Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Jürgen Todenhöfer empfiehlt ein Buch

Posted on | Juli 28, 2015 | 1 Comment

Jürgen Todenhöfer, der mir, das vorweg zu sagen scheint mir unerläßlich zu sein, ganz eigentlich leid tut, weil sein Tun stets etwas Manisches und Verlorenes zu haben scheint, empfiehlt das Buch “Allahs Sonne über dem Abendland” (Sigrid Hunke). Ein Blick auf Wikipedia hätte genügt, ihm, dem Todenhöfer, zu zeigen, wessen Buch er da empfiehlt und dadurch auch eine Interpretationshilfe an die Hand zu bekommen, die ihm zu einer tolerierbaren Einschätzung des Buches verholfen hätte.

Wikipedia schreibt zur Verfasserin:

>> Sigrid Hunke … studierte systematische und vergleichende Religionswissenschaften, Philosophie, Psychologie und Journalismus in Kiel, Freiburg und Berlin.
An der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin wurde sie bei dem einflussreichen Rassentheoretiker des Dritten Reichs Ludwig Ferdinand Clauß mit einer Dissertation über Herkunft und Wirkung fremder Vorbilder auf den deutschen Menschen 1941 promoviert. 1940 bis 1941 war sie zusammen mit ihrer Schwester Waltraud Hunke im „Germanischen Wissenschaftseinsatz“ der SS tätig; sie erhielt ein Stipendium des SS-Ahnenerbes und veröffentlichte in dessen Zeitschrift Germanien.
Das Christentum wurde von ihr als „artfremd“ und „orientalistisch“ bzw. „jüdisch“ abgelehnt; sie suchte nach eigenen europäischen Weltdeutungsmustern und germanischer Mystik. Nach der Eheschließung mit dem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) Peter H. Schulze lebte sie ab 1942 zwei Jahre in Tanger, damals Spanisch-Marokko, wohin Schulze abgeordnet worden war.[2] …
Bekannt wurde sie insbesondere durch ihr Werk ‚Allahs Sonne über dem Abendland‘ … Für dieses Buch ehrte sie der Oberste Rat für islamische Angelegenheiten in Kairo, dessen Mitglied sie wurde.
In den 1950er Jahren trat sie der Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft bei, deren Vizepräsidentin sie von 1971 bis 1983 war. Später wurde sie auch Ehrenvorsitzende der Deutschen Unitarier. Sie verließ diese dann jedoch wegen angeblicher „Linkstendenzen“ und trat dem Bund Deutscher Unitarier – Religionsgemeinschaft europäischen Geistes (BDU) bei, der sich 1989 von den Deutschen Unitariern abgespalten hat und die Zeitschrift Glauben und Wirken herausgibt.
Ab 1986 war Hunke ständige Mitarbeiterin im Thule-Seminar.[3] Laut Felix Wiedemann war sie auch Mitglied dieser rechtsextremen Vereinigung.[4] Sie publizierte auch in Elemente zur Metapolitik, der Zeitschrift des Thule-Seminars. … <<

Wir haben es also mit einer rechtsradikalen, völkischen und der Rassenlehre zugeneigten Autorin zu tun. Als wir im Rahmen politischer Weiterbildung Mitte der Siebziger auch Textauszüge aus dem vorgenannten Buch lasen, war uns in meiner Erinnerung klar, daß das Machwerk in den Bereich der allgermanischen Mystik gehörte. Das lag allerdings auch in der Autorin begründet, die ja bis zuletzt nicht von ihrer rechtsradikalen Gesinnung ließ.

Dieses Buch empfiehlt nun Todenhöfer als Geschenk für Moslime. Ist das Leichtfertigkeit oder doch politische Indoktrination? Ist das Ignoranz oder Kalkül? Was auch immer es sei. Es scheint mir auch für jene ratsam zu sein, die ihm, Todenhöfer, sein Engagement bislang als das abnahmen, als das er es erscheinen läßt, Vorsicht walten zu lassen.

Eine schöne Rezension zu “Schöne kleine Stadt”

Posted on | Juli 28, 2015 | No Comments

“Auch den Ausdruck seiner Sprache hat der Schriftsteller dem Ort angeglichen, freundlich, etwas altmodisch, gemütlich, so wie 1862 die ersten Züge auf eisernen Schienen nach Ochsenruft rollten „ohne dass die Reisenden irre würden“ wie es die Ärzte damals voraussagten, bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h. „Was stirbt, ist niemals tot, solange man seiner noch gedenkt“ schreibt Leander Sukov bei seinem Rundgang und sieht im Geiste Soldaten, Söldner, Ritter und Landsknechte, denn „ohne Gestern gibt es auch kein Morgen.“

Man sollte besser reisen, nicht rasen, genießen und einen Moment innehalten und die schmucken Städtchen am Wegesrand haben einen Besuch verdient.”

Hier geht es zum vollständigen Text

Wir, die demokratischen Kräfte

Posted on | Juli 25, 2015 | No Comments

Wir, die demokratischen Kräfte in den sogenannten entwickelten Ländern, wir, von wertkonservativen Humanisten bis zu radikalen Linken, wir, die wir in den Traditionen von Robert Blum oder Karl Marx stehen, von Matthias Erzberger, Philipp Scheidemann oder Rosa Luxemburg, von Ludwig Erhard, Kurt Bachmann oder Willy Brand, wir, die wir uns nicht bereichern wollen an der weltweiten Armut und nicht die Welt für uns und unser Wohlergehen auszubeuten trachten … wir, die wir uns auf der Linken zerfasern im Kampf um die reine Lehre und wir, die wir in der demokratischen Mitte uns selbst blenden mit der Idee der Realpolitik, die von unserer Hand in nur unseren Mund führt und die uns nicht satt, die Hungrigen aber hungriger noch macht … wir sind es, die die Verantwortung tragen für 50 Millionen Tote jedes Jahr. Wir sind die einzigen, die in der Lage wären, über die schreckliche Heimeligkeit des Nationalstaates hinaus zu gehen. Wir sind nicht nur das Gegenteil derer, die im Menschen Humankapital sehen und in der Welt eine Ressource, die zu plündern erlaubt sei, sondern auch jener, die nationalistische, chauvinistische, rassistische und faschistische Heilslehren verkünden, welche nichts als Krieg, Mord, Not und Elend brächten, kämen sie zur Entfaltung.
Uns trennen unsere Weltsichten. Uns muss der Wille vereinen auf humanistischer Grundlage und wehrhaft gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur, auch gegen den Krieg als Fortsetzung von Politik mit anderen Mittel Wege zu finden.

Das weinende Mädchen

Posted on | Juli 17, 2015 | 7 Comments

Die ältere Frau umfaßte das weinende Mädchen. Sie strich ihm zärtlich über den Kopf. "Du hast alles richtig gemacht", sagte sie. In den Minuten vorher hatte es der Frau von seiner Familie erzählt; das war ihm schwergefallen, die Überwindung hatte bleiern auf ihm gelegen, als würde sich die Vergangenheit beim Erzählen in schwere stumpfsilberne Barren verwandeln.
Jetzt weinte das Mädchen.
"Ich kann Euch doch nicht alle ernähren", sagte die Frau, "es geht einfach nicht." Sie standen an der Klippe. Die Frau strich dem Mädchen noch einmal über das Haar. "Ich werde Dich hinunterstoßen müssen, hab‘ keine Angst, es ist nötig, ich mache es nicht gern." Nach einer Pause fügte sie leise hinzu "Bitte versteh‘ mich doch." Dann fiel das Mädchen.
Im großen Farmhaus war der Tisch gedeckt. Heute erwartete man die Farmer aus der Nachbarschaft. Da ließ die Frau sich nicht lumpen. Die Kassen wären gut gefüllt, hatte ihr der Großknecht gesagt, ein alter Mann schon, mit einem Holzbein. Sie mochte den Großknecht. Er tat, was sie ihm hieß. Loyal nannte sie das. Und noch nie war es nötig gewesen, daß sie sich hinter ihn stellte.

Die ewige alte Zeit

Posted on | Juli 12, 2015 | 1 Comment

Trainingshose. Hand zum Deutschen Gruß erhoben.
Und jetzt die Revivaldemonstration.
Das Pack gibt das Pack. Das Stück ist bekannt.
Dass sich von denen in Freital noch keiner
in die Trainingshose gepisst hat, dauert mich.

Da zittern die morschen Knochen,
und wenn das Blut vom Messer spritzt …
Sing mein Sachse sing …
dann geht’s nochmal so gut.

Da ist sie wieder die ewige alte Zeit.
Die Wölfe heulen nicht nur im Mai.
Es reicht nicht, dagegen anzureden.
Es reichen keine schönen Worte.
Der Mob hört nicht zu. Der Mob schlägt zu.

Denn da zittern die morschen Knochen,
und wenn das Blut vom Messer spritzt …
Sing mein Sachse sing …
dann geht’s nochmal so gut.

Das ist er, der völkische Dreckshaufen.
Mach was Du willst. Sie schreien ihre Gülle drüber.
Wegen der Farbe, wegen des heimeligen Geruchs.
Sie sagen Deutschland! und meinen Schaftstiefel.
Sie sagen: Freiheit des Wortes. Und meinen Freiheit zu hassen.
Sie sagen: Wirtschaftsasylant und sagen Lügenpresse.
Und meinen: Untermensch und wollen den Stürmer wieder haben.

Und singen: Da zittern die morschen Knochen,
und wenn das Blut vom Messer spritzt …
Sing mein Sachse sing …
dann geht’s nochmal so gut.

Beklagenswertes Klagenfurt (Same procedure as last year)

Posted on | Juli 11, 2015 | No Comments

Animiert durch den Artikel von Georg Diez bei SPON habe ich mir jetzt nochmal die Lesung und die Diskussion von und über Ronja v. Rönne angehört. Beim Text bleibt mein Urteil, wie es war. Es ist ein auf den Anlass Klagenfurt geschriebener Aufsatz, der sprachlich nicht über die Ebene "mein schlimmstes Karlsruheerlebnis" hinauskommt und auch ansonsten eher flach bleibt.
Aber die Mängel des Textes verblassen hinsichtlich der schrecklichen Mängel der Literaturkritik, die dort gezeigt wird. Die ist in der Tat von allen Übeln, die man sich vorstellen kann für Literatur und Kunst.
Nachdem die Römer die Iberische Halbinsel unter dem Druck der Germanen verlassen hatten, versuchten die germanischen Sueben die römischen Kunstwerke zu verstehen und nachzubilden. Es gelang nicht. Man sich die Unterschied heute noch leicht überall dort ansehen.
Bei der Literaturkritik ist das literarische Reich gleich mehrmals untergegangen. Das liegt an der Biologie. Auch dringend benötigte Kritiker leben nicht ewig. Karl Krauss, Marcel Reich-Ranicki und Fritz J. Raddatz sind leider verstorben. Dass damit aber nunmehr nur noch suebisches Mangelhandwerk in den Stuben der Kritiker ausgeübt wird, dass da in Klagenfurt, wo man das Erbe von Ingeborg Bachmann schützen und mehren und nicht verhöhnen und erniedrigen sollte, sich unterhalten wird über einen Text auf dem Niveau der Aufsatzkritik in der Mittelstufe einer höheren Schule ist ohne Frage ein Schrecken. Selbst dann, wenn es sich um einen Schulaufsatz handelt und nicht um einen literarischen Text. Der dargebotenen Kritik geht es nicht um das Innere eines Textes, um seine Konnotationen und die Frage, ob die Sprache den vermuteten Inhalt auch zu transportieren in der Lage wäre. Da tätscheln vertantete und veronkelte Damen und Herren jungen AutorInnen den Kopf und ohrfeigen sie gleichzeitig präventiv, weil sie nicht begreifen wollen über was die AutorInnen dort schreiben. Und im geistigen Verständnisraum dieser Tanten und Onkel wird nach dem Subtext nicht mehr gefragt. Da wäre Moby Dick ein Roman über ein Walfangschiff, seinen Kapitän und einen weißen Wal. Fragen würde man allenfalls, wo der Harpunier denn seine Tätowierungen hat machen lassen oder wie eigentlich die Kombüsen ausgesehen hätten. Und dann würden die Onkel und Tanten Kritiker noch von einer kleinen Schiffsreise erzählen.
Das ist eben keine Literaturkritik. Das ist Gelaber über Literatur.

BILD: Pickelhaubenkanzlerin

Posted on | Juli 7, 2015 | 1 Comment

11693942_1600160076913438_7016403640154484365_nNicht nur die Schwalben fliegen hoch unter der brennenden Sonne, heute, am siebten Juli 2015, zweihundertundvier Jahre nach der Niederlage Frankreichs gegen die Truppen Preußens und seiner Verbündeten, nein, auch das deutsche Wesen schraubt sich in den Himmel. Dieses kalte, böse Federvieh, von dem nicht nur die Demokraten hofften, es möge kein Phönix sein. Doch aus der Asche der großdeutschen Herrlichkeit, aus dem Brandrückstand, der Bismarck’schen Politik erhebt sich der Vogel nun wider Einsicht, Vernunft und Anstand.
Die BILD-Zeitung, von der die ÄRZTE richtig singen, sie bestünde aus  Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht, titelt mit der Eisernen Kanzlerin. Einer Merkel mit Pickelhaube.
Das also will der ungebildete, aber oftmals durchaus mit akademischen Meriten ausgestattete Teil der völkischen Rechten und nationalen Konservativen, der Gabriel-SPD, die einschwenken soll auf PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands) und andere Vergangenheitsgespenster, jedenfalls wenn es nach Gabriel, dem Vorsitzenden der SPD, ginge. Da kommt die titelbildende Pickelhaubenkanzlerin schon recht.
Seit Jahren, seit Beginn der sogenannten Griechenlandkrise, die eigentlich eine europäische Krise ist, wird gelogen und betrogen. Die Elite der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Hegemonialstaaten befindet sich in der Tat im Krieg. Da sind zum einen die rechtsradikalen Chauvinisten, wie der Front National in Frankreich oder die AfD in  Deutschland. Da sind aber auch jene Bürger Europas, die sich die neoliberale Sparpolitik nicht mehr gefallen lassen wollen. Es gibt sie in Deutschland und in Spanien, in Portugal und, nunmehr als Regierungspartei in Griechenland. Sie wollen ein anderes Europa. Eines mit humanistischen Werten und Solidarität. Und in der Tat wird offenbar, dass die gegenwärtige Verfasstheit Europas inhumane Resultate zeitigt und entsolidarisierend wirkt.
Man hat den Bürgern hier erklärt, die Griechen erhöben nicht genügend Steuern von ihren Reichen, den Reedern zum Beispiel, aber nicht mitgeteilt, dass die Steuergesetzgebung der deutschen in diesem Falle gleicht. Und Deutschland ist nur ein Beispiel. Würde man die sogenannte Tonnage-Steuer in Griechenland aufheben, zögen die Reeder ein paar Länder weiter. Nach Spanien oder nach Deutschland (zum Beispiel).
Beispiele wie dieses lassen sich für jeden Bereich finden, in denen die EU und die Weltbank von Griechenland Einnahmenerhöhung oder Kostenminimierung fordern.
So beschwert sich der IWF darüber, dass die Militärausgabe zu hoch sind, während zugleich die NATO darauf besteht, dass der Verteidigungsetat nicht angetastet wird. Die Akteure sind im Wesentlichen die gleichen.
Nun also Angela Merkel als Bismarck auf dem Titel der BILD. Die eiserne Kanzlerin. Zugleich verschicken der EU-Parlamentspräsident und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eine Emser Depesche nach der anderen nach Athen. Man will Reaktionen provozieren. Man will den Knall, die Explosion, man will die unbotmäßigen Griechen einnorden und gefügig machen. Nur darum geht es. Um den Putsch in Griechenland, die Intervention von außen und den Rücktritt der linken Regierung. Das ist eine Politik – in der Tat – wie von Bismarck. Wäre es nicht so abstrus, man könnte meinen, die militärische Intervention als Ultima Ration würde bei manchen schon mitgedacht. Aber abstrus wären mir auch vor 5 Monaten die Handlungen der EU-Gremien erschienen. Es scheint mir sinnvoll nichts mehr auszuschließen.
Nach dem Memorandum, gegen das zu wettern kein noch so dummes Argument ausgelassen wurde, steht die griechische Regierung gestärkt da. Sechzig Prozent der Wahlberechtigten stimmten ab und davon sechzig Prozent wiederum für den Vorschlag der Regierung. Diese Stärkung ist es, die zwar die Idee eines Putsches durch das Militär mit Rückendeckung der EU-Gremium weiterhin abstrus erscheinen lässt, aber nicht völlig verstiegen.
Griechenland ist das Opfer eine völlig verfehlten Vereinheitlichungspolitik des Wirtschaftsraumes Europa. Aber Vereinheitlichung war nie gewollt. Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien hatten niemals ein Interesse daran, ihre, für die anderen Mitgliedsstaaten und auch untereinander ruinöse Außenwirtschaftspolitik, also ihr nationales Interesse einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen. Das Lohndumping in Deutschland hat dazu geführt, dass dem Wirtschaftsraum Europa in erheblichem Maße Schaden zugefügt werden. Wir haben die anderen vom Markt geputzt. Zugleich aber wird das vereinte Europa als Ideal gezeichnet.
Was man braucht in Europa ist eine Vereinheitlichung des Fiskalsystems, gleiche Steuern für alle international wirkenden Steuererhebungen, zum Beispiel für Reedereien. Wir brauchen einen Länderfinanzausgleich, der zur Strukturangleichung führt, ein weitgehend gleiches Sozialsystem, das für alle Europäer überall zugänglich ist, nach einer Übergangszeit für bestimmte Länder, bei denen sonst entweder industrielle Einbrüche oder Preisexplosionen zu erwarten sind, einheitliche und hohe Mindestlöhne, ein Flächenstrukturprogramm für ländliche Räume und das Verdorren der Infrastruktur dort zu unterbinden. Für Griechenland brauchen wir sofort einen Schuldenschnitt, wie für Deutschland in den fünfziger Jahren, wir brauchen gezielte Investitionsförderung in die Bereiche medizinische Versorgung, Schulen und Universitäten, Renten und Pensionen, Landwirtschaft und Klein- und mittelständische Betriebe.
Mit medialer Aufrüstung, wie durch die BILD, mit der Übernahme großdeutscher Gedankengänge in die deutsche Europapolitik gefährdet man Europa.
Und man muss im Klaren darüber sein, dass ein wieder zersplittertes Europa eine innereuropäische Kriegsgefahr mit sich bringt. Wenn der imperialistische Block Europa durch die imperialen Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien ersetzt würde – die Welt würde unsicherer.

Schöne kleine Stadt

Posted on | Juli 3, 2015 | No Comments

9783943977639Dieser Tage erscheint neu die kleine Novelle “Schöne kleine Stadt”. Eine Novelle über Ochsenfurt, das in der Tat und man braucht keine Fünfe grade sein zu lassen, nichts unter den Teppich zu kehren und kein Auge zuzudrücken eine schöne kleine Stadt ist. Eine alte noch dazu. Und in ihr leben viele gute Menschen. Und das “gute” meint gut in allerlei Hinsicht. Nehmen S’ es im üblichen Sprachgebraucht, als religiöse Wendung oder philosophische Aussage. Das gut bleibt gut. Nehmen S’ also auf jeden Fall wörtlich.

Der Verlag schreibt auf seiner Website dazu das Nachfolgende. Vorher aber möchte ich Sie alle recht herzlich zur Buchvorstellung in der KEMENATE, dem Literaturhaus in Ochsenfurt, einladen. Sie findet am 9. Juli 2015 ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, man steht aber nicht an, Sie um Spenden anzugehen. Seien Sie gewappnet.

Eine kurze Zeitreise durch eine schöne kleine Stadt. Durch alte Gassen und entlang historischer Stätten.
Eine Reise gemeinsam mit den Gespenstern der europäischen Geschichte, ihren Heldinnen und Helden.
Eine Novelle, die die Verbundenheit des Schrift stellers Leander Sukov zu seiner Wahlheimat zeigt.
Ich geh die Gasse zum Spital. Ein schöner Hof, rot-weiß die Blumen am Balkon. Die alte schöne schlichte Kirche. Hier hat man sich um die gekümmert, die Hilfe brauchten. Die Reisenden, die Kranken dann, die Armen und die Alten, hier fanden sie Barmherzigkeit. Und vorher schon die Faselnden, die aus der Wirklichkeit verrückten; Volksküche war das Haus und Frauengefängnis, Kinderbewahranstalt und Schule. Die armen Schulschwestern halfen hier den Menschen einhundertdreißig Jahre lang.
Da kommen sie aus Goßmannsdorf und aus den andren Dörfern, um sich mir zu zeigen. Die Toten und die Geißler, die Ärzte mit den Aderlass-Bestecken, mit Vogelmasken, und alle beten. Doch keiner liest, was anderswo doch schon bekannt und auch schon in Latein zu wissen wäre: dass nicht die schlecht Luft die Krankheit bringt, denn es ist die Konstellation von Mars, Jupiter und Saturn, die Schuld trägt an der Seuche. Das hat die medizinische Fakultät der Universität zu Paris herausgefunden. Gelehrte Männer allesamt, die dort geforscht haben im Auftrag Philipp des VI. Miasmen, faulig riechende Winde, aus dem Inneren der Erde, glauben die da in den Vogelmasken, bringen die schwarzen Geschwüre, den schwarzen Tod, und dabei sind’s die Sterne.
Englische Broschur, 10 x 16 cm — 128 Seiten

Wirtschaftsflüchtlinge

Posted on | Juni 20, 2015 | No Comments

Zwanzig Menschen in einem Container.
Es stinkt, das Wasser ist knapp,
Es ist dunkel, die Hitze kaum zu ertragen.
Jemand öffnet die Tür.
Sie hören das Durchladen der Waffen.
Dann Schüsse. Wortlos.
Die meisten sind tot.

Er lebt in einem Zweibettzimmer.
Man gibt ihm Essensgeld und Kleidung.
Kein Achtzehn ist er.
Er hat sich hinter den Leichen versteckt
bis zur Nacht.
Er hat in fremdem Blut gelegen stundenlang.
Danach fragt hier keiner.
Das ist nicht von Belang.
Sein Albtraum ist sein Albtraum.
Teilen kann er ihn nicht.
Psychologische Betreuung — Fehlanzeige.

Wenn er achtzehn ist, in ein paar Wochen
wird man ihn und seinen Albtraum
einen Ort weiter schicken.
In ein Vierbettzimmer. Zu den anderen Albträumen.
Die auch keinen interessieren.
Zu denen, die man wochenlang zusammenschlug.
Zu denen, die sahen, wie man ihre kleinen Schwestern vergewaltigte.
Zu denen, deren Mütter erschossen wurden
und deren Väter man auf dem Dorfplatz aufhängte.
Zu denen, mit der verbrannten Haut,
zu denen, mit den verlorenen Träumen.
Zu den anderen Wirtschaftsflüchtlingen,
also zu denen, die vor dem Ergebnis unseres Wirtschaftens flüchten.
Zu uns.

Kleine Boote

Posted on | Juni 20, 2015 | No Comments

Timi isst Eis.
Unterm Himmel Wolken so weiß
wie die Sahne auf Timis Becher.
Das Rathaus ist alt, und alt ist die Stadt.
Kein Wind zieht über die Dächer.

Lucky trinkt Tee.
Damals über der See
Warf sich ein Sturm auf die Boote.
Die Boote so klein, der Hunger so groß.
Kein Wasser und keine Brote.

Wieviel Schritte geht einer der geht
von Abouja zu Fuß an die Küste.
Drüben Europa. Die Mutter weiß nichts.
Sie ließ‘ sie nicht gehn, wenn sies wüsste.

Über das Meer. Das Boot ist so klein.
Man sieht es nicht zwischen den Wellen.
Tief in Wellentäler taucht es hinein.
Kein Licht um die Nacht zu erhellen.

Timi isst Eis.
Lucky trinkt Tee.
Unterm Blau die Wolken so weiß,
Wie die Sahne auf Timis Becher.
Kein Hauch geht über die Dächer.

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