{Die Stadt}

by | Mai 2, 2011 | Wort & Freiheit | 0 comments

Und wir reden. Über die DDR und wie die mal war und wie die hätte sein sollen, aber nicht gewesen ist. Über die neuen Deutschen Kriege, also die sogenannten friedensschaffenden Maßnahmen, die es mir ermöglichen, zu sagen, ich sei ein Kriegskind. Und über die Zeit, als er jung gewesen ist, also in meinem Alter. Natürlich auch über Geheimdienste und seine Tätigkeit als Aufklärer. Über alles reden wir und auch über Liebe und ich öffne mich ganz. Sage ihm, ich sei gar nicht in der Lage zu lieben, weil ich es bislang nicht geschafft hätte, etwas zu fühlen, was mir ankäme wie es Liebe zu tun hätte. Da lacht er und sagt, bei manchen bräuchte es eben viel Zeit, bis das Liebeswesen zubisse, aber keine Sorge, es würde schon beißen kommen. Jedenfalls wäre das wahrscheinlicher, als alles andere. Ich solle nicht in Panik machen, sondern ruhig bleiben und abwarten. Alles würde gut, jedenfalls nach menschlichem Ermessen. Ich verkneife mir die Frage, was denn sei, wenn nicht alles gut würde. Ich hätte nicht mal Jesus oder sonst wen aus der weiten Einbildungskraft der Menschheit geborenen, um mir einen Liebesersatz zu schaffen. Stattdessen spreche ich davon, dass ich Haut an Haut mit Menschen sein will, immer wieder, um ihre Nähe zu spüren. Und er antwortet, er wolle mir gerne Nähe geben. Eine nicht notwendige Mitteilung das, denn ich will ja sowieso, will auch, weil ich alle seine Zeiten zu meiner addieren möchte, alle seine Zeit aus seinen Häuten saugen. Und ich lächle und sage: „Zuerst noch ein Bier“. Und er bestellt noch Clubs dazu. Von da an trinken wir schweigend, aufgeregt wir beide vor dem anderen, ängstlich auch aber furchtsam nicht.

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