In der Veranstaltungspause

Und dann stehst Du in der Pause
vor der Tür und rauchst eine
und sie stellen sich dazu
drei vier.
Na, denkst Du, den da kenn ich doch.
Und der sagt: Genosse, sagt der,
also für einen Marxisten halte ich Dich nicht.
Aber immerhin, bist Du Mitglied der DKP,
kein Kommunist zwar, aber Mitglied der DKP.
Und Dir fällt ein: Der hatte früher immer eine
Mao-Bibel bei sich. Und Bibel ist das richtige
Wort, denkst Du und steckst Dir noch eine an.
Ob Du, fragt er Dich, das neue Buch von
Lesurdo schon gelesen hättest über Stalin
und Du sagst ja, weil Du es ja schon gelesen hast.
Aber er sagt, er hätte, das sei doch viel interessanter
einen Vortrag über das Buch gehört
und dann zitiert er aus dem Vortrag,
hat sich alles gemerkt.
Zitieren konnte der schon immer gut.
Und einen Moment lang, denkst Du an Rudi Schulte
und überlegst, ob Du Tauben züchten solltest,
aber Dir fehlt ein passendes Dach für den Stall.
Na, sagst Du, zitieren kannst Du ja gut.
Und gleich legt er nach: Noch ein Zitat von Lenin
und eines von Marx.
Du sagst, leider hättest Du das Wichtigste vergessen
mitzunehmen zu dieser Veranstaltung.
Und er fragt, was das denn sein würde, das Wichtigste.
Pappnasen, sagst Du, rote Pappnasen.
Die würden ihm stehen und ein paar anderen Genossen auch.
Sozusagen als Vaterländische Verdienstorden für gutes
Auswendiglernen.
Da läuft er rot an und Du sagst: Du bist rot angelaufen,
und sprichst ihm Mut zu: Weil das ja ein erster Schritt sei.
Was außen rot würde, würde vielleicht auch innen rot.
Ganz ohne Zitate, ganz ohne Bibeln, ganz ohne Religion.
Ganz nach Marx und Lenin.
Da wird er noch röter. Und Du sagst:
Siehst Du, der Entwicklungsprozess hat schon begonnen.

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