Wirtschaftsflüchtlinge

Zwanzig Menschen in einem Container.
Es stinkt, das Wasser ist knapp,
Es ist dunkel, die Hitze kaum zu ertragen.
Jemand öffnet die Tür.
Sie hören das Durchladen der Waffen.
Dann Schüsse. Wortlos.
Die meisten sind tot.

Er lebt in einem Zweibettzimmer.
Man gibt ihm Essensgeld und Kleidung.
Kein Achtzehn ist er.
Er hat sich hinter den Leichen versteckt
bis zur Nacht.
Er hat in fremdem Blut gelegen stundenlang.
Danach fragt hier keiner.
Das ist nicht von Belang.
Sein Albtraum ist sein Albtraum.
Teilen kann er ihn nicht.
Psychologische Betreuung — Fehlanzeige.

Wenn er achtzehn ist, in ein paar Wochen
wird man ihn und seinen Albtraum
einen Ort weiter schicken.
In ein Vierbettzimmer. Zu den anderen Albträumen.
Die auch keinen interessieren.
Zu denen, die man wochenlang zusammenschlug.
Zu denen, die sahen, wie man ihre kleinen Schwestern vergewaltigte.
Zu denen, deren Mütter erschossen wurden
und deren Väter man auf dem Dorfplatz aufhängte.
Zu denen, mit der verbrannten Haut,
zu denen, mit den verlorenen Träumen.
Zu den anderen Wirtschaftsflüchtlingen,
also zu denen, die vor dem Ergebnis unseres Wirtschaftens flüchten.
Zu uns.

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