Leander Sukov

Schreiben.

Mit Lenins Gehrock gibt es keinen aufrechten Gang mehr.

Gedanken anlässlich eines Beitrags von Ekkehard Lieberam in der jungen Welt Es geht vermutlich nicht nur mir so — jedenfalls habe ich die Hoffnung, auch anderen aus der dialektischen, der Marx’schen Seele zu sprechen: Die Welterklärungen auf dem Stand der Sechziger und Siebziger (die sich ohne jede Evolution in die Achtziger verlängerten) sind von so […]

Kunst und Sünde

Als ich vor mehr als 12 Jahren nach Berlin zog, wollte ich mich mit Freundinnen und Freunden aus verschiedenen queeren Szene dort unbehelligt von den dort weitverbreiteten persönlichen Animositäten treffen. Ich wählte ein nettes und von einem homosexuellen Pärchen geleitetes französisches Restaurant in Schöneberg. Und bald kamen, des guten Essens wegen und der hervorragenden Mundpropaganda […]

Hans’ Ehe

Hans freute sich jeden Morgen auf die Zeitung. Hörte er den Briefkasten klappern, so lief er hinaus, öffnete die Lade mit eigentümlicher Vorfreude und holte das Tageblatt heraus. Dann in die Küche, an den Frühstückstisch. Hans goss sich Kaffee ein, nahm einen Schluck, spürte die Hitze des Getränks und den vertrauten, stets gleichen Geschmack, das […]

Till und Nele sangen

Till und Nele sangen ihr letztes Lied bei Stuttgart trat Ulrike ins Licht oder erschrak sich zu Tode vor den Taten Don Quixotes in Spanien schlägt die Stunde der Ölsardinen und in der Schlacht im fernen Kurdistan fällt Ivana das kalte Herz in der Brusttasche immer ein Buch der Rudi Dutschke ist nur noch Patron […]

Hinter Avignon 1977

Jürgen Ponto starb hinter Avignon Arschlöcher sagte B. Die Guardia Civil hatte Sturmgewehre im Arm. Wir hofften auf frischen Wind. Die Verbindung der Zeilen ist billig. Ich weiß. Wir wurden das Geld nicht los. In Portugal. Saõ Martinho do Porto. Sandstrand. Portwein. Weißes Hotel. Ganzer Sack Keramik. Exportlage gut. Genossenschaften schon historische Größen. Da sieh. […]

Ein Mann hört Alban Berg

Er hätte, die Sonne brach fast gewalttätig durch die Fenster seines Wohnzimmers und Staubkörnchen tanzten in der sich erwärmenden Luft als wären es tausende winziger Elfen, jetzt lieber Sunshine Reggae gehört oder etwas von den Beach Boys, aber die Rolle, er wollte nicht aus der Rolle fallen und suchte auf dem Laptop nach Alban Berg, […]

Die große graue Schuld

Die ganze sachliche Ruhe ist fort nun aus dem Gesicht des Mannes im Fernsehen. Ganz traurig sieht er nun aus, er weint, seine Stimme, die fest war und gleichmütig eben noch, bei allen Erzählungen über die Flucht und das Verlorensein im Litauischen fest und gleichmütig, ist brüchig nun. Die Schuld ist in ihm gewachsen wie […]

Weihnachten und Heimatverlust

Dem deutschen Nationalisten ist Deutschland das Fluchtziel seiner rückwärtsgewandten Ideale. Da erstehen vor seinem inneren Auge Gloria und Talmiglanz preußischer Großmannsucht im Gewandt schneidiger Ulane und draufgängerischer Freicorps auf. Deutschland ist ihm ein innerer Reichsparteitag und auch alte Fürstenherrlichkeit. Ob Reichbürger oder anhängiger Mitläufer des Heiligen Deutschlands: Sein Deutschland ist sein Deutschland. Das mag er […]

Verlorene Stellung

Du bist schön wie die tote Soldatin auf dem Bild in der Zeitung. Deine Lippen blutig rot, wie die Farbe der Feindkräfte auf den Karten der Stäbe. Deine Haut so weich wie das vergehende Fleisch der Gefallenen. Ich treibe auf Dir wie ein schiffbrüchiger Seemann im endlosen Meer. Mein Glied fährt in dich, wie das […]

Ein deutscher Professor. Eine reale Satire.

Wenn ein deutscher Professor, also ein orrrdentlicher deutscher (das Wort ist kurz und schnarrend auszusprechen) Professor der Meinung ist, gegen die Tugend der Nächstenliebe und der Solidarität anschreiben zu müssen, dann sind die Universitäten in Nationaldünkel und Deutschtümelei zurückversetzt. Dann sind wieder allenthalben Honoratiorenwirtschaft und Ordinarienherrschaft. Dann ist man zurück in der geistigen Kleinstädterei, im […]

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