Leander Sukov

Schreiben.

Wie kein Vogel

Posted on | Mai 23, 2017 | No Comments

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Für RW

Posted on | April 26, 2017 | No Comments

Dieses Lied ist ja nicht für Bojangles oder über ihn. Es ist ein Lied über einen weißen Alkoholiker, ein guter Tänzer wohl, den Jerry Jeff Walker in einem Kleinstadtgefängnis traf. Jedenfalls in der Welt dieses Liedes.
Und wenn es schon hier nicht über Bojangles ist ist, dann kann dieses Lied vielleicht ein wenig, nicht Wort für Wort, nein, nur ein wenig, windhauchig, so nahe wie der Tau dem Regen ist, über meinen ganz vergangenen Freund Rainer W. sein. Der hat mich geliebt, wie kein anderer Mann mich je geliebt hat und ich hoffe, er ist nicht vergangen an dieser Liebe. Ich habe viel von ihm gelernt, als er noch in sich war, bei sich, als er nur selten in jene zynische, verzweifelte Schweigsamkeit verfiel, die ganz seines wurde später. Da hatten seine Haare ihre blonde Farbe ganz verloren und waren grau, wie die Worte, die der so wortreiche W. gebrauchte wie Chirurgen ihre Skalpelle. Er ertrank sich und im Versinken hoffte er aufzusteigen über die Wasseroberflache des Lebensmeeres, schwere See. Die Tanten, bei denen er, der homosexuelle, der nicht deshalb, sondern aus allen denkbaren Gründen verletzliche und ohne jeden Grund immer wieder verletzte W., aufwuchs. Die politische Arbeit in der Studentenbewegung der siebziger Jahre, die Vorurteile seiner Genossen gegen ihn, den Schwulen, diese Flucht in die Notwendigkeiten des Kampfes um eine bessere Welt. Er ist an allem vergangen, an sich, an uns, an mir.
Als ich vor Jahren im Taxi durch Hamburg fuhr, da sah ich ihn. Wie er, in jeder Hand eine Topfpflanze, an der Alster entlang nach St. Georg ging. Da wohnte er, glaube ich. Ich lies den Fahrer nicht anhalten, weil ich mich vor dem Schmerz fürchtete, den eine erneute Begegnung mit mir ihm geben könnte. Ich konnte ihn lange sehen. Auf dem Ballindamm herrschte dichter Verkehr, wir standen im Stau. W. setzte sich auf eine Bank uns sah den Schiffen auf der Alster zu.
Später, vor ein paar Jahren, fand ich eine Traueranzeige auf einem virtuellen Friedhof im Netz, einem dieser Erinnungsorte. Ich habe W. geliebt, seine Art der Liebe konnte ich nicht erwidern. Er hatte Hunger, ich hatte kein Mahl für ihn.

… lesen, wie krass schön du bist konkret

Posted on | März 24, 2017 | No Comments

Shakespeare Sonett 18 — ein ganzes Buch voll.
Die verdienstvolle Edition SIGNAThUR aus der Schweiz hat ein schönes und umfangreiches Buch mit Übersetzungen des Sonett 18 herausgegeben. Und, ich bin voll des Entzückens, meine Nachdichtung ist auch dabei.
Das Buch, ein gebundenes Stück, zu erwerben ist lohnenswert.
Es trägt die ISBN 978-3-906273-15-0 und kostet 18,60 €.

Das Reeperbahn-Gedicht Nr. 2

Posted on | März 22, 2017 | No Comments

Die Elbe schlägt mit Wellenfäusten
an die Pontons der Landungsbrücken.
Der Frühling lacht mit tausend Möwen
zusammen über Stadt und Hafen.
Vom Michel singt mit voller Stimme
die Glocke, die als ich Kind ich hörte
vom Hafen her ins Zimmer klingen.
Sie klingt als flöße hier die Zeit
nur träge durch die Jahre.

Die Tauben auf der Großen Freiheit,
sie gurren von den Leuchtreklamen,
die jetzt man Morgen nicht mehr leuchten.
Die schönste aller schönen Huren,
traf ich ums Eck im Café Möller,
das nun auch nur Geschichte ist.
Und fortgeweht, so wie die Frau.
Und ich vermiß‘ den Ort,
weil ich die Schöne nimmer finden werde.

Ob sich die schöne Hure noch an mich erinnert?
An übernächtigte Gespräche?
An den Disput zu Kant und Hegel?
Wir haben uns auf fremde Art geliebt,
und teilten uns die Sahnetorten.
Fast wären wir an solchem Morgen
im Lafayette-Hotel gelandet
doch wir verwarfen unsre Lust
uns so die Liebe fortzustoßen.

Und keins verriet dem anderen den Namen,
doch wenn wir müd am Morgen zueinander kamen,
und uns umarmten, küssten, Blicke schenkten,
verwehten die Erinnerungen, die uns kränkten.

Foto: dannyone / wikipedia

Frühling in Hamburg

Posted on | März 9, 2017 | 2 Comments

Die Elbe schlägt mit Wellenfäusten
an die Pontons der Landungsbrücken.
Der Frühling lacht mit tausend Möven
zusammen über Stadt und Hafen.
Vom Michel singt mit voller Stimme
die Glocke, die als ich Kind vom Hafen her
ich schlagen hörte Sonntag morgen.
Sie klingt als flöße Zeit in dieser Stadt
nur träge durch die Jahre.
 
Und auf der Reeperbahn die Tauben
picken auf die Restnacht
zwischen hingesunk’nen Trinkern.
Die schönste aller Huren, die ich kenne,
und kenne sie vom Kaffeetrinken früh
nach ihrer Schicht und auch der meinen,
längst ist sie dort nicht mehr zu finden, im Café,
wie mir die Kellnerin verrät, die schon vor fünfzehn Jahren hier
die Tortenstücke auf die Teller balancierte.
 
Ob sich die schöne Hure noch an mich erinnern wird
und an die morgentlichen Konversationen über
die Frage ob wir Sahnetorte oder Petit Four
den Vorzug für unser Abendessen geben sollten,
entscheidungslos teilten wir die süßen Stücke
und schoben sie uns gegenseitig in den Mund.
Fast wären wir an einem solchen Morgen
im Lafayett-Hotel gelandet und in weichen Betten,
doch in der Lobby scheuten wir,
uns so die Nähe, die wir hatten, wegzustoßen.
 
Und keins verriet dem anderen den Namen.
Doch unsre Morgen, zufällig und nicht planbar,
wenn wir am kleinen Tisch uns bei den Händen hielten —
die waren uns wie paralleles Leben.

Kunst und Sünde

Posted on | März 3, 2017 | 1 Comment

Als ich vor mehr als 12 Jahren nach Berlin zog, wollte ich mich mit Freundinnen und Freunden aus verschiedenen queeren Szene dort unbehelligt von den dort weitverbreiteten persönlichen Animositäten treffen. Ich wählte ein nettes und von einem homosexuellen Pärchen geleitetes französisches Restaurant in Schöneberg. Und bald kamen, des guten Essens wegen und der hervorragenden Mundpropaganda halber mehr als 100 Menschen einmal im Monat zusammen. Viele, wenn nicht die meisten, Teile des sogenannten Kunstbetriebes, Schriftstellerinnen und Schriftsteller auch, alle mit dem Hang zur fröhlichen Anrüchigkeit. Wir wollten diesen Menschen danken. Wir, das sind meine liebende Begleitung und ich. Eine Dankeschön-Party wurde von mir konzeptioniert. Und es war klar: Erlaubt sollte sein, was nicht verboten iswt. Wir dachten an die tanzende Josephine Baker und an Anita Berber, an legendäre Atelierspartys und die großen Events der Berliner Queerszene. Wir wollten das alles in einem Raum, in einer Venue, schaffen; und jeder sollte nach seiner Façon selig werden. Wir lichteten Gemälde ab, wo wir es durften, und organisierten Beamer und Leinwand, schrieben eine schöne kleine Rede für Julietta, die ja auf Bühnen zu Hause ist (auch wenn sie meistens Heinrich Heine, Rosa Luxemburg und ganz ernstgemeinte Texte aus meiner Feder liest) und starteten in ein Abenteuer. Aus unserem kleinen Segeltörn durch die Nacht wurde eine Weltumsegelung, und noch immer segeln wir. Viele Gäste sind seit zehn Jahren an Bord.
Uns, den Crews, die in der Zeit gewechselt haben und den Gästen, waren diese Fahrten durch die Nächte von Berlin und Hamburg, Nürnberg und Offenbach, immer eine Aufführung, ein Kunstevent voll mit Einhörnern und Drachen, mit Romeos und Julias, mit den lebendigen Schatten von Anita Berber und Josephine Baker.

Der Führer der Freien Welt spricht

Posted on | März 1, 2017 | No Comments

Ich habe gestern Nacht große Teile der Rede Trumps vor dem Repräsentantenhaus in Washington gesehen. Ich kann nicht verstehen, dass die Kollegen aus den Politikressorts der großen Tageszeitungen ihren Fokus nicht auf die beiden Ankerpunkte diese Rede richten. Der eine ist die ausdrückliche Erwähnung von VOICE (Victims Of Immigration Crime Engagement), einem Institut, das neu geschaffen wurde. Es soll die Opfer von solchen Verbrechen betreuen, die von Immigranten begangen wurden. Damit ist ein propagandistisches Instrument entstanden, das vollständig rassistisch und völkisch ist.
 
Zum anderen gipfelte die Rede in einem wilhelminischen „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch ‚Amerikaner'“-Pathos, der aber schon über diesen dummen Spruch des letzten deutschen Kaisers hinausging und anknüpfte an die Rede Hitlers von 1933, die sogenannte „Friedensrede“, aus der der Krieg schon aufleuchtete.
Trumps Rede war eine Führerrede, die Rede eines, der sich als Heilsbringer und nicht als Politiker sieht, eines, den die Vorsehung dem Volk geschenkt habe. Mit Donald Trump hat das undemokratische Wahlsystem der USA einen Präsidenten hervorgebracht, dem der Krieg als Möglichkeit zum Sieg näher ist, als der Frieden. Wer Trump gewählt hat, hat die Option zum Krieg gewählt. Hoffen wir, dass der Welt erspart bleibt, diese Option gewählt zu sehen.

Aus Cultureglobe: Berkel verhöhnt Börne mit Safranski

Posted on | Februar 21, 2017 | No Comments

Rüdiger Safranski hat den Ludwig-Börne-Preis erhalten, aus der Hand eines Schauspielers, über den ich nicht viel weiß und der bei der Betrachtung auch vollkommen uninteressant ist. Börne hat Safranski nicht verdient. Der reputierliche Börne hat sich zu seinen Lebtagen nichts zuschulden kommen lassen, das diese Verhöhnung seiner Person rechtfertigt. Safranski, das ist, als hätte man Menzel, nicht den unlängst verstorbenen Achim, sondern den schon lang verschiedenen Wolfgang, diesen von Börne zutiefst verachteten, späteren völkischen Nationalisten, zum Träger dieses Preises gemacht. Safranski ist die Verhöhnung des Namensstifters. Es ist eine Frechheit sondersgleichen, diesem gleichfalls zum völkischen Nationalisten verdorbenen Philosophen einen Preis zu teil werden zu lassen, der den Namen eines Mannes trägt, welcher sich in einer Zeit tiefster Feindschaft zwischen den Deutschen und den Franzosen, den Welschen, für die Freundschaft beider Völker eingesetzt hat.
Die Wahl, die der Schauspieler getroffen hat, ist ein bühnenreifes Kümmernis. Sie ist boshaft und in ihrer Zielrichtung der Bestärkung inhumaner und menschenfeindlicher Sichtweisen auf diese Welt in voller Absicht dienlich.
Und da trifft sich der Schauspieler, der sich freut, dass Safranski, dem es vor einer angeblichen Flutung Deutschlands durch Flüchtlinge graut mit Safranski und Menzel. Da trifft sich der Beförderer des Nationalisten Safranski mit dem Nationalisten Menzel.
Mit den 20.000 Euro, die der Preisträger erhält, hätte man lieber einigen notleidenden syrischen Dichtern oder maghrebinischen Bloggern über die Runden helfen können, als einen Preis an jemanden zu vergeben, dessen neueres Werk allem zuwider läuft, was man mit Börne verbinden kann.
Zu retten ist nichts mehr. Es wird halt so hingenommen. Bis in die Verästelungen hinein fehlt es an demokratischen Selbstheilungskräften, die gegen die Vereinnahmung immer größerer Teile des Staates, der Kunst und der Kultur durch revanchistisches, nationalistisches und völkisches Gedankengut erfolgreich vorgehen können.
Es ist ein Grauen und es ist Zeit kraftvoll auf den Tisch zu hauen – und vielleicht nicht nur auf den Tisch.

Simone Barrientos: Rede gegen den Naziaufmarsch in Würzburg

Posted on | Februar 19, 2017 | No Comments

Simone Barrientos‘ Rede auf der Gegendemo gegen den Aufmarsch des III. Weges in Würzburg.

„Es ist unsäglich, dass die Stadt, auch wenn das vor Gericht gescheitert wäre, nicht den Aufmarsch verboten hat. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft zeigt: Wir wollen keine neuen Nazis, wir wollen nicht, dass Rassisten, Nationalsozialisten und Menschenfeinde durch unsere Straßen laufen. Nicht in Würzburg und nirgendwo.“

Sehr gefreut haben sich die Teilnehmer über das Grußwort von Eva Bulling-Schröter, MdB, die LINKE.

Unliebesgedicht

Posted on | Februar 10, 2017 | No Comments

Und bist du hier, so bist du fern.
Und gehst du fort, so merkt man’s nicht.
Und wenn du sprichst, so hör ich’s nicht.
Und wenn du schweigst, ist‘ wie dein Sprechen.
Geh, bleib, sprich, schweig.
Ich merke keinen Unterschied.
Mir bist du tonlos, unsichtbar.
Tu was du willst.
Was kümmert’s mich?

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