Tanzen. Tanzen.

Die drei Gitarristen spielen jetzt Tango.
Er hält sie fest im Arm. Beider Schritte synchronisiert in vielen Jahren. Sie tanzen ganz allein zwischen den Tischen des argentinischen Restaurants. Ganz leicht sieht ihr Tanz aus, so als würden sie schweben. Ganz leicht auch fühlen sie sich.
Sie haben sich ein Taxi gegönnt um hierher zu kommen. Nicht mehr oft geschieht es, dass sie ausgehen am Abend. Heute aber war sein Geburtstag. Zweiundachtzig ist er geworden. Und tanzt da mit ihr, als hätte er gar kein Alter.
Wein haben sie getrunken, vom schweren roten Hauswein und gegessen mit allem Drum und Dran.
Dos Gardenios spielen die Gitarren nun. Ein letzter Tanz noch. Dann wieder zum Tisch. Aus seiner Tasche holt er eine Postkarte, fingert seine Brille aus der Jacke, schreibt, lässt seine Frau gegenlesen. Die nickt zustimmend und sucht dann in ihrer Börse nach einer Briefmarke, finde eine, klebt sie auf.
Auf dem Weg zum Taxistand die Karte einwerfen! Das vergessen sie nicht.
Als die Polizei, gerufen von jenem ihrer Freunde, der die Karte erhalten hat, am nächsten Morgen die Tür aufbricht, findet man beide auf dem Bett liegend. Sie trägt eines ihrer schönsten Kleider und er einen Anzug, die Krawatte sorgfältig gebunden.Einen Zettel finden sie auf dem Nachtisch: „Wir tanzen. Wir tanzen.“

Leander Sukov

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