Altmann und die körperliche Reaktion

Gray1154Altmann erwartete eine körperliche Reaktion. Aber die kam nicht. Eine Tatsache, die ihn überraschte, verwunderte, ja, sogar, in allerdings gelindem Maße, für einen Moment verwirrte, so dass er die vorbeieilende Kellnerin nicht rief, kein ‚Kann ich bitte zahlen?‘ erschallen ließ, sondern losgelöst von der Umgebung und doch in ihr verharrend, sich ganz darauf fokussierte die ausbleibende Reaktion zu bedauern, das nicht erfolgte Anschwellen schmerzlich zu vermissen und dieses Gefühl zu verstärken, um sich, für einige Sekunden allerdings lediglich, in Selbstmitleid sowohl, wie auch in der wohligen Gewissheit zu suhlen, jetzt zu den Männern zu gehören, die fortgeschrittenen Alters meistens, mehr brauchten als Bild und Vorstellung, die auch Mechanik bedurften, des Griffes in die Hosentasche und ihrer Finger also, um die Reaktion hervorzurufen, die nun ausgeblieben war.

Die Frau, ein Mädchen fast noch, derentwegen er die Reaktion erwartet hatte, eigentlich des volllippigen Mundes halber, der blonden Haare wegen und der kontrastierenden Augenbrauen, saß einige Tische entfernt auf der anderen Seite des Ganges, der den Raum in eine, den Fenstern nahe Seite, wo Altmann Platz genommen hatte, und eine zum Tresen und zur Backstube hin gelegene teilte. Altmann hatte sich schon immer zu Attributen dieser Art hingezogen gefühlt. Zu Lippen, die voll waren, aber nicht zu sehr, nicht in einer Weise, die sie schlauchig wirkten ließ, nein, zu energischen Lippen mit einem Hang ins Weichliche, zu blonden Haaren und dunklen Brauen, zu dunklen Haaren und hellen Brauen auch, zum Kontrast also, zum unterlaufenen Gleichklang der Behaarung, zu einem Körper, der noch schlank genannt werden konnte, zu drallen Oberschenkeln, denen man ihre Kraft ansah und Augen, die voll Spott blicken konnten. Und immer hatte der Anblick von Frauen, die diese Eigenschaften zeitigten oder denen er sie leicht zuschreiben konnte, zu einer körperlichen Reaktion geführt. Sein Glied hatte sich versteift dann, und der Versteifung folgte, in die aufsteigende Geilheit hinein, sein Schöpfungsakt, folgten Geschichten und Imaginationen. Jetzt aber blieb all das aus. Altmann bedauerte sich auf das Bedauern, welches er auch für sich spürbar willentlich ausübte, oben drauf, so wie man das Spiegelei aufs Hacksteak legt. Als Dreingabe und weil es gut schmeckte.
„Kann ich bitte zahlen“, rief er nun der Kellnerin zu und die eilte herbei, brachte die Rechnung, fragte, ob es geschmeckt hätte und Altmann antwortet beiläufig, aber wahrheitsgemäß: Ganz ausgezeichnet. Dann zahlte er und ging zurück in das Hotel am Hafen. Stand am Fenster, blickte auf die Spaziergänge, suchte nach Frauen, die in jenes Schema passten, welches die Schwellkörper schwellen lassen konnte, fand keine, legte sich aufs Bett, knöpfte die Hose auf und onanierte.

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