Belgrad

Die Stadt riecht nach Kohlenöfen und Gemütlichkeit. Sauber ist die Stadt, viel sauberer als Berlin, und die Menschen sind entspannt auf eine Art, in der keineswegs enthalten ist, sich in ein Schicksal zu schicken.
Belgrad. Donau und Sava, die riesige Festung über dem Zusammenfluss der beiden Ströme. Die Kafana „?“ mit ihrem hundertfünfzig Jahre alten Charme, das Hotel Royal in dem gestreikt wird, als wir ankommen. Unsere Spende in die Streikkasse. Das Hotel LifeDesign, in das wir später dann umziehen, weil wir W-Lan brauchen und es im Royal einfach nicht funktionieren will.
Die Fußgängerzonen und die Boulevards, auf denen bis in die späte Nacht Menschen flanieren, und sie scheinen es zu tun, weil es dazu gehört, durch die eigene Stadt zu schlendern, nicht in einem zielgerichtetem Schritt, sondern gelassen und nur vom Treiben durch die Straßen getrieben. Belgrad.
Wir hatten keine Vorstellung von dieser Stadt. Gar keine. Wir haben uns nicht mit ihr beschäftigt, bevor wir ankamen. Erst dort kauften wir uns einen Reiseführer. Aber Belgrad hätte uns auch ohne seine Hilfe in seinen Bann gezogen. Wie schön diese Stadt ist. Sie erinnerte mich an Dublin vor dreißig Jahren.
Unten an der Kralja Petra, zur Cara Dusana hin, gibt es einen, der hat ein Geschäft, wie aus der Zeit gefallen. Ein Parfümier, einer der Parfüm mischt. Nur wenige eigene Kompositionen hat er, zu seinem Leidwesen. Denn die Kunden verlangen nach Zitaten der großen Marken. Wir kaufen ihm Eau de Toilette und Rasierwasser ab. Überall hat es Fläschchen und Flaschen in den Regalen, Tiegel und Trichter, leere Flakons aus Wien. Und gleich neben an gibt es selbstgemachte Schokoladen und Pralinen, dass es eine Freude ist.
Silvester. Da wird nicht viel Aufhebens gemacht, gemessen an deutscher Silvesterfeierei. Keine Tischdekorationen in den Cafés, Kneipen und Kafanas. Um Mitternacht ein Küsschen auf die Wange der Freude. Um ein Uhr sind wir wieder im Hotel. Im Keller des Hotels, wo das Restaurant ist, eine Party mit serbischer Livemusik. Bis früh um 5 wird getanzt. Aber es ist wohl nicht der Jahreswechsel der hier gefeiert wird. Es ist das Feiern selbst, dem hier die Ehre erwiesen wird. Denn am 5. Januar, einen Tag vor unserer Abreise geraten wir im alten Balkanhotel, rein zufällig und wieder nach Mitternacht in eine Party dieser Art. Und diesmal geraten wir mit den Strudel aus Tanz und Ausgelassenheit, aus einer Art bedachter Wildheit, aus Lebensfreude.
Was uns in die Stadt geführt hat, die uns nun ans Herz gewachsen ist, ist eine private Sache und ich bin nicht der, welcher über sie schreiben sollte. Lassen wir die Gründe also im Dunkeln. Nur so viel ist zu sagen: Es waren gute, angenehme Gründe und sie wurden zu besseren und angenehmeren, zu solchen, die uns sicher machen: Wir kommen wieder – in die Stadt an Donau und Sava.

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