Gewitter im Gebirge

Hier ist kein Berg. Ich schreib Dir einen.

Siehst Du die dunklen Wolken — es kommt ein schweres Wetter. Durchnässt schon, doch noch vor dem ersten grellen Blitz erreichst Du die Hütte. Und sie haben noch ein Bett für Dich. Aus den nassen Sachen nun. Hüttenschuhe, Trainingshose, den rauen Janker. Jagertee am offenen Feuer. Draußen helle Blitze gegen die graublanke Wand des Bergs, Widerhall des Donner vom Gestein. Und schlafen dann. Der Weg hierher hinauf durchs Joch war lang.

Acht Glasen, zur zweiten Wache weckt Dich der Steuermann. Der Berg verliert sich schnell in den Wellen der kabbeligen See. Getrieben von der frischen Brise gleitet der Katamaran über die unendliche Weite, Du bist der Vorschotmann. Vor Euch schweres Wetter. Schwarz fast der Himmel. Blitze zucken. Tiefes Grollen rollt heran.

Eine Hand fasst Deine Schulter. Dass man nun schlösse, sagt der Wirt, die letzte Tram käme bald. Die Schwärze der Nacht weicht dem Grau des Tages. Die Tram schreit in den Kurven. In den Bäckereien schon Licht. Der Regen nässt Dich auf dem Weg von der Haltestelle zu Deiner Wohnung. Im Vorgarten fliegen Spatzen auf.
Hier ist kein Berg, kein Ozean und auch nicht Wirt und Tram und Spatzen.

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