Sozialdemokratische Gedanken in einer Plattenhaussiedlung nahe der Ruhr am Neujahrsabend.

Die erste Nacht im neuen Jahr ist fahl verhangen.
Die Rasenflächen vor den Häusern wirken depressiv.
Den blaugestrichenen Balkons ist alle Farbe fortgegangen,
Die Wolken hängen grau und schwer und tief.

Zum Weihnachtsfest gab es Geschenke zweiter Hand.
Für ihre beiden Kinder nur gebrauchtes Glück
Den kleinen falschen Baum mit Glitterband
Bringt sie im Januar dem Diakon zurück.

Und in der Post die Grüße ihres Ortsvereins.
Von ihrer SPD, die Nahles in der Halbtotalen.
Und Sprüche, Eigenlob, und bald würd‘ alles besser sein.
Und kleine, aber keine großen Zahlen.

Das Geld hat dieses Jahr ganz knapp gereicht,
weil sie im Juni schon gespart fürs Fest
Paar Euro jeden Monat. Das fällt nicht leicht,
Weil leicht mit Nichts sich wirklich gar nichts sparen lässt.

Die Drangsal, diese Armut, diese Bettelei
In Ämtern, bei der Tafel, in der Kleiderkammer,
der ganze schwere täglich wiederholte Jammer,
die Schuld daran trägt die Partei

Und jeden Tag will sie‘s Parteibuch retournieren,
Will raus da, noch schlägt links ihr Herz.
Und sich für sich und ihre Kinder engagieren.
Der Austritt: Scheidung, Abschied, Trennungsschmerz.

Vielleicht, sie steht am Fenster, schaut aufs Gras,
Versänke dann im Rot das Grau an grauen Tagen.
Würd‘ kräftig auch, was jetzt noch fahl und blass.
Die Armut bliebe, doch wüchs der Stolz auf ihre Narben.

Das denkt sie, nimmt die Karte, geht auf den Balkon.
Der Wind greift nach dem Blatt und trägt’s davon.


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