Dicke Romane

Es gibt Romane, deren fünf- oder sechshundert Seiten sind angemessen. Sie sind gefüllt mit ordentlicher Literatur: Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig und immer die richtigen Wörter. Und es gibt die anderen.

Romane, deren Dicke ganz offenbar dem Wunsch, viel Buch fürs Geld zu verkaufen geschuldet ist. Da werden Zeilen geschunden, dass es ein Graus ist. Da werden Situationen, Gedanken, Handlungen ohne jeden erkennbaren Sinn verästelt, ausgesponnen, geschildert. Warum? Weil sich Literatur nach Gewicht verkauft?

Es ist das Gegenteil von literarischer Arbeit auf die Länge zu schreiben und nicht auf den Sinn. So kurz wie möglich, so lang wie nötig, heißt jenes Credo, welches gelten sollte.
Aber bei vielen Verlagen gilt: So lang wie möglich, so dick wie möglich. Und dann ist da nichts zu finden vom Aufbau der Chraktäre, von der Schaffung nötiger Stimmungen. Nur Zeilenschinderei nach Zeilenschinderei.
Geradezu grausam wird dem Leser zugemutet ohne Grund dem Aufbrühen von Kaffee, dem Machen von Betten oder dem Gang der Probanden durch Städte zuzulesen.

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