Leander Sukov

Schreiben.

Ein deutscher Professor. Eine reale Satire.

Posted on | Oktober 1, 2015 | 1 Comment

Wenn ein deutscher Professor, also ein orrrdentlicher deutscher (das Wort ist kurz und schnarrend auszusprechen) Professor der Meinung ist, gegen die Tugend der Nächstenliebe und der Solidarität anschreiben zu müssen, dann sind die Universitäten in Nationaldünkel und Deutschtümelei zurückversetzt. Dann sind wieder allenthalben Honoratiorenwirtschaft und Ordinarienherrschaft. Dann ist man zurück in der geistigen Kleinstädterei, im geistigen Wilhelminismus.

Das „Wir“ im Artikel des Professors, das „Wir“, welches gefragt werden will, ob „ob wir diese Einwanderung überhaupt wollen“, ist das „Wir“ einer völkischen Einheit und doch auch, wenn nicht gar in erster Linie, das der Oberschicht, der Standespersonen. Das ist ein Kasernenhof-Wir, ein Volk-Erwache-Wir, und doch eines, welches den Corpsstudenten und den ‚Alten Herrn‘ meint und nicht den angelernten Lagerarbeiter.

„Besonnenheit und Vernunft aber sind im Reich der Moralprediger, in das die Leitmedien Deutschland verwandelt haben, verboten. Wer auf den gesunden Menschenverstand verweist, riskiert Ausgrenzung und Ächtung.“, schreibt der Professor. Und meint mit Besonnenheit und Vernunft Zuwarten, bis die Kerls und Weiber verreckt sind, die da kommen wollen, und mit Vernunft meint er die Volksreinheit. Er verwehrt sich gegen das „Reich der Moralprediger“, nicht der Prediger, sondern der Moral wegen, die ihm eine falsche Moral ist, eine die der nationalen Sauberkeit nicht das Wort redet, sondern der Menschlichkeit, der Tugend des Humanismus, also des Humanismusgequatsche, um im preußischen Feldwebeljargon zu bleiben.

Da darf der Verweis auf die Armen nicht fehlen, die nicht verstünden, weshalb Flüchtlinge auch essen müssen und Kleidung zu tragen pflegen: „Warum soll eigentlich ein Einwanderer Sozialleistungen beanspruchen können, für die jene, die schon hier sind, jahrzehntelang gearbeitet haben?“ Ja, warum soll ein Mensch in Würde leben dürfen, wenn er kein Deutscher ist, sondern nur ein Zugezogener. Denn: „In Wahrheit weiss niemand, wer kommt und ob jeder Einwanderer eine Bereicherung ist. Aber auf die dunklen Seiten der ungesteuerten Einwanderung wird der Mantel des Schweigens geworfen (…)“. Darth Vader in der Maske eines Kindes, wer kann das schon wissen? Unbrauchbares Kroppzeug, Levantiner mit Hang zur Faulheit. Nichts genaues weiß man nicht, nicht einmal als deutscher Professor. Da graust es einen, dass das Nachttopfreplikat mit dem Bild von Wilhelm-zwo in vollem Wichs Sprünge kriegt. Da liegt man nachts wach, gepeinigt von Fremdenangst, da schwitzt man die innere Schlafmütze durch und das Nachthemd mit dem Doppeladler auf der Brusttasche. Und in den kurzen Schlafphasen, da träumt es einen von rein deutschen Städtchen voll mit rein deutschen Mädchen und Wein, Gesang und Burschenschaft.

„Deutschland hat seine nationale Souveränität aufgegeben und die Entscheidung darüber, wer kommen und wer bleiben darf, in die Hände illegaler Einwanderer gelegt.“, schwadroniert der Professor und ich sehe ihn beim Lesen seines Pamphlets vor mir. Entspannt, doch kritisch, blickt er durch die leidlich elegante Brille: auf dem Bild in der NZZ-Ausgabe vom 27. September 2015. Kurzgeschnitten der Bart. Leger das Hemd, oder ist es ein Poloshirt? Aber innen, da sitzt der Kneifer auf der Nase, da zwirbelt der Bart, da trägt der Professor Vatermörder und Gehrock. Da ist er ohne Tugend und Moral Deutscher, so wie es sich gehört. Der Professor Baberowski von der Humboldt-Universität zu Berlin.

 

http://www.nzz.ch/deutschland-verwandelt-sich-in-eine-tugend-republik-ld.2198

Comments

One Response to “Ein deutscher Professor. Eine reale Satire.”

  1. Mein innigster Traum ist endlich wahr geworden, Deutschland hat seine nationale Souveränität aufgegeben. Prof. Babbelowski hat es verkündet, es muss wahr sein.

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