St. pauli: Die Chongs vom Hamburger Berg

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Ein Mensch mit großem Herz!

Es gab den "Kiez", also die Gegend um die Reeperbahn, schon immer zweimal. Schon als ich als Kind mit meinem Großvater zum Fischmarkt lief, gab es den Kiez zweimal. Einmal den für die Touristen und die Besucher von Bordellen und Vergnügungslokalen und den anderen Kiez, den für die Bewohner, den mit der Solidarität untereinander, den wo man sich kannte. Mein Großvater kannte hier ein paar Leute, die wir aber fast nie besuchten. Er zeigt auf die Straßen, auf die Davidstraße oder andere und sagte, dort würde der und der wohnen oder es hätte dort, früher, der und der gewohnt.
Seinen Freund von See, dessen Namen ich vergessen habe, besuchten wir als einzigen. Opa war Marinesoldat im ersten Weltkrieg gewesen und hatte am Matrosenaufstand teilgenommen. Und der Freund war auch dabei. Er wohnte in der Seilerstraße, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht. In einem Haus mit engen, steilen Stiegen, in einer Puppenhauswohnung mit alten Möbeln und Tischchen und Deckchen und, wenn ich mich richtig erinnere, mit einem großen Flaschenschiff auf einer kleinen Anrichte.
Großvater und ich gingen nicht oft zum Fischmarkt. Zwei oder dreimal im Jahr vielleicht. Sonntags, in aller Frühe und immer zu Fuß. Denn der Hamburger Fischmarkt findet nur Sonntags in der Zeit von sechs bis zehn Uhr statt.
Es war ein weiter Weg von der der Langenfelder Straße, wenn man sechs oder sieben Jahre alt ist und kurze Beine hat. Mein Großvater wohnte gegenüber der Mennonitenkirche, die so schön und verwunschen war, damals. Wir gingen immer genau den selben Weg. Die Langenfelder Straße bis zum Ende, dann über das Schulterblatt und den Neuen Pferdemarkt, die Budapester Straße, die mein Großvater Thälmannstaße nannte, weil sie so geheißen hatte, bis zum Aufstand in Ungarn 1956, und die ganze Reeperbahn hinunter und dann am Nobistor nach links. Und dabei erzählte mein Großvater von Hamburg und von seiner Zeit auf See.

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