Für die, die es betrifft

Das teile ich für die, die ständig über Gretas Eltern, Bahnfahrten, Nahrungsaufnahmen und sonstwas herziehen. Und für die, die meinen, man solle Freitags nicht demonstrieren sondern für den Untergang lernen.
Ich möchte Euch ganz leise und in aller Freundschaft sagen (auch denen, die in der gleichen Partei sind wie ich, in der gleichen Gewerkschaft, im gleichen Ort wohnen oder auch Fans von Heinegoethebukowski sind):
ICH HALTE EUCH ALLE FÜR FREISCHWEBENDE RIESENARSCHLÖSCHER!

 

Leander Sukov

Das tätowierte Gedicht

Mein erster langfristiger Erfolg als Dichter war ein Gedicht über die Zwiebel. Die Zwiebel war meine Stammkneipe in Hamburg. Und ich glaube, kaum ein Gedicht hat einem Dichter in den Siebzigern oder Achtzigern hierzulande so lange Geld eingebracht, wie das. Ich habe keine Ahnung, wie es überhaupt dazu kam.

Jedenfalls: Ich war so um die Zwanzig und wir hingen mit ein paar Genossinnen und Genossen gerne in der Zwiebel ab. Ich latschte meist von Zuhause hin. Vom Sandweg über den Platz ohne Namen, heute heißt er Glücksburger Platz, durch die Eimsbüttler Straße und die Langenfelder rauf, wo meine Großeltern gewohnt haben, die Alsenstraße entlang und unter den Gleisen durch, über die Allee und beim Altonaer Rathaus vorbei und dann runter Richtung Neumühlen. Auch im Winter. Ich wusste, wann ich losgehen musste, um pünktlich um Acht vor der Tür der Kneipe zu stehen und dann, wenn ich Glück hatte, als der erste Gast in den Laden gelassen z

HANK WAR LANGE NICHT MEHR HIER

das letzte was ich hörte war
dass es ihm gut geht
somewhere
früher kam er manchmal vorbei
erzählte von seiner jugend
brachte linda mit
berichtete von seiner beerdigung
die ist ein viertel jahrhundert her
hat sich gut gehalten
der verstorbene
sieht nicht tot aus
hat viel zu tun
immer neue bücher
jedenfalls war er schon
eine ganze zeit lang nicht hier
schreibt aber
ich mache mir notizen
für später

Bild: Wikipedia, Commonurbock23 [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)]

Leander Sukov

Das Uploadfiltergespenst

Die großen Internetkonzerne haben sich alle Mühe gegeben. Und es hat geklappt. Google, Youtube und Konsorten ist es gelungen die hochverehrte Onlinerschaft völlig durch den Kakao zu ziehen. Mit dem Gespenst der Uploadfilter haben sie es geschafft, dass ganz ernsthafte Menschen tatsächlich daran glauben, dass nach Verabschiedung des EU-Urheberrechts die Freiheit des Internets zusammenbrechen könne. Filter überall.

Aber es ist nicht so. Der ganze Hype dient nur einem: Dem Verhindern von Zahlungen an die Verwertungsgesellschaften. Die aber sichern den Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland und den meisten europäischen Ländern das Leben und oft auch das Überleben. Sie nehmen die Rechte der Schöpfer*innen wahr. Das gilt für Musik ebenso wie für Fotografie, Literatur, Journalismus oder Bühne. Und ihnen, den Schöpfer*innen, einen angemessenen Anteil zu ermöglichen, ist das Ziel des Gesetzentwurfes.

Die Verwertungsgesellschaften schreiben in einem Rundbrie

Greta Thunberg hat recht!

Als ich mit dreizehn sagte, was ich auch heute sagte schalt man mich eine altkluge Göre.
Als ich es mit zwanzig sagte, hieß man mich zu jung um die Zusammenhänge zu verstehen.
Als ich es mit fünfunddreißig sagte, sagte man mir, mir ginge es zu gut, um zu verstehen, was das Leben wirklich sei.

VS tagte in Aschaffenburg

VS verabschiedet »Aschaffenburger Antwort«
und beschließt Aufnahme von Selfpublishern und Selfpublisherinnen

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di hat heute auf seiner Bundeskonferenz im Rahmen eines viertägigen Jubiläumskongresses in Aschaffenburg die »Aschaffenburger Antwort« verabschiedet, in der sich der VS entschieden gegen Hass, Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus wendet. »Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller des VS sehen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft wie auch international mit großer Sorge. Für uns ist Demokratie nicht verhandelbar«, heißt es darin. Der VS verpflichtet sich, sich »laut und deutlich in die Auseinandersetzung um die Freiheit und Demokratie« einzubringen.

Daran angelehnt haben die VS-Delegierten zudem eine Charta zur Verteidigung der demokratischen Rechte als eine Selbstverpflichtung für neu eintretende VS-Mitglieder verabschiedet.

Künf

Der Arzt

Die Arzthelferin erschien in der Tür, sagte sie ginge nun, Feierabend sei’s, ob noch etwas wäre. Er zuckte mit den Schultern, machte eine schlaffe Bewegung…

Greta und die Schönheit des Schwarzweißen

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In den letzten Wochen ist viel um die Aktivitäten von Greta Thunberg diskutiert worden. Und abgesehen von der Tatsache, dass sich virtuelle und ganz reale Trolle im Netz und auf Regierungsbänken als die Dummköpfe geoutet haben, die sie sind, ist mir Gretas Festhalten an der Schwarzweißfrage der Klimaschutzaktivitäten immer eingängiger geworden. Diese Deutlichkeit, in der Greta keine Grauschattierung in dieser Frage zulässt, hat mich veranlasst über die Akzeptanz und Toleranz bestimmten Positionen gegenüber neu nachzudenken. Und dieses Nachdenken war eigentlich eine Rückkehr auf die gepflasterte Straße der politischen Auseinandersetzung – eine Rückkehr vom glitschigen Pfad der politischen Megatoleranz.

Eine Meinung zu haben ist nichts wert, wenn jene, die sie proklamieren ihre nichts anderes einräumen, als Meinung unter Meinungen zu sein. Und wenn zugleich ein offenes Meinungs

Simone Barrientos am Tag des Auschwitz-Gedenkens (Rede)

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Nach der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz soll Simone Barrientos (DIE LINKE), kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, zur Kultur im ländlichen Raum sprechen. Und sie spricht dazu. Auf ihre, ganz einzigartige Weise, und schlägt den Bogen zu Auschwitz und dem Faschismus. Auch mit der Rezitation eines Gedichtes von mir.

Leander Sukov

Broder, Zigeuner und die AfD

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Die Rede Broders vor der AfD als Link. Und ein Hinweis. Was Broder sagt (und was er meint), können Sie alle selber lesen. Zwei Anmerkungen will ich trotzdem machen.

Broder sagt: „Ich bin für eine Verschärfung des Tatbestands „Kindesmissbrauch“, um auch solche Fälle verfolgen zu können wie den der bereits erwähnten Greta aus Schweden, die von den Klimarettern zur Ikone ihrer Bewegung erkoren wurde.“ Ganz offenbar aber ist ja die Greta aus Schweden eine intelligente Jugendliche, die weiß was sie tut und sagt. Was Broder hier fordert ist schlicht weg das Mundtotmachen einer Position, respektive ihrer Trägerin, die ihm zuwider ist. Denn das Wetter – lesen Sie es selbst nach — ändert sich täglich. Broder ist kein Demokrat, sondern eine Demagoge, de