Lampedusa

by | Okt 3, 2013 | Wort & Freiheit | 0 comments

auf den felsen der küsten pinien
zypressen ragen wie finger in den himmel
gitter stacheldraht.
ein boot schwankt auf dunklem wasser 
schweißhaut an schweißhaut
und angstvoll die menschliche ladung. 
die wasserlinie bis zum speigatt.
aiolos atme nicht.

madonna di porto salvo
erhebe die hand
zerreiße die stacheldrähte
geh, steinerne, an den strand
und leis übers salzige wasser sprich
zu deinem gott
verbirg nicht die toten körper
der hoffnungsverlorenen
die aufgequollen, die schon verwesten,
die muschelbedeckten, die seesternzerfressenen
vor den augen der lebenden!
und wir, gleich ihm, verbleiben unerreicht

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