Leander Sukov

Schreiben.

{Die Stadt} Alles Glueck der Menschen liegt in weiten Strassen.

Geschrieben | 4.Mai 2011 | 0 Kommentare

Leightonhero Der Silberhaarmann streicht mir über die nackte Haut des Bauches. „Wer kann es schon wissen? Wer kann schon wissen, was einen zum Mörder macht, zum Völkermörder, zum Folterer. Welche Umstände es waren, welche Prozesse abgelaufen sind um diese Menschen. Wer kann die pathologischen Mörder unterscheiden von den gelernten Befehlsempfängern?“

Dann wieder küsst er mich, aber ich mache mich los. Jetzt wieder entfliehen, jetzt wieder fort, jetzt wieder allein sein oder mit vielen, nicht mehr mit ihm nur. Jetzt habe ich alle Nähe getrunken, habe alle Seele gefasst. Als ich stehe in der Tür, als ich stehe bekleidet, fluchtbereit, da lege ich meinen Kopf noch einmal an seine Brust, da streicht er mir noch einmal durch mein Haar, küsst mich zum Abschied. Und in dem Kuss die Frage: Wird die wiederkommen? Und ich sage ihm: „Klar, ich komme wieder, Silberhaarmann“.

Ach, Alles Glück der Menschen liegt in weiten Straßen.

Es ist früh noch, nach meinen Verhältnissen. Noch nicht einmal Mitternacht ist es. So stehe ich an der Bornholmer und weiß nicht, was ich machen soll. Was tun mit dieser Nacht, die schon so voll geschüttet ist mit allen meinen Astralleibern, die nach Geschlechtsverkehr riecht und auf meiner Haut liegt der Atem des Silberhaarmannes. Und doch zieht es mich nicht nach Hause, ist es noch nicht so weit, dass ich mich befriedigen muss um mir aus allem eine Phantasie zu bauen, die mir lieber ist als nur der Erinnerung an eine Wirklichkeit, die nicht mehr ist, sondern war. Nein, noch nicht. Noch muss noch hinzu geschüttet werden. Muss noch mehr hinein, noch Seelen, wenn ich welche finde umschlungen werden, noch Haut gespürt. Kevin, denke ich … zu ihm jetzt fahren. Aber ich will jetzt nicht anrufen. Mag sein, er sei nicht zu Hause. Dann stünde ich in der Einsamkeit der Bornholmer Straße. Nein, erst zum BAIZ zurück und dann anrufen. Da bin ich wie in einer Muschel, ick Perle, und kann mich mit Radeberger trösten. Alle Radeberger des Abends sind aus mir herausgestöhnt, geschwitzt, da wäre Nachtanken nicht schlecht. Ich nehme ein Taxi bis zur Ecke vor dem BAIZ, damit das keiner sieht, es wäre mir peinlich.

Ich rufe Kevin an. Mailbox. Draufsprechen. Zigarette drehen. Da ruft er zurück. Und natürlich soll ich kommen. „Komm schnell.“, „Mach Kaffee“.

Kevin der kleine bürgerlicher Revoluzzer, der Autoanzünder, der mit der komischen Art zum Orgasmus zu kommen und zu bringen, der mit der Einsamkeit auf Bildern. Kevin, der ein Stückchen zu viel ist wie ich. Der mich mit seiner Liebe vollscheißt, wie ein Kleinkind die Windeln. Kevin den ich gern habe und von mir stoße.

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