Migrationshintergrund: Arschlochland

Auf dem online-Portal des Berliner Kuriers befindet sich heute ein sechsseitiger Artikel über Neukölln. Es geht, wie sollte es anders sein, um angebliche Konflikte zwischen Jugendlichen mit "Migrationshintergrund" und Biodeutschen.
Ich persönlich bin noch nie in Konflikt mit Menschen mit Migrationshintergrund geraten, jedenfalls, falls ich nicht auch sagen soll: Brillenträgern, Kurzhaarigen, Langhaarigen, Glatzköpfen, Dicken oder Dünnen. Ich gerate nicht in Konflikt mit jemandem weil der aus Ghana, Palästina, Liechtenstein, Norwegen oder Russland kommt. Überfiele mich so einer, so überfällt mich da niemand aus Ghana, Palästina, Liechtenstein, Norwegen oder Russland, sondern aus Arschlochland. Denn diese Leute, wohnen alle in Arschlochland, auch die Deutschen, die ja nicht weniger aggressiv oder kriminell sind. Das ist der Migrationshintergrund: Arschlochland. Und da kann es einem schnuppe sein, ob der dann auch noch aus einem anderen Land außerhalb Deutschlands stammt oder nicht.
Die ganze Zuordnung, dieser Sermon über Täter mit Migrationshintergrund geht am Wesentlichen vorbei: Nämlich, dass Menschen durch ihre Lebensumstände zu Arschlöchern gemacht werden, weil es für sie gar nicht anders geht. Da hilft auch kein Hinweis darauf, dass es doch auch die Nichtkriminellen gibt. Offenbar gibt es ja Menschen, die sich nicht anders zu helfen wissen, als so. Wer sich das bauliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit schon mal angesehen hat, das da im Rollbergkiez in Berlin steht, dieser Knastbau für die Marginalisierten, muss sich nicht mehr fragen, was Menschen in Aggression und Kriminalität treibt. Wer die Hartz-IV-Gesetze mitbeschlossen hat, muss sich nicht fragen, warum Handys und Knete abgezogen werden. Wer dieses Schulsystem verteidigt, muss sich nicht fragen, weshalb es Familientraditionen jenseits jedweden gesellschaftlichen Aufstiegs gibt, wer das Betreuungsgeld mitbeschließt, muss sich nicht fragen, weshalb Sprachvermögen so unterschiedlich verteilt ist. Wer objektiv will, dass die Marginalisierten marginalisiert bleiben, muss nicht subjektiv fragen, weshalb das denn so sei.
95 % der Kriminellen werden durch ihre Lebensumstände dazu gemacht. Das gilt für den kriminellen Banker ebenso, wie für den Kriegsverbrecher oder eben den Jugendlichen mit oder ohne Migrationshintergrund, der gewalttätig wird. Nur sind eben die Lebensumstände unterschiedlich. Der eine will sich bereichern, der andere will heldisch seinen Feind vernichten und der dritte will nicht mehr, als etwas Achtung, als etwas besser zu leben, als nicht mehr das letzte Glied in der gesellschaftlichen Kette zu sein. Der eine geht mit einer Millionenrente in die Pension, der andere bekommt Orden und wird befördert, der dritte geht in den Knast. So laufen die Dinge hier. Man kann das nicht wegbuschkowskysieren, man kann das nicht mit einer sarrazin’schen Wenden umdrehen. Natürlich bleibt für mich der, der mich überfällt immer noch als einer aus Arschlochland. Aber ich weiß auch, wer im Arschlochland regiert: Der Banker und der Kriegsverbrecher, die Manager der Großindustrie, für die Menschen variables Kapital sind. Der, der mich zum Opfer machen will, ist selbst auch nur eines. Und es ist genug geopfert und genug zum Opfer gemacht worden. Die Regierung von Arschlochland muss weg, dann gibt es auch viel weniger Arschlöcher. Im Großen, also in Wannsee und Hamburg-Blankenese und im Kleinen, also in Neukölln oder Köln-Ostheim.

One Reply to “Migrationshintergrund: Arschlochland”

  1. „Wer sich das bauliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit schon mal angesehen hat, das da im Rollbergkiez in Berlin steht, dieser Knastbau für die Marginalisierten, muss sich nicht mehr fragen, was Menschen in Aggression und Kriminalität treibt.“

    In Arschlochland wird jeder bereits vom Assi im Studium fertig gemacht, der menschlich und schön bauen möchte anstelle ideologisch.

    Ach übrigens: In Arschlochland wollen es sich Rechtsanwälte nicht mit der Justiz verderben und die Justiz nicht mit der Mafia!

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