich von Fehlern gereinigt. Um Frieden hätte er, sagt die Legende, verhandelt mit Großbritannien, auf Wunsch des Roi und vorbei am Außenminister. Nach Hamburg dann geflohen und dann in Eckernförde im Alchimistentum, den es nicht mehr gibt, und hat eine Seidenfärberei hier gegründet. Gestorben wäre er, der Graf mit Erzähltalent und, wie ihm der preußische Botschafter in Dresden bescheinigte, wachem Verstand, aber ohne Urteilsvermögen, weil ihm das Wetter im Norden nicht bekam. Altmann hustete.
Zum Strand, zur Weite des Meeres nach der Begrenztheit des Raumes, ans Licht, nach der Dunkelheit des Gebäudes, in die Natur, nach dem Menschengemachten. Und da, am Strand, den Blick auf die Wellen, den Blick auf ein einsames Segelschiff, das aus der Buch lief, angesichts dieser Schönheit, nach der Schönheit der Kunst, war ihm auf eine eigenartige Art heimelig zumute, so heimelig, dass er die Kirche, ihren Geruch, ihr gedämpftes Licht, dass er er die Grabmale, dass er Pflaster und und Häuser, den Wind und die Kühle als etwas ansah, das er lang schon kannte und das ganz auch ihm gehört und zu ihm. Altmann blickte auf seine Füße. Wohn gehen?

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