Ein zehn Jahre alter Text zum Humboldtforum

by | Jan 19, 2022 | Wort & Freiheit | 0 comments

Ein Plagiat in Berlin

Heute, am 21. Juli 2012, im vierundsechzigsten Jahr der bonnberliner Republik, wird der erste Spatenstich für das Plagiat des Stadtschlosses in Berlin getan. An der Stelle, an der während der Existenz der DDR für lange Jahre der Palast der Republik stand, soll also das Schloss der Hohenzollern wiedererrichtet werden. Es wird sich, Verschleierung ist alles, Humboldtforum nennen.

Das Stadtschloss wurde 1443 von Kurfürst Friedrich II, dem Eisenzahn, gegründet. Gegen den Willen der damaligen Berliner Bevölkerung setzte er den Bau durch. Die Gründung erfolgt zunächst als Burg, um die Handelswege zu kontrollieren. Spätestens mit König Friedrich I jedoch wurde das umgebaute Gebäude repräsentativ neugestaltet, um den preußischen Großmachtallüren zu entsprechen.

Dieses Gebäude, ein Sinnbild für die Unterdrückung des Stadtbürgertums und für den preußischen Ständestaat wird nun also unter Federführung einer sozialdemokratisch dominierten Landesregierung neu geschaffen. Soviel Gottesgnadentum kann in einem Regierenden Bürgermeister sein.

Bürger, welch ein Widersinn, haben für die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade gespendet, also dafür, dass ein Symbol, welches gegen sie gerichtet war, so wiederersteht, wie es der Prachtentfaltung des preußischen Herrscherhauses damals entsprach.

Während also der Bestand an bezahlbarem Wohnraum in der Weltstadt Berlin bedrohlich zurückgeht, während die Stadt unter den Schulden leidet, die ihr die wieder in der Regierung vertretene CDU eingebracht hat, wird eine halbe Milliarde unter Beteiligung des Bundes für einen Prachtbau ausgegeben, dessen einzige Bedeutung nur die nostalgische Verklärung der brutalen und menschenverachtenden preußischen Politik sein kann. Einen Funktionsbau hätte man auch für wesentlich weniger Geld realisieren können, wenn es überhaupt eine Notwendigkeit dafür gegeben hätte.

Im Stechschritt marschiert hier der Senat der Stadt über die Interessen der notleidenden Teile seiner Bevölkerung hinweg. Die innere Pickelhaube auf dem Kopf und den Spruch des französischen Königs Ludwig XIV in ihm, macht sich der Regierende Bürgermeister die Stadt schön: Etat est moi.

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