Der VS fordert die Bildung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses

Die Freiheit verteidigen

Der Vorstand des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller begrüßt die Erfüllung seiner Forderung vom 5. April 2019, das Ermittlungsverfahren gegen das »Zentrum für politische Schönheit« wegen »Gründung einer kriminellen Vereinigung« einzustellen.

»Die Anwendung des Paragraphen 129 auf eine Künstlergruppe ist unerhört«, so die Vorsitzende des VS, Lena Falkenhagen. Ausschließlich politische Gründe könnten erklären, wie es zu dieser Ermittlung kommen konnte. Die Berichte in der Presse (u.a. DIE ZEIT) der letzten Tage zeichnen ein Bild stiller Duldung des Rechtsrucks in Ermittlungsbehörden und Justiz. Anders ist nicht zu erklären, wie

Christoph Hein wird 75

Der Pfarrerssohn Christoph Hein wurde am 8. April 1944 im schlesischen Jasienica (Heinzendorf) geboren und wuchs nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im sächsischen Bad Düben bei Leipzig auf. Da seine bürgerliche Herkunft eine akademische Ausbildung in der DDR zunächst verhinderte, ging er in den 1960er-Jahren zahlreichen wechselnden Tätigkeiten nach und arbeitete u.a. als Montagearbeiter, Kellner, Buchhändler, Journalist, Schauspieler und Regieassistent.
1964 legte er sein Abitur an der Abendschule ab. Er studierte zwischen 1967 und 1971 Philosophie und Logik an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Leipzig. Danach wurde er Dramaturg und Autor an der Volksbühne Berlin, seit 1979 arbeitet er als freier Schriftsteller.
Bekannt geworden ist Christoph Hein durch seine Novelle »Der fremde Freund«, die 1982 in der DDR veröffentlicht wurde und in Westdeutschland 1983 aufgrund des Titelschutzes als »Drachenblut« erschien. Das Thema des Sich-zu

Offener Brief des PEN an den bayrischen Innenminister

Dokumentiert

Offener Brief an Bayerischen Innenminister Herrmann und Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Sommer

Sehr geehrter Innenminister Herrmann,
sehr geehrter Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Sommer,

als Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN-Zentrums bin ich entsetzt über die Abschiebung des vietnamesischen Schriftstellers und Menschenrechtsaktivisten Nguyen Quang Hong Nhan und seiner Frau aus Nürnberg.

Obwohl Nguyen Quang Hong Nhan 1979 wegen „

Kunstaktion und Bandenbildung

Die Antwort auf eine Anfrage der DIE LINKE Thüringen zeigt, dass die Thüringer Staats-anwaltschaft seit
1 1/2 Jahren mit dem Verdacht auf »Bildung einer kriminellen Vereinigung« nach §129 Strafgesetzbuch gegen die Künstler des Zentrums für politische Schönheit ermittelt.

Die Ermittlungen können schwerwiegende Folgen für sie haben, zum Beispiel durch die Streichung öffentlicher Mittel (unabhängig davon, ob sie verurteilt werden oder nicht).

Laut netzpolitik.org sind keine anderen Fälle bekannt, in denen der Staat in den letzten Jahren gegen Künstlerinnen oder Künstler mit dem § 129 vorgegangen ist.

Aufgenommen wurden die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft in Thüringen – nach vorliegenden Meldungen – wenige Tage nach Beginn der Kunstaktion in unmittelbarer Nähe zum Haus von Björn Höcke. Der rbb schreibt dazu in einer Meldung: »Das Verfahren wurde demnach am 29. November 2017 eingeleitet. Wenige Tage vorher hatte das Kollektiv

Nguyen Quang Hong Nhan muss wieder zurück nach Deutschland

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat entschieden, dass der regimekritische Autor Nguyen Quang Hong Nhan und seine Frau nach Vietnam abgeschoben werden. Nguyen Quang Hong Nhan hat bereits jahrelang in vietnamesischer Haft gesessen. Die Ausweisung ist eine Ausweisung in Verfolgung und Bedrohung. Bereits nach der Landung in Vietnam wurde der Autor über Stunden verhört und nur vorläufig auf freien Fuß gesetzt.

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller fordert das Bundesinnenministerium auf, alles dafür zu tun, dass Nguyen Quang Hong Nhan sofort nach Deutschland zurückgeholt wird.

Der VS unterstützt dabei ausdrücklich die schon laufenden Bemühungen des Deutschen PEN-Zentrums zugunsten des vietnamesischen Schriftstellers und seiner Frau.

Leander Sukov

Writers for Future

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) ruft zu Solidarität mit den weltweit streikenden und demonstrierenden Schülerinnen und Schüler für eine lebenswerte Zukunft auf.

»Wir bitten Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, wir bitten alle Menschen: Unterstützen Sie den Protest der Schülerinnen und Schüler, die in mehr als 110 Ländern mit ihren Mitteln für unser aller Zukunft demonstrieren!«, so Lena Falkenhagen, die Vorsitzende des VS.

Die Schülerinnen und Schüler fordern, dass die Menschheit endlich radikal gegen den selbst verursachten Klimawandel vorgeht, denn die Erderwärmung, die Verseuchung von Flüssen und Meeren, die Überschwemmung der Ozeane mit Plastikteilen, die Vernichtung von Insekten, die Zerstörung der Regenwälder bedroht nicht nur das Leben der Menschen, sondern die Gesamtheit von Flora und Fauna des Planeten.

»Es liegt in der Verantwortung aller Menschen, di

Den Weg wechseln oder untergehen

Der Kampf gegen die Klimakastrophe ist ein Kampf, wie es ihn noch niemals in der Menschheitsgeschichte gegeben hat. Er ist ein Kampf in Panik. In jener Panik, die Greta Thunberg sie will: Nicht die unüberlegte Panik, sondern die, die einen nach vorne treibt und alles andere als untergeordnet, nachrangig erkennt.

Der Kampf gegen die Klimakastrophe ist ein andere Kampf, als der gegen eine Diktatur, für eine andere Gesellschaftsordnung, gegen einen Aggressor, gegen Rassismus oder Faschismus. Es ist DER KAMPF. Der Kampf um alles. Es ist, Alles in allem, Armageddon. Es ist der Kampf um das Überleben der menschlichen Spezies. Und die Menschen, jedes für sich, sind zugleich Opfer und Täter. Man kann aus der Täterschaft nicht gültig austreten. Zusehr ist die Lebensführung, egal ob in Berlin oder Accra, egal ob in einem Dorf in Asien oder einem Village in Irland, mit der Erzeugung der Katastrophe verbunden. Enden können den Untergang nur alle Menschen, als menschliches, globa

Impressionen von der Leipziger Buchmesse

Bücher sind mehr als Handelsware, sie tragen die Gedanken, die Diskussionen, die Weltsichten und die Phantasie von Autorinnen und Autoren, von Gruppen, ja, der Bewohner eines Kulturgebietes. Sie zeigen das Morphen der Gesellschaft, sie zeigen den Hass und die Liebe, die Ressentiments und die Solidarität. Sie sind ein dauerhaftes Verzeichnis von Befindlichkeiten und Tendenzen. Sie sind wichtig. Es ist die Aufgabe des Staates sie zu befördern, zu bewahren, sie in Bibliotheken zu bewahren und zugleich zugänglich zu machen.

Zugleich aber sind sie natürlich auch Handelsware. Ihr Weg an die Leserschaft verläuft aus dem Rechner der Autorin oder des Autors über den Verlag und seine Auslieferung und die wichtigen Großhändler in den Buchhandel. Und dieser Weg ist durch die Insolvenz von KNV, einem der drei marktführenden Grossisten gefährdet. Aber Verlage, Auslieferungen, ja selbst die Konkurrenten wissen: Ohne Solidarität geht es nicht in der Kultur, der Kunst, der Literat

Aufstehen, die Mogelpackung

Florian Kirner ist Liedermacher, er richtet jedes Jahr im Mai das Paradiesvogelfest in Thüringen aus. Er ist ehrlich und man kann ihm trauen. Kirner gehört zu den Gründungsmitgliedern von Aufstehen. Offenbar hat Antje Vollmer daran Anteil. Er hat also von Anfang an zu Aufstehen gehört und war auch Teil der Führungsmechanismen. Im guten Glauben, es ginge um eine entstehende Bewegung.

Nun schreibt er bei Facebook: „Als es noch so aussah, dass Sahra bei der Fraktionsklausur der LINKEN im Januar als Fraktionsvorsitzende abgewählt werden könnte, hat Sevim Dagdelen der Fraktion mehr oder weniger offen damit gedroht, aus Aufstehen eine eigenständige Partei zu machen. In der Führung von Aufstehen haben die Vertreter der Linkspartei gleichzeitig ebenfalls diskret oder offen Druck in diese Richtung gemacht.
Als die Abwahl dann allerdings ausblieb, hat uns Oskar dann im Arbeitsausschuss lang und breit erklärt, warum Aufstehen

Für die, die es betrifft

Das teile ich für die, die ständig über Gretas Eltern, Bahnfahrten, Nahrungsaufnahmen und sonstwas herziehen. Und für die, die meinen, man solle Freitags nicht demonstrieren sondern für den Untergang lernen.
Ich möchte Euch ganz leise und in aller Freundschaft sagen (auch denen, die in der gleichen Partei sind wie ich, in der gleichen Gewerkschaft, im gleichen Ort wohnen oder auch Fans von Heinegoethebukowski sind):
ICH HALTE EUCH ALLE FÜR FREISCHWEBENDE RIESENARSCHLÖSCHER!

 

Leander Sukov

Das tätowierte Gedicht

Mein erster langfristiger Erfolg als Dichter war ein Gedicht über die Zwiebel. Die Zwiebel war meine Stammkneipe in Hamburg. Und ich glaube, kaum ein Gedicht hat einem Dichter in den Siebzigern oder Achtzigern hierzulande so lange Geld eingebracht, wie das. Ich habe keine Ahnung, wie es überhaupt dazu kam.

Jedenfalls: Ich war so um die Zwanzig und wir hingen mit ein paar Genossinnen und Genossen gerne in der Zwiebel ab. Ich latschte meist von Zuhause hin. Vom Sandweg über den Platz ohne Namen, heute heißt er Glücksburger Platz, durch die Eimsbüttler Straße und die Langenfelder rauf, wo meine Großeltern gewohnt haben, die Alsenstraße entlang und unter den Gleisen durch, über die Allee und beim Altonaer Rathaus vorbei und dann runter Richtung Neumühlen. Auch im Winter. Ich wusste, wann ich losgehen musste, um pünktlich um Acht vor der Tür der Kneipe zu stehen und dann, wenn ich Glück hatte, als der erste Gast in den Laden gelassen z