Zweihundert Jahre Wagner

Nein, ich will mich nicht zur Musik Wagners äußern, außer mit dem notwendigen Statement, dass die Kunst abseits des Künstlers betrachtet werden sollte.
Mir geht es eher darum, meinen doppelten Unmut darüber kundzutun, dass die Festspiele erstens von der, dem Nationalsozialismus so affinen Familie auch nach der Befreiung ausgerichtet werden konnte, statt der Sippe die Ausrichtung und damit die Kunst aus der Hand zu nehmen. Und – das ist das Zweite -, dass in dieses bürgerliche Schaulaufen Geld investiert wird, welches anderenorts der Kunst fehlt.

26 Replies to “Zweihundert Jahre Wagner

  1. Meiner Meinung nach ist das ein Sonderfall, der sich von allen anderen unterscheidet. Das ist eben nicht, mMn nicht, ein Festspielhaus, es unterscheidet sich von den großen und zurecht teuren Opernhäusern.

  2. das wäre näher zu erörtern. in jedem fall bleibt die frage, ob man der anderen zu subventionierenden kunst mit dieser erörterung einen gefallen tut.

  3. Nein, das ist eben nicht die Frage. Ich bin dafür, die Etats zu erhöhen und nicht zu verhindern. Hier geht es aber nicht um Kunst, sondern um das politische Monument Bayreuth. Änderte man grundlegend die Organisationsform, wäre für mich die Chose eine andere.

  4. Da möchte ich doch mal ein anderes kulturelles Highlight ins Gespräch bringen, Weltkulturerbe und so ziemlich das meistbesuchte Gebäude in Deutschland… den Kölner Dom! Dessen Unterhalt verschlingt Millionen, diese werden zu einem winzigen Teil aus allgemeinen Steuermitteln gedeckt, Kirchensteuer deckt einen weiteren Teil, der komplette Rest (m.W. über 50%) werden von einem privaten Verein, dem Dombauverein gezahlt. Das da auch absetzbare Spenden in erheblicher Menge ankommen, ist klar! Aber: Das ist komplett transparent! Auf Heller und Pfennig! Die Mitgliederversammlung dieses Vereins findet übrigens in der Kölner Philharmonie mit über 2000 Sitzplätzen statt. Und da sitzen nicht nur Bankvorstände!
    Das ist eine Kulturförderung, mit der ich sehr gut leben kann!
    Und schon ein Dienstag abend im „Orgelsommer“ entschädigt mich mehr als komplett für meinen bescheidenen Beitrag… Geht sowas nicht auch da?

  5. Auf keinen Fall, weil Kontinuität nicht unterbrochen worden ist, kann ich auf den zweiten Teil verzichten. Schon die Ticketverteilung ist, na ja, zweifelhaft.

  6. bin auch skeptisch wie clemens haas…diese zähsossige eigenwahrnehmung in der sich deutschlands wagnerkritiker da suhlt, ist mir auch suspekt. bin da mehr bei daniel barenboim, der wagner zur aufführung nach israel (israel!) brachte (das ist mehr punk als die meisten im leben je schaffen werden….) und sinngemäß äußerte, er freue sich über jedes opernhaus, das überhaupt noch besucht werde, also auch über bayreuth. ganz viele – sogar mehrheitlich eher sehr linke – internationale künstler, die ich kenne, nehmen wagner so gut wie ausschließlich über den musikalischen und lyrischen anteil wahr. die fragen sich manchmal äußerst verwundert, warum in deutschland stets diskussionen geführt werden, die der kunst insgesamt in der wahrnehmung nicht gut tun. von solchen menschen kann man ja auch mal lernen…..du weißt Leander, ich bin ganz bei dir, dass die Kunst abseits des Künstlers betrachtet werden sollte. aber bei wagner kommt es mit stets so vor, als würdest du hier eine ausnahme machen….oder missverstehe ich dich?

  7. Das eine sind die Werke, die wichtig sind. Das andere ist der Familienclan und ist die Praxis in Bayreuth. – Nicht allerdings hinsichtlich der Aufführungen, sondern der Art, wie dort eine Institution Kontinuität wahrt, vorbei an der Kunst.

  8. ich bin zugegebenermassen nicht firm in der bayreuther praxis. ich stelle nur erneut zur diskussion, ob eine solche debatte der kultur an sich hilfreich ist. ich bin selbst klassischer musiker und weiss, wie nötig subventionen sind, andere mögen durch eine solche debatte grundsätzliche zweifel entwickeln.

  9. Clemens Haas, ich bin da fast bei dir, aber nicht um jeden Preis! Darf ich wieder das von mir eingeführte Beispiel nehmen? 2 Generationen von Organisten haben sich an der alten Querhausorgel abgerackert, ohne den Raum gescheit bespielen zu können… Dann kam einer, der gesagt hat ich will! Und auf den Tisch geklopft hat… Dann kam viel Diskussion, am Ende die Langhausorgel, 2006 ein Hochdruckwerk unter en Türmen, jetzt reißen sich die Organisten darum, das Ensemble zu bespielen… Steter tropfen hölt den Stein, und an Kulturförderung geht kein Weg vorbei!
    Nur war die in meinem Beispiel überwiegend privat finanziert, was die Wagner-Dynastie da macht ist nur so lange gut, wie es künstlerisch bestand hat… Just my 2 cents…

  10. Ich weiß natürlich, dass es diese unsäglich Diskussion um Subventionen gibt. In diesem Falle geht es mir aber nicht um die Subventionen, sondern darum, wie Tickets vertrieben werden, um den Familienbesitz an der Kunst, der abgemildert weiter wirkt und um das Verelitieren des Ereignisses. Es gibt kaum etwas Vergleichbares.

  11. aach, war doch erstens eh klar, wer gemeint war, zweitens war der bemängelte kommentar doch auch nicht ernst zu nehmen. wie schon gesagt: selbstzerfleischung gilt vermieden zu werden.

  12. in unkenntnis der meinetwegen unsäglichen bayreuther praxis: ist dein zorn da nicht vielleicht an der falschen stelle und wäre woanders gewinnbringender?

  13. Da bin ich schon fast wieder für die „kölsche“ Lösung, freier Eintritt, Spende erwünscht, das Prinzip funktioniert wieder Erwarten gut!

  14. Arg, mein Beitrag ging um die Subventionen, die manchmal die Not wenden, aber oft auch vom Publikum selbst aufgefangen werden können…

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