Das weinende Mädchen

Die ältere Frau umfaßte das weinende Mädchen. Sie strich ihm zärtlich über den Kopf. "Du hast alles richtig gemacht", sagte sie. In den Minuten vorher hatte es der Frau von seiner Familie erzählt; das war ihm schwergefallen, die Überwindung hatte bleiern auf ihm gelegen, als würde sich die Vergangenheit beim Erzählen in schwere stumpfsilberne Barren verwandeln.
Jetzt weinte das Mädchen.
"Ich kann Euch doch nicht alle ernähren", sagte die Frau, "es geht einfach nicht." Sie standen an der Klippe. Die Frau strich dem Mädchen noch einmal über das Haar. "Ich werde Dich hinunterstoßen müssen, hab‘ keine Angst, es ist nötig, ich mache es nicht gern." Nach einer Pause fügte sie leise hinzu "Bitte versteh‘ mich doch." Dann fiel das Mädchen.
Im großen Farmhaus war der Tisch gedeckt. Heute erwartete man die Farmer aus der Nachbarschaft. Da ließ die Frau sich nicht lumpen. Die Kassen wären gut gefüllt, hatte ihr der Großknecht gesagt, ein alter Mann schon, mit einem Holzbein. Sie mochte den Großknecht. Er tat, was sie ihm hieß. Loyal nannte sie das. Und noch nie war es nötig gewesen, daß sie sich hinter ihn stellte.

7 Replies to “Das weinende Mädchen

  1. Es ist übrigens nicht so, dass die Merkelsache der GRUND für die Geschichte war. Sie war lediglich der Anlass. Grund waren und sind die vielen Leben, die durch eine unmenschliche Asyl- und Flüchtlingspolitik beeinträchtigt und zerstört wurden.
    Da nützt es nichts, das es nun Verbesserungen für einige wenige geben wird, während gleichzeitig die Abschiebepolitik weiter läuft.
    Man muß auch der Gesetzesänderung ein gehöriges Maß an Zynismus bescheinigen. Wer nach 4 Jahren Duldung gut integriert ist, soll bleiben können. Integriert trotz Residenzpflicht, trotz zuvor stets drohender Abschiebung.

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