Leander Sukov

Literapoltur

Elfenaugust Zweitauendezehen

Katharina sind müde aus. Schön müde – denn die Müdigkeit gibt ihr einen Touch von Verruchtheit. Ein wenig erinnert sie an eine Bardame aus einem alten Film: Das Make-up verwischt vom Duschen, die Haare noch nass, nachlässig den Bademantel über die nackte Haut gezogen, seine Ärmel hochgezogen.
„Gästezimmer?“ fragt sie. Ich antworte nicht. Natürlich weiß ich, [...]

Die Stadt (unbearbeiteter Ausschnitt)

>>Als ich erwache, schläft sie noch. Ich stehle mich leise ins Bad, dusche, schleiche in die Küche, mache mir Kaffee und lege ihr einen Zettel hin: „Danke für das weiche Bett“, schreibe ich darauf. Dann husche aus der Wohnung und fahre nach Hause.

In meinem Haus, schon als ich die Haustüre öffne, der Geruch von [...]

Dreigezähnter Juli mit zweitausend Zehen

Was denkt man, wenn man verlassen wird. Ich meine nicht das strukturierte Ergebnis, nicht das Resultat des Denkens und daraus abgeleitet die Gedanken in schöner Ordnung und in einer Rückbetrachtung. Ich meine den konkreten Augenblick, die Verwirrung, die Gedankenfetzen, diese Liebeskatastrophe im Kopf. Was denkt man da (alles) und wie schreibe ich es auf.
Marie [...]

Die Stadt – Ein Textteil (unbearbeitet)

Bis Donnerstag gehört die Ausgestaltung meiner Tage ganz mir. Fahre am Dienstag, (nachdem ich den Montag mit ich weiß nicht was, keine Ahnung, umgebracht habe (dabei allerdings immer wieder Gedanken an Lutz!)), der ein sonniger Herbsttag ist, leicht, das Licht schon ein halbes Winterlicht, zur Topografie des Terrors. Auf dem Niveau der Straße steht in [...]

Zehnter Juli Zweitausendzehn

Dat is kloar: Ick heff de Hitten nich ordert. Ick bün jo nich bregenklöterig. Dat sünd geföhlte veertig Groad. Un vellicht sünd de nich blot geföhlt. Jüstern, ob'n Obend weert wi bi de Junge Welt inne Loadengalleree to een Bemöting för de nächste Bukmess in Havanna. Gaud – dor is dat ook heet, äwer dor [...]

Achter Juli Zweitausendzehn

"Die Stadt" schreitet vorran. Noch ist viel zu lektorieren. Ich schreibe schnell, wie ich es immer tu'. Der erste Text ist, was dem Maler die Skizze. Und so bleibt auch das Folgende nicht, wie es ist:
Und dann kniet der traurige Kevin vor der Matratze und sieht ganz hoffungsvoll aus. "Hast Du kommenden Dienstag Zeit", fragt [...]

Fünfter Juli Zweitausendzehn

Gedrückt, ganz wie in einem Waschhaus, hier die Luft. Das Grün lässt sich ins Graue hängen. Und ich, gerüstet schon, das kühle Haus noch zu verlassen, hab’ überlegt, dass alles, was ich heute tun kann, auch morgen gut sich angeh’n lässt.
Und gäb’ es ihn, so wüsst’ Gott vielleicht, weshalb jetzt der verfluchte Sommer, die [...]

Zweiter Juli Zweitausendzehn

In den Straßenschluchten rund um den Potsdamer Platz hängt die Hitze zwischen den Häuserwänden wie eine unsichtbare Flamme. Mein Schweiß läuft mir den Nacken herunter, steht auf der Stirn, brennt in den Augen. Kein Windhauch hilft mir und den anderen, die schweißgetrieben Zuflucht im Einkaufszentrum suchen, sich vor Auslagen vor dem Auslaugen gerettet haben. In [...]

Sechzehnter Juni Zweitausendzehn

Nicht fließt alles. Panta rhei, hoch die Tassen, Heraklit. Am Ende ist Anfang. Agamemnon ist auch nur ein besserer Trottel gewesen. Mykene der Paläste war auch Mykene der Slums. Da beißt kein Stier den Faden ab im Labyrinth. Wie ich auf diesen Blödsinn komme? Europäische Verfassung: Hellenismus. Heute abend ist Schorsch Fülberth in der Ladengalerie [...]

Vierzehnter Juni Zweitausendzehn

Ich bin müde. Ich habe schlecht geschlafen. Der Tag wirft Sonne in mein Arbeitszimmer. Ich habe meine Arbeit getan, gestern schon und sie heute poliert, die Fehler ausgebessert und fortgesandt. Am Himmel ziehen Schäfchenwolken. Mir fallen die Augen zu und ich will schlafen und träumen.
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