Leander Sukov

Literapoltur

Erster September Zweitausendzehn

Kein Rabe kreiset um den Berg,
des Kaisers Barbarossas Zwerg
ist eilend in das Schloß gestürzt.
Er fasst des Kaisers starke Hand.
Oh, Kaiser, jetzt ruft Dich das Land,
die Edlen habens Volks bestürzt.
Die Raben sitzen auf den Bäumen,
jetzt lass uns eilen und nicht säumen,
mit goldnem Waffenrock beschürzt.
Da tritt der Kaiser aus dem Berge
und mit ihm die Armee der Zwerge.
Vom [...]

Dreistziger August Zweitausendzähn’

Eine Überraschung lag heute in der Post. Philipp Brück muss gestern noch zum Postamt im Hauptbahnhof geeilt sein, um mir ein kleines Büchlein zu schicken. Es ist von August von der Lahe, der mir persönlich bis heute unbekannt war. In einem Begleitbrief schreibt Brück mir, dass es sich bei August von der Lahe „um einen [...]

Nein und zwangister Aujust Zwei tauschen Zehen

Jetzt in Hamburg, traf ich, eher beiläufig und zufällig auf den mir persönlich recht gut bekannten Philipp Brück, der in den Neunzigern (des vorigen Jahrhunderts), die heute noch als Referenz hergenommene Schriftenreihe mit Werken des späten Jugendstils herausbrachte. Er hatte sich damals auf eher unbekannte Autoren konzentriert, die ihren Schaffensschwerpunkt in Hamburg, beziehungsweise Altona, Hamburg [...]

Ach, zenter August Zweitausendzehn?

Eines muss natürlich klar sein. Richtig sauer wurden die Römer wegen des Weizens. Als die Augusta von Palmyra, Zenobia, Ägypten eingenommen hatte, sperrte sie die Getreideexporte an Rom. Das wir nicht klug. Und so kamen die Römer nach Palmyra, um nachzusehen, wer ihnen das Brot verweigerte. Sie nahmen die Augusta mit nach Rom. Ihre Berater [...]

Ort in Berlin

Steinwellentrümmerkronenbrachland
Fensterhöhlenstummsingmäulerchor
Bierdosenfriedhofsanlage
Räudigekatzensonnenbank
Grauhundeblumenrefugium
Schmeißfliegenflughafen
Kahlbaumaussichtshügel
Straßenflußinselidylle
Papierfetzensportplaz
Menschenleerort
Windweide
Ruine
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Am Fluss

Im dunklen Fluss seh ich die Wolken ziehen.
Sie fliehen aus dem Wasser an das Land.
Der Strand er trägt den Dreck der Stadt.
Matt seh ich meinen Schatten schwimmen.
Die Sonne treibt zerbrochen auf den Wellen,
in hellen goldnen tausendfachen Teilen.
Verweilen kann man nicht an solchem Ort.
Fort muss ich zu den lauten Stimmen.
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Dreizentner Aujust Zweitausend Zehen

Abends Verbrecher. Massenweise. Überall. Keine verbrecherfreie Ecke. Sie trieben sich herum und wurden herumgetrieben, sie rieben sich aneinander, schwitzten im fairen Wettstreit ihre verbrecherischen Gedanken aus der Haut, sie tranken Wein, sie soffen Bier.
Frauen in roten Kleidern schwebten ein, direkt vom Himmel, doch in ihren Augen kein Engelsblick. Männer in schwarzen Anzügen und grauen Hemden [...]

Elfenaugust Zweitauendezehen

Katharina sind müde aus. Schön müde – denn die Müdigkeit gibt ihr einen Touch von Verruchtheit. Ein wenig erinnert sie an eine Bardame aus einem alten Film: Das Make-up verwischt vom Duschen, die Haare noch nass, nachlässig den Bademantel über die nackte Haut gezogen, seine Ärmel hochgezogen.
„Gästezimmer?“ fragt sie. Ich antworte nicht. Natürlich weiß ich, [...]

Fünfter August Zweitausendzehn

Mir fällt nichts ein. Marie spukt mir nicht im Kopf herum. Ein gutes Zeichen. Sie hat 90 Seiten mit ihrer Nichtliebe vollgekotzt, schert sich einen Dreck um sich. Und sie weiß nicht, was sie kochen soll.
Am Abend Schriftstellerstammtisch im Terzo Mondo. Und am morgigen Morgen wieder Marie. Am Abend dann Kunst und Sünde.
Sünde – davon [...]

Dreissigster Juli Zweitausendzehn

Nachbarschaftsgedicht
Wenn die Vorstädte brennen,wird mir warm ums Herz.Die Punks auf dem Marktplatzerhöhen mein Sicherheitsgefühl.Das einzige Braune, das hier brütetsind die Spatzen.
Meine serbischen Nachbarnkommen gut aus mit den polnischen.Oben links hört jemand Strassenjungs.Der kurdische Bäcker backt das Brot.Die Mischung stimmt.
Wenn die Städte brennen,wird auch wieder gelöscht werden.Es kommt darauf an,wer den Brand legtund wer die Feuerwehr [...]

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