Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Geschrieben am | 10.November 2013 | 3 Kommentare

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Deutsche Flicht

Geschrieben am | 19.April 2014 | 0 Kommentare

390px-Canis_lupus_tracks_in_sand Und auf dem Marktplatz irgendwo
denkt der und der Maidan als Wort und Hülse
denkt an den Platz wo es ja auch gelang,
den Zorn zur Wut zu degradieren die blind macht
und träumt sich hier den eignen rechten Sektor schon herbei
wo früher Sektorengrenze war
an diesem Montag
im leichten Nieselregen hebt hoch ein anderer
ein Schild: Demokratie ist
Volkstod | Reichsadler
auf schwarzen T-Shirts
sitzen den Trägern im Rücken.
Wo unrechts zu Recht wird
wird Widerstand zur Flicht
so schreibts der Herrenvolksvertreter
dem Volk auf das Plakat
und von einer fernen Insel kommt
der Popp der tausend Theorien.
Dazwischen tief bewegt vom Frieden
nette Leute, die Freiheit meinen, wenn
sie Freiheit sagen und meinen nicht
alldeutsche Vereinigung.
An diesem Montag
ziehen Wölfe durch die Straßen
schon vor dem Mai
und mehr als zwei
doch die Schafe wollen nicht auf die Schäferin hör’n
mag sie noch so oft schwör’n
es sei das Fraßlied aus alter Zeit
und es sei bald so weit, ja, es sei bald so weit.

(Die Schreibweise Flicht statt Pflicht habe ich der Wirklichkeit entnommen)

Monday, Monday …

Geschrieben am | 12.April 2014 | 0 Kommentare

300px-Solid_black.svg Die Probleme der und mit den sogenannten neuen Montagsdemos, also mit Ken Jebsen und Konsorten, wiegen nicht so viel, wie manche glauben und liegen im Zerfall linker Intellektualität ebenso, wie im Verfall linker Massenwirksamkeit.
Die Probleme wiegen deshalb nicht so schwer, weil zwar Teilnehmer, längst nicht alle nehme ich an, der Demonstrationen glauben, sie wären etwas, das sie "das Volk" nennen. Aber sie sind es gar nicht. Das Volk sind alle hier. Inklusive Mehdorn und Merkel, Kauder und Katzenberger, Sigmar Gabriel und Gunter Gabriel. Das sind die Bauern aus Oberbayern, die Techniker im Hamburger Hafen und die Lufthansapiloten. Auf jeder Esoterikmesse läuft mehr Anteil vom Volk auf, als auf den Demonstrationen.
Das andere, das größere Problem, ist, dass wir nicht das Kind mit dem Bade ausschütten dürfen. Selbstverständlich ist es problematisch, dass sich Ken Jebsen und Organisatoren nicht distanzieren von Reichsdeutschen, Freunden der Reichsflugscheibe, Menschen, die glauben Rothschild würde die Fed (die man so schreibt und nicht FED und die keine Privatbank ist) kontrollieren und den ganz normalen links, wie rechts anzutreffenden Antisemiten. Das mag vielleicht seinen Grund darin haben, dass man eine Klammer schaffen will, um auf diese Irren einzuwirken. Nicht nur mir scheint das falsch zu sein. Ich denke, man muss sie marginalisieren und das Völkische in der rechten Ecken stehen lassen, bis es verschimmelt.
Auch spielt man mit Stereotypen, von denen manche antisemitisch sind. Die Behauptung die Fed sei schuld an allen Kriegen der letzten 100 Jahre bedeutet, dass man Deutschland aus der Kriegsschuld für den Zweiten Weltkrieg nimmt. Das mag unbedacht gesagt worden sein oder ist, das nehme ich eher an, eine Art von Verfolgungswahn. In jedem Fall ist es aus der Wirklichkeit hinausgeschoben und hinein in das Reich der Halluzinationen. Es hätte weder publiziert noch öffentlich gesagt werden dürfen. Die Aussage kam allerdings nicht, dies merke ich ausdrücklich an, von Ken Jebsen, sondern soll von Lars Mährholz kolportiert worden sein. Einlassungen dieser Art laden dazu ein Geschichtsklitterung und Relativierung zu betreiben. Und so dauerte es auch nicht lange, bis hier und da die eindeutig Rechten, die Faschisten, erkannten: Das ist der Weg Shoa und Krieg der Wallstreet anzuhängen. So etwas kommt heraus, wenn man als angehender Volkstribun unklar bleibt und sich von Verschwörung umgeben sieht. Natürlich bezogen sich die hundert Jahre auch auf den "Geburtstag" der Fed. Geschaffen hat man aber einen Tanzboden für Reichsdeutsche, Neofaschisten und großdeutsche Volkstümler.
Auch Ken Jebsen läßt immer mal wieder einen Satz fallen, der dazu führt, dass sich die doitschen Buben und Mädel recht wohl bei ihm fühlen. Wer, wie Ken Jebsen behauptet, dass die Zionisten Israel okkupiert hätten, wie die Nazis 33 Deutschland redet einen gefährlichen Unsinn. An dem Satz ist alles falsch. Einmal abgesehen davon, dass den Nazis 1933 die Macht übergeben worden ist, gibt es weder Vernichtungslager in Israel, noch ein Einparteiensystem, keine Gestapo und keine SA und SS. Jebsen spielt mit Einlassungen solcher Art ein gefährliches Spiel. Er muss das beenden, auch auf die Gefahr hin, einen großen Teil seiner sichtbaren und unsichtbaren Anhänger zu verlieren.

Die, die auf diese Montagsdemos gehen, sind indes keineswegs und keinesfalls alle rechts, esoterisch, fehlgeleitet. Nein, es sind in der Tat viele ganz normale Menschen darunter, die nicht seit Jahren politisch aktiv sind, es sind Mitglieder der LINKS-Partei darunter, Grüne, Sozialdemokraten, Kommunisten aller Schattierungen. Und das ist mir durchaus recht. Es wäre keine gute Idee, diese Veranstaltungen den rechten, von der AFD bis Reichsdeutschen, zu überlassen. Es ist die Aufgabe gegen krude Ansichten von der Welt anzukämpfen und das kann man in diesem Falle nicht aus der Ferne. Es ist aber auch nicht sinnvoll, diese Demonstrationen zu verstärken.
Man muss zurück zur eigenen Handlungsfähigkeit kommen. Ein langer Weg der da zu gehen ist. Und einer, der nur dann bewältigt werden kann, wenn man zuhört, wenn man über Trennendes hinweg zu einer Einheit der Demokraten kommt und dann, ich sagte es schon, die in der rechten Ecke stehen läßt, die dorthin gehören. Ein erster Schritt ist es, entschieden dem Unsinn entgegenzutreten, Links und Rechts gäbe es nicht mehr, und folglich auch keine Mitte, die wir aber brauchen, weil die bürgerlichen Demokraten von hoher Wichtigkeit sind. Diese Vernebelung ist schon in der Weimarer Republik immer nur von Rechts gekommen. Wer das Vorhandensein von politischen Richtungen verneint, offenbart seine. Er ist rechts.

Nachtrag:

Ich bin übrigens seit mehr als 40 Jahren politisch aktiv. Und ich kann versichern, wenn mehr als 20 Leute zusammensaßen, -standen oder zusammen demonstrierten in diesen 40 Jahren, konnte man davon ausgehen, dass mindestens einer dabei war, den es seitwärts aus der Wirklichkeit verrückt hatte, ein Verrückter also. Die gibt es überall. Aber meistens ist es gelungen, sie nicht auch noch Aufrufe schreiben und Reden schwingen zu lassen.

Ochsenfurter Rundgang

Geschrieben am | 31.März 2014 | 0 Kommentare

Ochsenfurt_Alte_Mainbrücke_1939 Das soll ein kleines Büchlein werden. Nach Uhrzeit sortiert. Und natürlich (also keine Angst …) wird es nicht zu allen Stunden solche Bilder geben:

9 Uhr

Der Main fließt wintersträge noch, doch ist die Luft schon frühlingswarm. Ich lieg im Gras, der Himmel über mir ist kitschig blau, es kreisen Vögel hoch unter keinen Wolken. Die ersten Bienen niedrig über ersten Blüten. Die Zweige alter Bäume tragen Knospen. Das wird ein gutes Jahr.
Wie Nebel bilden sich zwei Schemen neben mir. Und aus den Schemen werden Leiber, Menschen. Ein Mann und eine Frau, noch jung. Feldgrau ist seine Uniform, ins Gras geworfen ist das Barett und der Tornister. „Den ganzen Weg bin ich gerannt“, sagt er, „ich habe eine halbe Stunde nur, dann geht der Zug“. Sie weint, sie nimmt ihn in den Arm und küsst ihn. ‚Inniglich‘, denk ich, ja inniglich, das ist das rechte Wort für diesen Kuss‘. Ich fühle mich, wie aus der Zeit und auch dem Raum genommen. Es ist als wäre ich nicht dort, wo ich doch bin. Verändert hat sich nicht der Main. Doch fehlt die neue Brücke nun. Und auch die Häuser, Menschen, Boote sind verändert. Es ist, als blickte ich auf eine Leinwand. Um mich das Dunkel des Kinosaals, und vor mir der Film, die falsche Wirklichkeit. Doch das hier hat nicht Schauspieler und Regisseur, die Requisite wird vom Leben selbst verwaltet. Das hier ist wirklich, denn es wirkt auf mich. Bin ich am falschen Ort zur falschen Zeit? Hat eine Zeit, ein Ort von fern in meine Zeit, zu meinem Ort sich ganz verirrt?
Der Junge sagt, der Krieg, er würd‘ nicht lange dauern. Schon bald würd‘ er ihr aus Paris Parfum nach Franken schicken und käm‘ dann selbst auch bald nach Hause.
Und wieder liegen sie sich küssend in den Armen. Von Liebe reden sie, und über gegenseitige Versicherung von Treue und Angedenkens kommen sie zu ihrer Zukunft. Sie sagt, die Eltern würden ihn sehr mögen, er könne sicher sein, mit einzutreten ins Geschäft. Und Kinder haben würden sie, sagt er, wie Orgelpfeifen.
Ich seh, wo sie ihr rechtes Bein über das seine legt, das Blut. Seh unter ihrem Schuh, dem weißen Strumpf, dem bunten Rock, die abgerissenen Beine. „Er kommt nicht wieder“, sage ich. Doch was ich sage, kann die beiden nicht erreichen, es bleibt in meiner Zeit. Ich hör ihn schreien, betteln, seh ihn starren auf seine abgeriss’nen Beine, seh, wie er versucht sich aufzurichten. Ich seh, wie er versucht, zu seinen Stiefeln hinzukriechen, in denen seine Schenkel stecken, die jetzt nichts mehr mit ihm verbindet. Sie küsst ihn, sagt, sie freue sich schon auf den Tag, wo er zurückkommt. Die Kapelle würde spielen für ihn und seine Kameraden auf dem Perron. Und sie würd‘ dort sein mit den anderen und fiel ihm um den Hals dann. Ich hör, wie seine Schreie schwächer werden, wie sie ersterben und er stirbt. Ich kann den Anblick nicht ertragen und wende meine Blicke ab von ihm und hin zum Main und als ich dann zurückblick auf den Platz im Gras, da neben mir, ist da nur Gras und ein paar Blüten, kein Halm geknickt und frühe Bienen suchen Nahrung.

Zur aktuellen Lage: Die ethischen Grundlagen des bürgerlichen Staates

Geschrieben am | 25.März 2014 | 1 Kommentar

PDF des Artikels: Hier klicken

Vorbemerkung

Maerz1848_berlin Die Errungenschaften der bürgerlichen Revolutionen in Frankreich, der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten, der deutschen Revolution von 1918 und der russischen Februar-Revolution von 1917 sind, wenn auch sehr unterschiedlich ausgeprägt und sozialen Schichtungen überlagert, konstitutionell für die Entwicklung eines demokratischen Gesellschaftsplans. In den revolutionären Ereignissen von 1848/49 und zum Teil bereits in der Alten Eidgenossenschaft (1291) schlug sich das Ziel nieder nicht, mehr unter der (gottgewollten) Herrschaft eines Adels zu leben. Die Citoyens wollten ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen.

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Die Halbwesen.

Geschrieben am | 7.März 2014 | 0 Kommentare

Bundesarchiv_Bild_183-74237-004,_KZ_Auschwitz-Birkenau,_alte_Frau_und_Kinder Schon die Wortwahl, diese Fehlleitung des Zuhörenden, diese, ich unterstelle allerdings Absicht, schöngeistige Sprache, die ihr dann nichts anderes ist, als die Fackel mit der sie das Haus der Werte anstecken will. Natürlich ist von Lewitscharoff die Rede und von ihrer Ansprache an ein Publikum, welches – wer erwartet schon von einer wie ihr, das, was dann kam – ihr applaudierte und nicht entgegenrief, was gerufen hätte werden sollen.
"Machination", das Wort ist allenthalben im Text zu entdecken. Da liegt die gewollte Fehlinterpretation. Denn wer weiß schon, was dieses Wort bedeutet, das so schön nach Künstlichkeit, Produktion und Maschine klingt und gar nichts damit zu tun hat, sondern bedeutet, eine unlautere, verdeckte Handlung um des eigenen Vorteils willen zu begehen. Sie hätte das so sagen können, hätte sagen können: Die Eltern, die lesbischen Paare, die sich Kinder machen lassen durch einen Eingriff von dritter Seite, begehen eine unlautere, verdeckte, klandestine Handlung, nur zu ihrem eigenen Vorteil. Dann allerdings hätte sie schon im Saal mit Widerspruch rechnen können. Da klingt Machination doch eleganter durch den Raum.
Was uns da, von der ersten, bis zur letzten Zeile, aufgesagt wird, die die große Erzählung vom schönen Gestern, in dem erlaubt war, was gefrommt hat, in dem es noch mit rechten, biologischen Dingen zuging, in dem Gott regierte und den Menschen Verantwortung abnahm, in dem es also noch eine Obrigkeit gab und die Wesen, ganze Menschen allesamt, die unter ihr ein Leben führten, das fern war von der Bürde der Eigenverantwortlichkeit, der Solidargemeinschaft. Ein Leben, in dem Schicksal hingenommen wurde, gottgegeben. Und diese Zeit, bitte schön, möge doch wiederkommen, eine Zeit, in der Väter sich nicht selber henkten, in der Mütter ihren Platz kannten und Gott noch nicht tot war.
Eine Welt war das, in der Halbwesen nicht das reagenzglasgebrochene Licht der Welt erblicken, in der Lesben und Schwule wussten, dass es sich für sie nicht gehörte, solcher Art Nachwuchs zu züchten und in der es, eine leichte Nummer gegenüber dieser Verderbtheit des Jetzt, allenfalls die Arierzuchtanstalten der Nazis gab.
Halbwesen, blonde Frauen, blonde Männer, Lebensborn, Gott über allen und mit uns. All das schwebt im Subtext der lewitscharoffschen Rede, wird in vier, fünf Absätzen nach oben gewirbelt, ergibt ein Bild des Gewässers, in dem gefischt wird. Lasst uns über Halbwesen reden in der Zeit der Zuchtanstalten. Lasst uns reden über Kinder in Ausschwitz, über die Halbwesen, nicht Mensch, eher Ratte, im Blick ihrer Mörder, lasst uns über Halbwesen reden. Weil angesichts dieser Rede so darüber geredet werden muss, weil man gar keinen anderen Weg hat, wenn man nicht zulassen will, dass sich der gefährliche Unsinn verbreitet, den die Lewitscharoff in ihrer großen Not abgelassen hat.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-74237-004 / CC-BY-SA

Sex ist Bäh!

Geschrieben am | 20.Februar 2014 | 0 Kommentare

328px-De_Selbstbefleckung_Tissot_01_cropped Ich verstehe eine Pointe nicht. Kann die ZEIT sie mir erklären? Ich hätte allerdings vorher ein oder zwei Fragen. Zunächst aber das sprachliche Corpus Delicti. Diether Dehm soll einen Witz gemacht haben. Er bestreitet das. Es kommt mir auch überhaupt nicht darauf an, ob er ihn gemacht hat oder nicht. Ich würde gerne die REAKTION erklärt bekommen. Allerdings unter Berücksichtigung meiner bescheidenen Fragen.
Dehm soll zu einer Journalistin gesagt haben: „Kennen Sie den Unterschied zwischen Onanieren und Geschlechtsverkehr? Beim Geschlechtsverkehr lernt man mehr Leute kennen.“
Nun schreibt ein recht ältlich ausschauender Herr, der aber jünger als Dehm ist und sich vielleicht desterwegen grämt, die Äußerung sei lustgreisisch. Andere Journalistinnen und Journalisten finden, das sei wie die Äußerung von Brüderle: frauenfeindlich und sexistisch. Und da genau finde ich die Pointe nicht.
Der ältlich ausschauende Herrn von der Dumontgruppe möge mir doch bitte die Frage beantworten, ob der Witz von einem dreißig oder vierzig Jahre alten Mann erzählt, noch durchginge. Ab welchem Alter gehört sich die Sache nicht mehr? Gibt es dazu eine inhaltliche Handreichung in der Redaktion, die vielleicht den Lesern (m) zur Verfügung gestellt werden könnte?
Die anderen Kolleginnen und Kollegen möchte ich gerne fragen:
a.) Onanieren Frauen in ihrem Weltbild entweder nur öffentlich (kennenlernen im hedonistischen Mastrubationskreis) oder gar nicht (Hände auf die Bettdecke!)?
b.) Haben Sie noch niemanden beim, resp. durch, Geschlechtsverkehr kennengelernt? Oder gehen Sie davon aus, dass Frauen keinen Geschlechtsverkehr mit ihnen unbekannten Individuen zu haben haben, weil es sich nicht gehört?
Was bitte schön, macht aus einem – zugegeben flachen – Witz eine sexistische Äußerung? Dass Sex in ihm vorkommt?
Bitte, schauen Sie nie Loriot, den alten Sexisten! Den Lustgreis, den verstorbenen. "Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann".
In diesem Sinne, immer eine Hand im Schritt …
Ihr Sukov.

Sien und Vincent

Geschrieben am | 16.Februar 2014 | 0 Kommentare

304px-Vincent_van_Gogh_-_Sorrow

Sien, wie zärtlich hält die Schelde dich im Arm.
Novemberkalt und naß umfängt sie dich;
ihr Wasser trägt dich gütig aus dem Leben,
wäscht fort die graue Not, den Dreck,
von deinen Brüsten, deinen Beinen.
Du bist mir Bilder auf dem Monitor
und mehr doch, als nur Spiegelungen,
die Seelen, die der Maler mitgebannt,
erfassen mich, Sien.
Dein ganzer Kummer auf Papier.
Tinte, Bleistift, Tusche, Seelen.

Wie dich die kalte Schelde nun umfasst,
denkst du daran, dass du unsterblich bist,
im Sterben, treibend fort von aller Not,
denkst du da an die relative Ewigkeit?
Denkst du an deine Kinder,
an kalte Betten, all dein Leid,
das jetzt zurück bleibt
am Ufer des herbstlich kalten Flusses?
Denkst du an Vincent, warme Zimmer,
an das Geräusch der Feder auf Papier.
„Comment se fait-il qu‘il y ait
sur la terre une femme seule, délaissée?“
Kein Mensch hat solch Umfangenheit
dir geben können, so lang dauernd,
so tief, so würdevoll und so voll Rettung.
Wie gern wär Vincent Fluß gewesen
und hätte dich umgriffen?

Foto: Wikipedia, Lizenz siehe dort

Für Hashem Shaabani

Geschrieben am | 9.Februar 2014 | 0 Kommentare

hashem_shaabani Wir sind zutiefst bestürzt über die Nachricht, dass der iranische Dichter Hashem Shaabani am 27.1. hingerichtet worden ist. Shaabani war 31 Jahre alt und Vater eines Kindes. Ihm wurde u.a. “Feindseligkeit gegen Gott” und “Konspiration gegen die staatliche Sicherheit” vorgeworfen. Wir bitten Sie, die Nachricht über dieses entsetzliche Verbrechen in den sozialen Netzwerken zu teilen. Hintergrundinformationen in englischer Sprache, bereitgestellt durch den internationalen PEN, finden Sie hier . Weitere Nachrichten folgen (auf der Seite des PEN )

 

Für Hashem Shaabani

Im Schatten der Galgen
sprechen wir durch die Henker
zu den Gehenkten.
Im Schatten der Galgen
schweigen wir nicht.
Vor den Henkern
keine Furcht. Keine Furcht
vor den Ehrlosen.
Ihr Atem stinkt,
ihre Augen verkommen,
ihre Haut glänzt vom Fett der Leichen.

Im Schatten der Galgen
glauben die Henker,
wir sprächen zu ihnen.
Denn im Schatten der Galgen
schweigen wir nicht.
Furchtlos und ohne Ehrfurcht
vor den Würdelosen.
Ihr Atem flach,
ihre Augen glänzen vor Mordlust,
ihre Haut stinkt nach Tod.

Umarmung

Geschrieben am | 5.Februar 2014 | 0 Kommentare

320px-Oxfam_East_Africa_-_A_mass_grave_for_children_in_Dadaab

halten das kind noch
im arm das brot
als verheißung paradies
ist kein ort
wo milch und honig fließen
dämmernd hinaus
aus hunger
entträumt sich das kind
von den armen
fort niemals
eine ewigkeit.

[Foto: Kind am Rande des Flüchtlingslagers Dadaab (Kenia) vor Gräbern in denen 70 Kinder beerdigt wurden, die an Unterernährung verstarben. | Lizenz: Public Domain | Quelle: Wikipedia (engl)]

Notwendige Globalisierung

Geschrieben am | 30.Januar 2014 | 0 Kommentare

Percentage_population_undernourished_world_map Angesichts der weltweiten Herausforderungen müssen imperiale Gelüste verhindert und zugleich die Globalisierung vorangetrieben werden. Dazu braucht es Regularien. Ohne globale Zusammenarbeit kommt die Menschheit nicht aus.
Steigende Meeresspiegel, Süßwasserknappheit, unklare globale Bevölkerungsentwicklung, Verstädterung, Wüstenbildungen usw. machen aus nationalen oder auch nur regionalen Entscheidungen globale Angelegenheiten.
Damit stellt sich die Frage nach der zukünftigen Rolle, ja nach dem Sinn der (von) Nationalstaaten.

Die durchschnittliche Geburtenrate wird darüber eintscheiden, wie sich die globale Not entwickelt. Die UNO geht zum gegenwärtigen Stand davon aus, dass die Geburtenrate unter das Ersatzniveau fallen wird. Das Ersatzniveau liegt bei 2,1 Kindern pro Frau. Doch bliebe die Geburtenraten auf dem jetzigen Stand, so würde die Weltbevölkerung in 86 Jahren über achtundzwanzig Milliarden. Diese Zahl zu ernähren, denn man muss von einem Worst-Case-Szenario ausgehen, bräuchte erheblichen technologischen Fortschritt in der Ernährung. Selbst mit prognostizierten Produktionsszenarien (städtische Hochhauslandwirtschaft mit mehreren Ernten pro Jahr etc.) wäre nach dem jetzigen Stand nur eine Bevölkerung von fünfundzwanzig Milliarden zu ernähren.
Aber Nahrung ist nicht das einzige Problem. Ein größeres noch ist die Versorgung mit sauberem Wasser und mit Energie. Eine Weltbevölkerung von achtundzwanzig Milliarden Menschen sieht dem sicheren und auch baldigen Untergang entgegen, wenn es nicht gelingt, Energie ohne den Ausstoß von CO2 zu erzeugen und zugleich eine Landwirtschaft zu betreiben, die pestizidfrei produziert, weil die Verseuchung des Grundwassers sonst Größenordnungen annehmen würde, die den Tod von Millionen bedeuteten.

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