Die globalisierte Wirtschaft und die Rente

by | Jan 31, 2022 | Wort & Freiheit | 0 comments

Ein kurzer Einwurf

Im Grundsatz sind alle Wirtschaftsabläufe global, es gibt so gut wie keine ausschließlich regionalen geschlossenen Produktions- und Wertschöpfungsketten mehr. Die Mehrwertschaffung und die Profite, das Erste ist der durch Arbeit hinzugefügte Wert zu einem Rohprodukt (das kann natürlich mehrfach geschehen), das Zweite ist der Marktpreis einer Ware abzüglich des Produktionspreises.
Die Wertschöpfung ist deshalb fast immer global, weil Maschinen, Rohstoffe, Energien, Zwischenprodukte, Arbeitskraft usw. entweder alle oder zu Teilen aus irgendeinem Ausland kommen. Und zwar überall. Das trifft den Skulpturenschnitzer in Afrika, der Farben aus Asien und Messer aus Europa benutzt, wie den Raumfahrtkonzern bei Hamburg.

Unter diesen Produktionsbedingungen und angesichts der Verschiebung von Arbeit aus dem Bereich der Landwirtschaft und der Güterproduktion in den Dienstleistungsbereich kann bei zunehmendem Alter die Altersversorgung auch in den entwickelten kapitalistischen Staaten nicht als Generationenvertrag stattfinden. Es wäre zudem ungerecht. Denn der Generationenvertrag funktioniert bei einer kurzen Dauer der Rentenzeit und nur bei einer weitgehend geschlossenen Volkswirtschaft. Beides aber ist nicht gegeben.

Wenn die soziale Schere auf dem gesamten Globus nicht immer weiter und weiter auseinanderklaffen soll, ist es nötig, zu einer anderen, an der Produktivkraft der globalen Volkswirtschaft orientierten Rentenfinanzierung zu kommen. Das wird die Nivellierung der Reichtumsunterschiede voraussetzen. Für die entwickelten Staaten bedeutet das individuellen Abbau von Reichtum. Dazu müssen sich diese Staaten in sich entwickeln. Sie müssen so verfasst sein, dass die Reichtumsminimierung nicht die dortigen Armen und nicht die untere Mittelschicht trifft.

Die drohende Zuspitzung von Verarmung, die ja Hunger und Verelendung aller Art bedeutet, kommt zusammen mit den horrenden Aufgaben, die die Klimakatastrophe bedeutet. Die mit ihr verbundenen unerlässlichen Investitionsaufwendungen aber können zur Milderung der Verarmung, zur Schaffung eines Verteilungssystems, das die Alterssicherung durch monetarisierte Produktivkraftanteile bedeutet, beitragen.

Es gibt, soweit ich den Diskurs in den Wirtschaftswissenschaften überblicke und die Debatte im Bereich Klima kennen, keinerlei Diskussionen über die wirtschaftspolitischen globalen Notwendigkeiten. Das ist leichtsinnig.

Mehr als die Feststellung bleibt mir kaum. Es braucht eine Organisation, um die Fragen miteinander zu Verknüpfung und einen zukunftsgerichteten visionären Ideenvorrat zu schaffen. Fridays for Future böten sich zusammen mit dem internationalen Gewerkschaftsbund dazu an eine internationale, institutionalisierte Forenstruktur zu schaffen.

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