Leander Sukov

Schreiben.

Oschi

Posted on | Oktober 29, 2014 | No Comments

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Runter zum Hafen fuhr er manchmal.
Ein Bier an den Landungsbrücken, Korn dazu.
Und die Mütze schräg auf dem Kopf.
Im Großmarkt hat er gearbeitet, bevor er in Rente ging.
Die Hallen sind jetzt voll mit Kunst und Krempel.
Wenn Du nachmittags ins Parteibüro kamst,
dann war er da. Den Kaffee hatte er fertig.
Und auf dem großen Tisch lagen die Zeitungen des Tages.
Lies mal, wenn Du willst, sagte er.
Und abends war er auch noch da. Sass auf den Veranstaltungen.
Viel geredet hat er nie. Das war nicht seine Sache.
Aber dafür gesorgt, dass alles rundläuft,
dass es funktioniert – das hat er.
Nachts hat er an der kleinen Druckmaschine gestanden.
Und morgens um fünf waren die Flugblätter fertig zum Verteilen.
Irgendwann ist er weggegangen.
Wollte in die Sonne. Die Knochen, das Rheuma.
Aber das hat nicht geklappt. Wegen der fremden Sprache und der Einsamkeit.
Kam dann wieder zurück.
Natürlich arbeitete jetzt jemand anderes im Parteibüro.
Da hat er sich eine andere Arbeit gesucht. Arbeit gibt es ja genug.
In der Thälmann-Gedenkstätte. War immer da.
Brauchte er, musste was zu tun haben.
Wir sind immer gemeinsam essen gegangen, wenn ich in Hamburg war.
Mit Simone und Peggy und Per und Oschi hatte immer seine Freundin dabei.
Geredet hat er nicht viel.
Manchmal denk ich: Jetzt müsste er da sitzen. Und man kann zu ihm reden.
Und er hört zu. Viel sagen würde er nicht.
Aber was er sagt, das hätte Hand und Fuß.
Aber er sitzt nicht mehr da.

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