Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Vier Sätze über einen Menschen

Posted on | Januar 29, 2015 | No Comments

Er hat einen Namen, seine Lebenszeit ist ein Band und bindet ihn an Grauen.
Er kann nachts nicht schlafen und wurde vor bestimmter Zeit Nachtwächter, denn er will die Nacht bewachen.
Er erinnert sich an die verrenkten Leiber der Toten in Baracken in Betten in ewigen Nächten bedeckt mit geschrieenen Befehlen.
Er isst Gefillte Fisch, er isst Reis mit Bohnen, er isst Fufu, er isst rote Linsen, und immer isst er viel, denn es hungert ihn.

Für das Kleinsein gelobt …

Posted on | Januar 27, 2015 | No Comments

1266_LJörg Sundermeier sagt im Sonntagsgespräch des Buchmarktes: „Die kleineren Verlage, die sich ja oft an die komplizierteren Texte oder Editionen herantrauen, werden tatsächlich weniger besprochen, oder aber sie werden für ihr Kleinsein gelobt und für die Ausstattung der Bücher, ganz so, wie Oma ein Kind tätschelt, wenn es ein Gedicht gut aufgesagt hat, aber mit Kritik hat das nichts zu tun.“

Sundermeier trifft den vernagelten Kritiker auf den Kopf. Aber eigentlich ist’s schlimmer noch: Es gibt kaum noch anständige Literaturkritik. Anständig kommt von Anstand und Anstand meint — auch — die innere moralische Haltung. Hier wäre das die innere Haltung zur Literatur. Eine moralische Haltung sollte diese Haltung sein, die nicht Freund noch Feind kennt, sondern nur das eigene Wissen als Grundlage und das eigene Bewertungs- und Wertesystem als kriterienbildende und urteilende Instanz. Literaturkritik ist, wenn sie anständig ist, unbestechlich. Sie macht aus schlechten Büchern keine guten, aus hingeschluderten Mittelalterromanen keine benamten Rosen und aus dem ständigen Leiden charakterloser Werther keine literarischen Ausflüsse neuer Goethes. Doch diese Art von Literaturkritik ist selten und war es auch immer. Das ist also ein hergebrachtes Dilemma: Es gibt immer mehr gute Literatur, als die paar guten Kritiker lesen können, die es hat. Und die anderen können nicht mal lesen, jedenfalls nicht im literarischen Sinne. Zum Kritiker gehört, will er gut sein, aber nicht nur Wissen um und über die Literatur, sondern ein umfassendes Allgemeinwissen. Er muss ja verstehen können, was er liest, er muss einen Begriff haben von den Dingen, die ihm in der fiktiven Welt der Literatur begegnen. Auch daran hapert es.
Am Schlimmsten aber ist, dass die Verdichtung des Zeitschriftenmarktes uns vieler täglicher Seiten eigenständiger Feuilletons beraubt hat. Der Platz ist weniger geworden. Zeitschriften sind verstorben im kapitalistischen Wettbewerb, andere haben fusioniert und werden von Zentralreaktionen beliefert.
Auf keinem Platz rezensieren Menschen, die keine Kritik erzeugen können (und meist noch weniger vertragen), Bücher, die es nicht wert sind, beurteilt zu werden, die aber hohe Verkaufszahlen aufweisen. Ein Land dessen Feuilletons sich tatsächlich über Wochen abgearbeitet hat an Fifty Shades of Grey, aber große literarische Leistungen, wie die Herausgabe der Mühsam-Tagebücher durch den Verbrecherverlag kaum gewürdigt, ist ein armes Land.

Das Interview befindet sich hier.

Kein Grund zur Besorgnis

Posted on | Januar 23, 2015 | 1 Comment

Bleibt ruhig. Entspannt Euch.
Sprecht leise. Trinkt Mampe Halb und Halb.
Es wird schlimm enden. Hoffnung ist sinnlos.
Seid froh.
Zwischen den Schreien der Tram das Grölen des Pöbels.
Allenthalben Verständnis. Viele wollen zuhören.
Man spricht mit sich überschlagender Stimme und großen Gesten.
Die KZ-Wächter von gestern werden als die Befreier von heute gehandelt.
Der Russe ist an allem Schuld. Der Moslem ist an allem Schuld.
Der Jude ist an allem Schuld.
Trinkt Mampe Halb und Halb, Entspannt Euch.
Sprecht leise. Die Hoffnung siecht dem Tode zu.

Zur Befreiung Auschwitz’ durch die Rote Armee

Posted on | Januar 20, 2015 | No Comments

Und Tana Berghausen
wurde erschlagen vor den Augen
auch ihrer Eltern im Viehwagon
in Auschwitz-Birkenau.
Da war sie ein Jahr alt.
Ruben Baer aber
erstickte als sich die
Blausäuere des Zykon-B
in sein Blut legte
Da war er fünf Jahre alt.

Und Alma Rosé strich über die
Saiten ihrer Violine im
Mädchenchorchester von Auschwitz,
wie eine streicht voll Angst
über das Anlitz ihrer Peiniger.
Ruth Rewald aber
mag gesprochen haben zu Janko,
dem Jungen aus Mexico,
als das Gift aus der Dessauer Zuckerfabrik
ihr den Atem nahm.

Und Anne Frank hinterließ
ein Tagebuch, und sie starb
nur Tage bevor befreit wurde das Lager
Bergen-Belsen.
Hanna Brady aber
ließ einen Koffer zurück bei den
Lebenden, als die Mörder sie ins Gas stießen.
Da war sie Dreizehn.

Und mit ihnen sechs Millionen
und mit sechs Millionen
fünfzig Millionen
vom Hafen des Lebens in
das Meer des Todes.

Ach Esther Bejarano sing uns
die Lieder.
Ach Tadeusz Borowski schreib auf
das Grauen.
Ach, Soldaten der
322. Infanteriedivision
der I. Ukrainischen Front
Euch danken Siebentausendzweihundert
und wir, denen Zahl mehr ist als Nummer.
Grüsst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin;
haltet die Gewehre bereit.

Ein Staat verkommt

Posted on | Januar 20, 2015 | No Comments

Bundesarchiv_Bild_175-04413,_KZ_Auschwitz,_EinfahrtEinem Artikel von Götz Aly in der Berliner Zeitung von gestern entnehme ich, dass man keine offizielle und hochrangige russische Delegation zum 70sten Jahrestag der Befreiung Auschwitz’ durch die Rote Armee eingeladen hat.

Diese Schweinerei darf nicht ohne Folgen bleiben. Und mir ist egal, wann man die Verantwortlichen für diesen Skandal, und es ist ein Skandal, zur Rechenschaft zieht; was freilich natürlich nur eine beamtenrechtliche Bestrafung, eine Ahndung nach Arbeitsrecht vielleicht auch, sein kann. Aber ohne Konsequenzen darf das nicht bleiben.
Vermutlich, ich weiß es nicht, erfolgt die Einladung auswärtiger Staatsgäste zu diesem Festakt, der ja auch noch ein rundes Jubiläum von deutscher Grausamkeit und Meisterschaft und russischer Rettung begeht, durch den Präsidenten jener Republik, die offenbar an ihrem Haupt krankt und deren Wesen sich ganz in ihren Ressentiments verliert.
Russland nicht einzuladen, sondern ihnen mitzuteilen, falls sie kommen wollten, würde man sie zur Not reinlassen und vielleicht auch noch ein paar Stühle finden, ist eine staatliche Schweinerei die dazu führt, dass zwei Länder, Polen, wie auch unser Land, vor der Welt desavouiert wird.
Es wäre sinnvoll, wenn die Bundesregierung, auch im möglichen Konflikt mit dem Präsidenten Polens, sich öffentlich und vor aller Welt dafür entschuldigt, dass der russische Präsident nicht zur Feier der Befreiung Auschwitz’ eingeladen worden ist und den russischen Präsidenten zur Feier des Internationalen Auschwitzkomitees nach Berlin einladen.
Dieser Akt von kaum zu überbietender Dummheit, nicht zu übertreffender Kaltherzigkeit und der Schnodderigkeit kann nicht so hingenommen werden.

Foto: Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA

Asia Bibi

Posted on | Januar 16, 2015 | No Comments

Ein Wort als falsch gespiegelt
Die andren Frauen sie bringt das Wasser
heiß der Tag die Arbeiterinnen durstig
das Wasser von ihr geschöpft
halal nicht untrinkbar der Streit
das Wort die Zelle das Urteil
das Appellationsgericht
enttäuschte Hoffnung
Die fünf Kinder der Mann
ihre schwieligen Hände
ihre schwarzen Haare
ihr Kreuz
die Kinder die Erinnerungen
die Hoffnungen der Strick
das Wasser nicht halal
der Satz die Denunzianten
die Richter die schwieligen Hände
der kraftvolle Hals ihr fester Gang
der Strick die Frauen die Richter
fünf Kinder die Hoffnungen
ihr Name um die Welt
Asia Bibi fest der Gang
die Hände kraftvoll der Strick
die Frauen die Denunzianten das Unrecht
das Unrecht die Richter
Hoffnungen wir.
Wir haben Sätze. Viel. Zu wenig.

Für Raif Badawi

Posted on | Januar 11, 2015 | No Comments

Bruder, wenn sie dir den Rücken zerschlagen
spüre ich keinen Schmerz in meinem Fleisch,
wenn dich hungert hinter fremden Mauern,
spüre ich keinen Hunger.
Wenn angstvoll du Schreie hörst durch die Tür
deiner Zelle, höre ich sie nicht.
Wenn furchtsam du den Schritten lauscht die
aus dem Gang zu dir dringen,
fürchte ich mich nicht.
Wenn du vor jeder Mißhandlung abschließt mit dem Leben,
plane ich den neuen Tag.
Doch ich weiß um Dich.
Ich denke an Dich.
Ich sage: Lasst ihn gehen.
Und ich gräme mich, weil ich das nur tun kann: reden.
Ich wollte, meine Forderung an deine Bedrücker
wären Schlüssel zu deiner Zelle,
ich wollte, meine Forderungen an meine Regierung
legten dir einen fliegenden Teppich vor die Füße.
Doch reden nur, Bruder, kann ich.
Das wenigstens. Und redeten mehr,
die Wellen des Meeres erhöben sich vielleicht
unter den Wörtern, wie unterm Sturm
und die Wasser des Roten Meeres vereinigten sich
mit den Wassern des Persischen Golfs, wie Liebende
kurz vor dem Höhepunkt
und die Körper der Meere spülten den Königspalast fort
und mit ihm alle Bedrückung.

Parolensuppe

Posted on | Januar 10, 2015 | No Comments

Lügenverräter
Abendpresse
Landvolk

Lügenvolk
Presseland
Abendverräter

Abendvolk
Presseverräter
Landlüge

Volkslüge
Presseabend
Verräterland

Volksabend
Landpresse
Verräterlügen

Die morschen Knochen
geben dünne Suppe
Das Mark verdorrt das Bein geweißt
Kartoffeln
glänzende Fettaugen
Leipziger Allerlei

—————————-

Anm.: Die Abendländler, die in Dresden demonstrieren und anderswo auch, sie schätzen drei Totschlagwörter: Lügenpresse, Abendland und Volksverräter.

Je Suis Charlie

Posted on | Januar 10, 2015 | No Comments

Wir wollen jetzt nicht schweigen.
Im Antlitz des Todes, dem knöchernen,
dem herzlosen, dem verstandlosen,
erheben wir die Stimmen.
Dass Ihr, die Hassenden,
die Toten nicht entweiht
und Euch aus ihren Knochen
Keulen macht.
Euch sind sie nicht ermordet worden,
diese Toten ziehen nicht mit Euren Marschkolonnen.
Eurem Hass werden sie nicht dienen
als Reliquien, nicht als Waffe.

Pegida

Posted on | Januar 6, 2015 | No Comments

Am Frühstückstisch die Angst
beredet über Ei und Brötchen
was wenn die Tochter
was wenn der Sohn
die Liebe schlägt oft Haken
geht falsche Wege
die Leistung in der Schule
könnte höher sein
wenn alle dort des Deutschen
mächtig gelogen wird allenthalben
mag gar nicht mehr
die Zeitung lesen die Nachricht hören
nimmt noch Kaffee die Frau der Mann
was ist wenn man den Halt verliert
die Arbeit das Viertel das Haus
es sinkt im Wert
ist Flüchtlingsheim gleich in der Näh.

Am Abend nach getaner Arbeit
alle Ängste zum Nachtmahl auf den Tisch
fett sind sie gemästet
mit Schlagzeilen und dem Raunen
im Betrieb die Tochter heißt er
nicht Mahmud oder war es der zuvor
der Sohn die Freunde kennt man nicht
das Haus das Flüchtlingsheim
der Wert die Arbeit Fabrik Büro
die Rente wird nicht reichen
die Tochter der Sohn
das Wurstbrot der nächste Urlaub
Mittelmeer die Griechen Türken
Innenstadt Bettler überall
Lügen man muss nur in Zeitung schauen
dann weiß man Bescheid
und wieder auch Zigeuner
das Flüchtlingsheim die Tochter
der Sohn die Freude ein Bier
das Fernsehen mitsingen
Bill Mo schwarz weiß der Neger Tirolerhut
auf Leinwand Erinnerung Hansi geleitet durch
das Volkstum alle lügen.

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