Neunundzwanzigster Juni Zweitausendzehn
Carusos Stimme schwebt durch die Zeit in den Raum. Der Raum ist ein Park. Klein, gestrüppig. Kein Mensch dort, jetzt. Caruso schwebt in den Park durch die Hecken, kommt her von irgendwo, klingt entfernt und klingt doch durch den Park hindurch zu mir. Caruso aus der anderen Zeit, hinweg über Sträucher und durch die Baumkronen.
Panamahüte [...]
Achtundzwanzigster Juni zweitausendzehn
Die Monde stehen vor den Sonnen. Und gehen wieder aus dem Stand. Es hat kein neuer Tag begonnen. Und über irgendeinem Land auf irgendeiner Welt, fern, dass sie niemand sah von dieser her, brennt heiß die Sonne, dörrt das Gras und macht, dass Wasser dampfig aufsteigt, sich Wolken formen und jene dann dem Monde [...]
Siebenundzwanzigster Juni Zweitausendzehn
Unter dem Firmament ziehen Rappen. Glänzend das schwarze Fell im Funkeln der Sterne, und jeder Stern ist nur das Geschützfeuer eines fremden Krieges, Kausalität aus Asymetrie, Ergebnis von abkühlenden Verhältnissen. Im Sand die Katze; wälzt sich und fängt imaginäre Mäuse. Im Süden tragen Fußballspieler lange Unterhosen. In Toronto nennen sie Gewalt, was sichtbar ist sofort.
Am [...]
Vierundzwanzigster Juni Zweitausendzehn
Alles ist relativiert worden. Die Mauern bröckelten, es rissen die Wände, der Wind pfiff durch die kaputten Fenster. Es hatten die Maurer nicht gemauert auf dem Fundament. Es hatten die Glaser keinen Kitt auf die Rahmen geworfen, es hatten die Dachdecker nur lose die Schindeln gelegt. In großer Eile baute man einen Schutz gegen den [...]
Dreiundzwanzigster Juni Zweitausendzehn
Die alten Zöpfe abzuschneiden, ist das Geschäft der Friseure nicht. Es ist unser Geschäft. Und wir müssen uns trennen von den alten Zöpfen. So wie wir unsere Wohnungen neu einrichten müssen. Wer will schon im Museum wohnen? Wir schleppen die Vergangenheit so dicht an uns mit, dass wir nicht in der Lage sind, sie zu [...]
Zweiundzwanzigster Juni Zweitausendzehn
Unter den Städten wohnen die Ratten. Sie suchen im Dreck der Menschen nach Nahrung. In die Dunkelheit der Abwässerkanäle fallen Sonnenstrahlen in armseliger Menge durch graue Gullideckel. Auf dem Labyrinth der Kanalisation stehen prächtige Hotels und Einkaufszentren, verweigern marode Mietskasernen den Einsturz, behaupten Plattenbauten und Hochhaussiedlungen auch ein Platz zum Leben zu sein. Man hat [...]
Einundzwanzigster Juni Zweitausendzehn
Über Nord fliegen die Drohnen ein. Nicht größer als Libellen sind sie, wendig, lautlos und schnell. Nichts entgeht ihnen. Ihre Daten geben sie weiter. Der Empfänger gleicht sie ab mit Verbindungsdateien, drahtlosen Netzen und Referrern.
Nach Süden fliehen die, welche sich nicht koppeln lassen wollen ihre ganz wirkliche Existenz mit der virtuellen ihren Daten. Ihre Handys [...]
Zwanzigster Juni Zweitausendzehn
Unsuk Chin schickt in meinem Arbeitszimmer ein Piano mit der Ordre der Etude No.6 auf die Suche nach den tropfenden Tönen, die wie leichter Regen aus den Lautsprechern fallen. Und ihr wird in zwei Minuten Gloria Coates folgen mit Stimmen aus der Grünen Hölle.Die Klassik geht nie zu ende. Aber was ist die Klassik. Für [...]
Neunzehnter Juni Zweitausendzehn
In Paris, so lese ich in seinem Blog, stiftet ein Freund Verwirrung, findet ein Präservativ vor dem Bett und ist erinnerungslos hinsichtlich des Grundes für das Vorhandensein des Schutzhutes, treibt die eine durch die Tür mit der Mitteilung, eine andere würde kommen. Hier ist nichts dergleichen. Ich habe lange geschlafen, gut und tief, fern vom [...]
Achtzehnter Juni Zweitausendzehn
Auf der Südhalbkugel ist Winter. Die Deutschen sind abgeserbt. Manche holen ihre Fähnchen wieder von den Balkonen und ziehen die Bundesstoffpräser von den Rückspiegeln. Hier ist Sommer und es ist heiß. Am Himmel tanzen Hexen in den Sonne, auf dem Rasen des kleinen Parks haben Gartenzwerge ein Freibad eröffnet unser Kater löst Kreuzworträtsel und macht [...]
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