Leander Sukov

Schreiben.

Schleift die Festung Europa!

Posted on | November 10, 2013 | 3 Comments

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

[Unterzeichnen auf Change.org. Klick. Klick.]

Der u.a. von André Heller, Robert Stadlober, Robert Menasse, Max Prosa, Carmen Maja Antoni, Christa Schuenke und natürlich auch von mir unterzeichnete Aufruf für eine neue, humane Flüchtlingspolitik hat in den letzten drei Wochen fast 25.000 Unterstützer finden können. Unter der Webadresse http://www.change.org/de/Petitionen/schleift-die-festung-europa haben viele Menschen aus Deutschland ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Erstunterzeichner bekundet. Der Aufruf läuft so lange weiter, bis sich die Europäische Gemeinschaft bereit findet, Regularien zu schaffen, die eine legale Flucht nach Europa möglich macht und das abstruse und sinnlose Dublin-II-Protokoll für obsolet erklärt wird.

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Ein einig’ Volk von Ausländerfeinden. Aber nein!

Posted on | Februar 4, 2016 | 2 Comments

Die Spaltung des Volkes aufheben? Direkte Demokratie? Worauf läuft das hinaus? Was scheint mir da gemeint zu sein? Das gesunde Volksempfinden, das Völkische und ein Angriff auf die Koalitionsfreiheit!
Und der Unterschied zwischen den Rassisten und anderen aus der Art Geschlagenen ist auch ganz klar

Worin unterscheidet sich der marschierende Meister aus Deutschland und der Ausländer?

 

Direkte Demokratie. Das Ende des Parteienstaats? Das wäre das Ende der Freiheitsrechte.

Nicht nur Köln. Die Verschiebung der Pole.

Posted on | Januar 14, 2016 | No Comments

 

In den vierzehn Tagen seit Silvester hat sich das schlechte, das rückwärtsgewandte, das auf das völkische ausgerichtete Deutschland in einer unerträglichen Art und Stärke manifestiert.
Kleinbürgerwehren und ehemalige Gymnasiallehrer, Richter außer Dienst und allerlei Politiker schüren den Brand, der nunmehr in der Tat Gefahr läuft, das demokratische Haus vergehen zu lassen.

Wären es die ewig gestrigen, die Kinder jener, die den Bundeskanzler Willy Brand aufhängen wollten, wegen der Ostverträge, wären es jene Nachkommen deutscher Revanchisten, die besoffen von Bier und Germanenherrlichkeit durch Straßen marschieren und dabei laut aber in falschem Deutsch die deutsche Kultur beschwören: Es wäre ärgerlich und nichts als ein Fall für Strafverfolgungsbehörden und amtlich bestellte Betreuer.

Aber es geht darüber hinaus, weit hinaus. Da wird nicht mehr mit der Nationalzeitung gewedelt, um das Feuer anzufachen, da haben manche den Blasebalg der kollektiven Vervolkung mitgebracht.

In den demokratischen Parteien – um die anderen braucht man sich nicht weiter zu kümmern, weil die Sache ja eh klar ist – tut sich ein Graben auf. Personen und Positionen wechseln Standort und Bezugspunkt. Was gestern noch als sichere Erkenntnis galt, gilt heute nicht mehr.

Da wird vom Verwirken des Gastrechtes in der Linkspartei ebenso gefaselt, wie in der CSU. Da marschieren Kreisvorstandsmitglieder aus den demokratischen Parteien auf den Pegida-Demonstrationen mit. Da fraternisieren hochrangige Politiker in Linken mit dem Gedanken der Obergrenze.

Was da als ein Thema erscheint, als das Flüchtlingsthema erscheint, ist allerdings mehr als das. Es ist das Thema unserer Freiheitsrechte. Es ist die Frage, wer da mit wem die Tanzpaare bildet und welche Musik gespielt wird. Da liegen sich jene in den Armen, die in der Tat glauben, man könne den Wohlstand dieses Landes auf der Grundlage von Abgeschlossenheit und Grenzrestriktion mehren; da liegen sich jene in den Armen, die schon immer gegen die Europäische Union und den Euro waren, da tanz die miteinander, die glauben, in Putin so etwas wie den Widerpart der dunklen US-amerikanischen Gruselmacht zu erblicken, die sie mit traurigen Wahrheiten zwar, aber dennoch entrückt von jeder ordentlichen politischen Analyse selbst herbei halluzinieren.

Die Europäische Union braucht viele, sehr viele, Reformen – und ich benutze das Wort nicht in dem heute gebräuchlichen euphemistischen Sinne für Deformation –, die EU braucht viele Reformen, um eine demokratisch verfasste eigene Nation der Regionen zu werden. Aber sie ist es, die einwirken kann auf Ungarn und Polen – und es auch tut.

Wir erleben in diesen Tagen eine Verschiebung der politischen Pole. Die allerdings hat nicht erst Silvester begonnen. Nein, es gibt sie schon länger. Sie ist bei den einen aus einer Art Ostblocknostalgie entstanden, die nicht wahrhaben will, dass mit Russland nichts anderes entstanden ist, als ein aufstrebendes kapitalistisches Imperium, welches so handelt, wie Staaten eben handeln, die Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen wollen.
Auf der ehedem anderen politischen Seite, befinden sich die, welche sich vom Zusammengehen mit Russland eine Stärkung der nationalen Macht Deutschlands versprechen, und die damit eine zentraleuropäische Großmachtsstrategie verknüpfen.

Sie treffen sich mit denen, die immer schon gegen die USA waren, und zwar nicht berechtigten Einzelfragen, sondern im Grundsatz, als Element einer antiamerikanischen Agenda, was etwas völlig anderes ist, als die Gegnerschaft gegen die benennbaren Völkerrechtsverletzungen und so weiter, die die USA ebenso begeht, wie Russland, China oder europäische Mächte.

Zum Glück aber gibt es in allen demokratischen Parteien Kräfte, die sich auf die revolutionären Errungenschaften des Bürgertums berufen. Auf Pressefreiheit und Koalitionsfreiheit, auf Brüderlichkeit, also Solidarität, und Humanismus, auf Religionsfreiheit und Redefreiheit. Auf all jene Freiheitsrechte, die es nun zu verteidigen gilt.

Jene nämlich, die fordern, die Grenzen wieder zu schließen, die gar fordern, Syrier nach Syrien zurück zu schicken, die lamentieren über Smartphone und die Jugendlichkeit der überwiegend männlichen Einzelflüchtlinge, die sich die Wirklichkeit zurechtlügen, wie es ihrer nationalistischen Seele frommt, gefährden unsere Freiheit. Ihnen ist das Fremde fremd. Alles Fremde. Heute der flüchtende Syrier, Iraker, Afghane. Morgen wieder der Jude oder der Slawe. Fremdenhass, auch dann, wenn er mit Besorgtheit und den üblichen Sprechblasen von Politikern kaschiert wird, gefährdet immer die bürgerliche Freiheiten. Denn den Humanismus abschneiden, das Brüderliche abschneiden kann man nicht, ohne dass der Patient verblutet.

Die, welche mit dem Lügengeschwätz von der Lügenpresse hausieren gehen, die, welche ihre Meinung unterdrückt sehen, wenn sie Kritik aushalten müssen, die welche trotz der vielen Moslems die seit Jahrzehnten in diesem Land leben den Islam als nicht zu Deutschland gehörend empfinden, gefährden diese Rechte.

Wenn sie von Meinungsfreiheit sprechen, meinen sie ihre Meinung. Wenn die von Lügenpresse reden, fordern sie eigentlich die Gleichschaltung der Presse in ihrem Sinne. Wenn die da von Freiheit reden, meinen sie die Freiheit der Nation, die Freiheit des Volkskörpers und die Pflicht des Individuums mit zu tun an jedem völkischen Unsinn, an jeder nationalen Besoffenheit.

Da marschiert das schlechte Deutschland durch die Straßen von Dresden, da randaliert das schlechte Deutschland in Leipzig. Da ist jedes angesteckte Flüchtlingsheim auch der Probelauf für den Fackelaufmarsch zum Pogrom. Das sind die Meister aus Deutschland, die da marschieren. Die Lehrer, denen Ernst Moritz Arndt immer schon eher am Herzen lag, als Bert Brecht, die Professoren die den Muff unter den Talaren vermissen. Da marschieren die, die heimlich zu ihrem Herrgott flehen doch wieder Eisen wachsen zu lassen und die die Waffe schon in der Rechten spüren. Sie empfinden Humanismus als Diktatur der Gutmenschen und phantasieren vom Volkstod, dabei waren es ihre nicht allzu weitläufigen Verwandten, die so vielen Völkern den Tod brachten.

Ihnen muss überwältigender Widerstand entgegengesetzt werden. Sie dürfen nicht nur nicht die Oberhand gewinnen, man muss sie gesellschaftlich marginalisieren und ausgrenzen.

Das gilt nicht nur für die Marschierer von Pegida und Konsorten, für die Mitglieder von AfD und NPD. Es gilt aber auch für die, die sich anschicken, in den demokratischen Parteien, in den Fraktionen des Bundestags einen Richtungswechsel vorzunehmen. Es gilt für grüne Bürgermeister und christsoziale Räte, für sozialdemokratische Vorsitzende und linke Fraktionsspitzen.

Es gibt in diesem Land viele besten Wortsinne wertkonservative Menschen. Menschen also, die die Freiheitsrechte, die die Grundrechte bewahren, ja ausbauen wollen. Es wird viele Fragen geben, bei denen auch zwischen diesen aufrechten Demokraten Dissens herrscht. Kein Dissens aber scheint mir zu herrschen bei den Grundfragen von individuelle Freiheit und gesellschaftlicher Solidarität.

In Hamburg gibt es die Patriotische Gesellschaft, die eigentlich Hamburgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe heißt und 1765 von Kaufleuten und Gelehrten in Hamburg errichtet wurde. Sie kann ein Vorbild sein. Denn wir brauchen die Schulterschluss, vielleicht auch in organisierter Form und über die Parteigrenzen hinaus derer, die bereit sind energisch und robust die bürgerlichen Freiheit vor denen zu verteidigen, die sich ihrer bedienen um sie abschaffen zu können. Wir brauchen Gemeinsinn und Solidarität statt Chauvinismus und völkischem Gedankengut.

Gemeinsam sollten wir überlegen ob nicht die Zeit gekommen ist, eine europäische Gesellschaft zu gründen, die sich den Idealen verpflichtet fühlt, die auch die Patriotische Gesellschaft in Hamburg erheblich geprägt haben. Nämlich: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

(Unkorrigierte Lesefassung)

Sexuelle Übergriffe sind nicht neu …

Posted on | Januar 11, 2016 | 1 Comment

Die vielen sexuellen Übergriffe nach Silvester sind kein neues Problem.
Als 2013 Frauen dazu aufriefen Vorfälle öffentlich zu machen fand der Bundespräsident das noch eigentümlich.
Interessiert hat niemanden, was die betroffenen Frauen zu erzählen hatten.
Als eine amerikanische Touristin einem deutschen Grapscher auf dem Oktoberfest den Maßkrug auf den Kopf schlug, war sie dran. Sie konnte die Wiesn-Wache erst nach einer Sicherheitsleistung von mehreren tausend Euro verlassen und wurde wegen schwerer Körperverletzung angezeigt.
Die Münchner Polizei teilte u.a. mit, der Griff unter den Rock wäre spaßig gemeint gewesen.

Was ist das für eine Gesellschaft, in der die Ablehnung sexueller Übergriffe nur umfassend funktioniert, wenn sie rassistischen Ressentiments dient?

Drei Statements:

Posted on | Januar 9, 2016 | 18 Comments

a.) PASST MAL AUF, BESOFFENE ARSCHLÖCHER ALLER NATIONALITÄTEN! Ich bin Schriftsteller und muss arbeiten. Kohle verdienen. Aber ich kann nicht, weil ich mich den ganzen Tag um die Scheiße kümmern muss, die Ihr verzapft und die andere ausbaden müssten, wenn es nicht ein paar total Bekloppte wie mich geben würde, die überall versuchen, die brodelnde Bürgerseelen vom Feuer zu schieben. DAS IST EURE SCHULD, IHR HIRNLOSEN ARSCHGEIGEN. Und es ist mir ganz egal, ob ihr besoffene amerikanische Touristen, abgefüllte Marokkaner oder einheimische Trunkenbolde seid.

b.) Bitte, liebe Kollegen aus den Chefetagen der Presse, hört auf ständig mein Weltbild neu zu malen. Es kann doch nicht sein, dass in der von mir geschätzten Süddeutschen Zeitung erst der ebenfalls geschätzte Heribert Prantl Ausweisungen fordert und dann dieses focusmäßige Titelbild mit der schwarzen Grapschhand im Schritt der weißen Frau gedruckt wird. Und ich dann auch noch feststellen muss, dass der Journalist aus den großen Häusern, der offenbar weiß, um was geht, der Chefredakteur der B.Z. ist, Peter Huth (und eben nicht Prantl.)

c.) Schon seit Monaten, seit Silvester aber verstärkt, stellt sich heraus, dass auch bei Schriftstellern und Künstlern die humanistische Tünche nur dünn über der völkischen Dreckschicht liegt. Nicht nur Regisseure aus dem Baltikum drehen am Rad, auch Schriftsteller, Maler und Bildhauer offenbaren, dass der Zeitgeist für sie wieder Schaftstiefel trägt und rechtsgewendet ist. Ich habe in den vergangenen Wochen bestimmt 30 bis 50 Kollegen aus Kunst und Literatur, aber auch literaturaffine Bildungsbürger mit Rechtsdrall von meiner Freundesbank geschubst.
Hinzu kommen locker 20 Leute aus Parteien und anderen Organisationen, deren fortschrittliche, demokratische Gesinnung nicht die Aufnahme von Syriern und anderen Flüchtlingen zu verkraften in der Lage war. Bei manchen wechselte der Sozialist stante pede in eher nationalsozialistisches Terrain.

Hier geschieht ein Wertewechsel. Ich will darüber gar nicht klagen. Vielleicht ist es besser, er geschieht jetzt, als in einer Situation, wo einem diese Leute das Bajonett zwischen die Rippen hauen können, ehe man es noch bemerkt.

‪#‎Süddeutsche‬ ‪#‎SZ‬ ‪#‎BZ‬ ‪#‎Prantl‬ ‪#‎Huth‬

Die große graue Schuld

Posted on | Dezember 24, 2015 | 1 Comment

605px-Bundesarchiv_B_145_Bild-F002325-0010,_Köln,_Flüchtlingskinder_in_NeubausiedlungDie ganze sachliche Ruhe ist fort nun aus dem Gesicht des Mannes im Fernsehen. Ganz traurig sieht er nun aus, er weint, seine Stimme, die fest war und gleichmütig eben noch, bei allen Erzählungen über die Flucht und das Verlorensein im Litauischen fest und gleichmütig, ist brüchig nun.

Die Schuld ist in ihm gewachsen wie eine Trauerweide, die große, die selbstgezüchtete Schuld, die unsagbare, die nur im Handeln und nicht im Gefühl beschreibare, die einzigartige, die konsequenzenbehangene offene Rechnung. Das Gewissen lastet auf dem Mann, wie eine Betonplatte, wie die Steine auf den Schindeln mancher Bauerhäuser, damit die Schindeln nicht vom Sturm abgedeckt werden und diese Gewissensbisse nicht fortgeweht werden vom Fahrtwind des Lebens. Ganz schwer ist es ihm, über Schuld und das schlechte Gewissen zu sprechen. So schwer, dass er nun weint und dass seine Stimme rau erst wird und mürbe dann.

Später wird er, Melancholie da im Tonfall, berichten, wie sie, seine Geschwister und die Mutter die Leiche des Großvaters, der am Krieg und am Winter, an den Umständen also verstarb im fünfundvierziger Jahr, nachts auf zusammengebundene Kinderschlitten legten, verschnürten, mit Decken die Leiche verbargen und dann den entseelten Körper auf einen Friedhof brachten, irgendwo in dieser litauischen Stadt und ablegten auf irgendein Grab, damit sich irgendwer um den Irgendwer dann kümmere, den der Großvater, der nun ewig verlorene, grabmallose Großvater für den war, der etwas anstellen würde mit dem Körper, etwas, das nicht Begraben war, weil der Boden doch gefroren und der Winter die Menschen und die Natur schlug mit seiner Kälte von achtunddreißig Grad Celsius unter Null. Das erzählt er ohne zu weinen, denn da ist keine Schuld, und das schlechte Gewissen ergibt sich der Notwendigkeit, sich der Leiche des Menschen doch entledigen zu müssen, der ihn und seine Brüder und Schwestern auf den Knien hatte, der ihnen das Angeln beibrachte und Flöten aus Weide schnitzen konnte, wie mein Großvater, dessen Grabstätte ich kenne und doch nie besuche, weil ich Friedhöfe stets gemieden habe, wenn der Boden auch die Verwesungsprodukte Anverwandter enthielt, während ich doch den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg gern besuchte und den Wiener Zentralfriedhof. Das also ist eine wohl böse Erinnerung, aber eine die man im Kopf hat und nicht im Herzen und der Seele, wie die andere, die er vorher erzählt hat und die ihm also die Traurigkeit als Tränen über die Wangen laufen ließ.

Er erzählt, wie er, das Kind, zerrissen die Hosen, die Jacke zu groß, das Hemd vom Vater, im Park, Herbstlaub schon unter den Schuhen aus Pappe, an dem schlafenden Mann vorbei schlich, immer wieder und wieder, angstvoll und versessen auf die Beute, hungrig und voll Widerwillen der Tat gegenüber und sich schämend, so sehr damals schämend, dass die Scham nun noch anhält, im Jahr 1990, als man die Dokumentation über die Wolfskinder drehte, die ewige Scham. Und wie er dann die Tat zugibt, sie schildert und sofort bekennt, dass er unter ihr leide, immer noch leide, jetzt fünfundvierzig Jahre später, die große, schreckliche Tat, die so groß und schrecklich ist, weil er, der Täter sie so groß gefüttert hat mit seiner Seele, und ich so gerne dem Mann den Arm um die Schulter legen würde und sagen: Dass er ganz ohne Schuld sei. Und ich frage mich, ob jemand das getan hat, ob jemand dem Mann, dem Kind da, dem armen leidenden Kind, dem Kind da, dem Kind mit dem unfassbar schrecklichen schlechten Gewissen, den Arm um die Schultern gelegt hat und gesagt hat, es sei doch nur den Umständen geschuldet gewesen, das Tun des Kindes, und dem Hunger und der Not und dem Krieg und dem Grauen. Nur es, das Ungemach sei Schuld, wenn man von Schuld überhaupt sprechen könne. Und die Scheibe Brot, die bei dem Mann lag, die der Mann sich unter den Kopf geschoben hatte, bevor er einschlief, diese Scheibe Brot, die das Kind gestohlen hatte damals im ersten Herbst des Friedens, diese Scheibe Brot hätte ihm, dem Kind, das Leben vielleicht gerettet, aber sie zu nehmen hätte den Mann nicht getötet, ganz bestimmt nicht. Ganz bestimmt nicht.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfskind_%28Zweiter_Weltkrieg%29

Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F002325-0010 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA 3.0

Weihnachten und Heimatverlust

Posted on | Dezember 23, 2015 | No Comments

Dem deutschen Nationalisten ist Deutschland das Fluchtziel seiner rückwärtsgewandten Ideale. Da erstehen vor seinem inneren Auge Gloria und Talmiglanz preußischer Großmannsucht im Gewandt schneidiger Ulane und draufgängerischer Freicorps auf. Deutschland ist ihm ein innerer Reichsparteitag und auch alte Fürstenherrlichkeit. Ob Reichbürger oder anhängiger Mitläufer des Heiligen Deutschlands: Sein Deutschland ist sein Deutschland. Das mag er nicht teilen. “Deutsch sein heißt vom deutschen Blute sein”, ruft er und hebt den Humpen.

Deshalb sind ihm Flüchtlinge zuwider, die nicht germanischen Ursprungs sind, oder was er dafür hält. Seinerzeit war ihm sogar der Franzose ganz welsch. Da kennt er nichts, der anständige Deutsche.

Dem unanständigen Deutschen ist die nationale Wurschtigkeit wurscht. Und deshalb ist er es, dem die ersten Tugenden auch die ersten Tugenden bleiben: Humanismus, Solidarität, menschlicher Anstand. Herkunft gehört nicht dazu.

Heiliger Abend in sicherer Herkunft

Posted on | Dezember 22, 2015 | No Comments

Tausend Ställe abseits der Städte
Jedes malade Dorf Bethlehem.
Alle Engel heißen Janos.
Keine Herberge in den Armenghettos.
Maria und Josef sind einen weiten Weg geflogen worden.
Man hat sie gezählt, auf dass sie sich der Abschätzung gewiß seien.
Herodes ist Ministerpräsident.
Christus ist ein Produkt.
In keiner Kirche beten Roma, dass kein Frost käme.
Der einzige Wasserhahn draußen an der einzigen Straße.
Parlamentsabgeordnete lassen sich Hostien auf die Zunge legen.
Maria ist nur ein Gemälde. Maria ist nur eine junge Frau.
Maria ist schwanger. Jesus wird es schwer haben.
Der Scheinwerfer des Flugzeugs ist der Stern von Bethlehem.
Herodes Polizisten begleiten fünfzig mal zwei.
Tausend Ställe abseits der Städte.
Ministerpräsidenten sprechen das Vaterunser.
Evangelische Bischöfe segnen die sicheren Länder.
Die Faschisten singen ein Lied, wenn sie durch das Dorf marschieren.
Die Roma beten.
Die Präsidenten singen ein Lied, wenn sie durch die Stadt marschieren.
Die Bischöfe segnen die sicheren Länder.
Der Wasserhahn darf nicht einfrieren.
Das Pferd zieht einen Panjewagen.
Jesus ist ein Fuhrknecht.
Über den Flughäfen leuchten die Sterne.
Maria gebiert im Stall.

Die Juden lernen es nie …

Posted on | Dezember 16, 2015 | 2 Comments

Gibt es einen linken Antisemitismus? Einen rechten? Einen deutschen oder einen japanischen? Oder ist der Antisemitismus immer nur das, was er ist: Antisemitismus. Eine viel zu kurze Einschätzung.

Wählen Sie ein Kind aus. Die anderen sterben.

Posted on | Dezember 14, 2015 | No Comments

 

Stellen Sie sich vor, wie das wäre, wenn Sie mit Ihrer Familie in Homs oder Aleppo leben würden. In den Ruinen, hungernd, stets voll Angst vor fallenden Bomben, einschlagenden Granaten und den Angriffen von Soldaten und Milizionären. Und dann fliehen Sie. Bis in ein Lager in der Türkei. Oder in Griechenland. Da ist dann Schluß. Und die Hoffnung auf eine Lebensperspektive, die gibt es nicht. Da ist keine Perspektive. Das wäre das Ergebnis einer restriktiven europäischen Politik. Einer, die die Menschen in Lager an den Außengrenzen zwingt. In Griechenland, das die EU und der IWF in die Armut getrieben haben. In der Türkei, unter dem Regime von Erdogan. In Jordanien und dem Libanon, diesen kleinen Staaten.

Wir tragen Schuld an dem, was dort geschieht. Nicht die alleinige und nicht die größte, aber Schuld. Und wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden.

Die Nation ist nur eine Einbildung

Posted on | Dezember 11, 2015 | No Comments

“Ich kann mit dem Begriff Nation gar nichts anfangen. Ich habe mich nie als Deutscher gefühlt”

Nicht umsonst sind die Nationalisten so gefühlige Menschen …
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